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Einzelausstellung: Anne Rößner - Speak my language (vorbei)

12 Dezember 2009 bis 23 Januar 2010
  Anne Rößner - Speak my language
Anne Rößner, Reiter, 2004
Flechtteppich, Acryl auf Papier
287 x 217 cm
 
  Galerie Christine Mayer

Galerie Christine Mayer
Liebigstrasse 39
80538 München
Deutschland (Stadtplan)

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tel +49 (0)89 - 24 24 38 32
www.galeriechristinemayer.de


Turm, Ritter, Kelch - die Motive der drei großen Flecht-Teppiche von Anne Rößner sind so einfach wie monumental. Ihre literarische Symbolkraft speist sich aus Parzival-, Nibelungen- und Artus-Sage, ihre bildhafte Kraft aus der monolithischen Einfachheit und Typik ihrer Form. Märchen- und sagenhafte Stoffe und Bilder, die in die Wagner-Oper und durch diese hindurch gesickert sind, geronnen in der Plastik-Ritterburg des Kinderzimmers als letzter Bastion romantischer Sehnsüchte moderner Gesellschaften. Konstanz der Form ist nicht gleich Konstanz der Bedeutung. Form kann Bedeutung nur transportieren, nicht aber konservieren.

Die Flechttechnik, die auf den Fidschi-Inseln zur Anfertigung von Matten verwendet wird, löst die Motive in kleine Rechtecke auf. Bemalte Papierstreifen greifen ineinander und bilden ein Raster aus Vorne und Hinten, aus sichtbaren und verdeckten Feldern. Eingefasst von mäandernden Bändern werden die zentralen Motive selbst zum Ornament, gehen als abstrakte Vielheit in der Gesamtkomposition auf. Als Akt der medialen Transformation ist diese Technik modern und archaisch zugleich. Der Wandteppich ist Bild und bleibt dabei ein Ding, auch dies ist modern und archaisch zugleich.

"Rot ist die schönste Farbe." Rot ist ebenso einfach wie monumental. Zeichnungen in nur einer Farbe anzufertigen, heißt, dem Bild eine bestimmte Temperatur geben zu wollen. Monochromie ist bewusste Beschränkung. Monochrom-rot zu zeichnen heißt: Sich konzentrieren auf das, was Rot ist und Rot macht mit dem, was ich zeichne. Denn Rot ist anders als Blau oder Gelb. "Das rote But des Drachen ist ein magischer Schutz für den Helden." Zeichnen ist ein Prozess, der dem Schreiben gleicht. Zeichnung und Schrift sind nah am Denken, das Rot ist formale Präsenz.

"Vasen sind Gefäße mit einem Loch oben." Gefäße mit dem Loch an der Seite oder ohne Loch sind keine Vasen. Die Form der Vase ist ebenso einfach wie monumental. Die Form der Vase lässt sich innerhalb bestimmter Parameter variieren. Einfache und aufwändige Vasen sind denkbar. Anne Rößner hat eine Vielzahl von Vasen herstellt: klassische Vasen, elaborierte Vasen, dünn- und dickwandige Vasen, monochrome und polychrome Vasen. Wichtig ist, dass sie als Vasen funktionieren, dass die plastische Form Ding bleibt. Die Vase als Archtetypus des Gefäßes wird durch die selbst gesetzte Limitierung bestätigt und in Frage gestellt zugleich. Hierin liegt die Kunst.

Vasen können rot sein. Und Vasen können Kelche sein. Aber Konstanz der Form ist nicht Konstanz der Bedeutung.

Daniela Stöppel

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