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Einzelausstellung: Ana Roldan - Truth (vorbei)

9 September 2006 bis 21 Oktober 2006
 
 
  annex14 - Raum für aktuelle Kunst

annex14
Junkerngasse 14
3000 Bern
Schweiz (Stadtplan)

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tel +41 (0)44 - 202 44 22
annex14.com


Ana Roldán (*1977 Mexico) war 2005 bei annex14 in der Gruppenausstellung More Things vertreten. Truth ist die erste Einzelausstellung in einer Galerie in der Schweiz. Sie besteht aus dem Objekt truth, mehreren Zeichnungen sowie einem poetischen Text.

Verallgemeinernd lässt sich sagen, dass Ana Roldáns künstlerischer Stoff sowohl die Sprache selbst ist wie auch die seit dem Zusammenbruch der Moderne freigesetzte und freiflottierende Sehnsucht nach Ordnungen und einer neuen Geborgenheit. Diesem Sehnen begegnet die Künstlerin allerdings mit einer Skepsis, die zusätzlich genährt wird von einem Wissen um die Widersprüchlichkeit menschlicher Leidenschaften. Die momentane Unbehaustheit des Subjektes ist für die Künstlerin deshalb Ausgangspunkt eines breit angelegten Nachdenkens über Konventionen, Begriffe und Vorstellungen.

Die gestalterischen Mittel, deren sich Ana Roldán in dieser Ausstellung vorwiegend bedient, sind Symmetrie und Spiegelung. Beides sind eigentlich Verfahren, aus denen Konstellationen entstehen, die festgefügte Ordnungssysteme suggerieren. In die ornamenthaften Formen hat sich aber, wie schon in der Romantik, das Unheimliche und Bedrohliche ins Schöne eingenistet. Die symmetrisch angelegten Wandzeichnungen und das gespiegelte Wort truth - ein dreidimensionales Objekt mit einer schwarz glänzenden Oberfläche - wirken vorerst wie fremde Zeichen oder Hieroglyphen, die ihre Mehrdeutigkeit schliesslich sukzessive entfalten. Dabei wird das Spiel der Bedeutungszuweisungen zusätzlich potenziert durch die möglichen, assoziativen Bezüge zwischen den einzelnen Arbeiten und dem Text.

Truth, Wahrheit, als absoluter Begriff sowohl Motor wie Kompass von Philosophie, Religion und Wissenschaft, wird im Objekt endlos auf sich selbst zurückgespiegelt. Nurmehr der gewagte Sprung des Betrachtenden in die Leere oder in die Freiheit individuellen Denkens oder Handelns scheint hier einen Ausweg zu bieten aus der Schwindel erregenden Selbstreflexion eines - ideologisch vereinnahmten - Begriffs. Hermetisch wirken auch die ornamentalen Zeichnungen, bei denen die Künstlerin vorgefundene Abbildungen in lineare Chiffren übersetzt, gespiegelt und weiterbearbeitet hat. Als Vorlagen dienten Figuren, die immer wieder mit Magie oder Aberglaube in Verbindung gebracht werden, so etwa Künstler oder Fabelwesen. Die erneut gewählte Selbst-Bespiegelung als Methode lässt vermuten, dass auch die magisch-mythischen Weltbilder, verstanden als Gegenentwurf zur aufgeklärt-rationalen Weltsicht, nicht unbedingt den Weg aus der Unbehaustheit in eine neue Geborgenheit weisen können. Die Situation bleibt für das gegenwärtige Subjekt also paradox. Etwa so wie das du sie in Ana Roldáns Text erfährt, wobei der Ort austauschbar bleibt:

[...] Als wärst du plötzlich in Luft gefangen
zwischen zwei leichten Kugeln über Bern.

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