Language and login selector start
Language and login selector end

Einzelausstellung: Beate Passow - Gesammelte Verluste - Fotoarbeiten, Objekte, Video - 1992-2002 (vorbei)

2 Februar 2002 bis 17 März 2002
  Beate Passow - Gesammelte Verluste - Fotoarbeiten, Objekte, Video - 1992-2002
Beate Passow, Zähler/Nenner, Fotoarbeit, Projekt 1995-1998,
(Europa und Israel)
 
  Haus am Waldsee - Der Ort internationaler Gegenwartskunst in Berlin

Haus am Waldsee - Der Ort internationaler Gegenwartskunst in Berlin
Argentinische Allee 30
14163 Berlin
Deutschland (Stadtplan)

E-Mail senden
tel +49-(0)30-801 89 35
www.hausamwaldsee.de


Gesammelte Verluste umfasst Arbeiten Beate Passows aus den Jahren 1992 - 2002 und steht im Zeichen eines neuen Interesses an einer sich politisch artikulierenden Kunst, die wieder nach der Verantwortung, Rezeption und dem gesellschaftlichen Stellenwert künstlerischer Arbeit fragt. Doch anders als die gesellschaftskritischen und z. T. ideologisch gefärbten Werke der 70er Jahre setzt eine Künstlerin wie Beate Passow auf die leiseren Töne der „art of memory", indem sie der Kunst eine Erinnerungs- und Mahnfunktion zumisst, die gegenwärtiges Geschehen im Rekurs auf Vergangenes begreifbar werden lässt und in der Geschichte die Wurzeln für zeitgenössische Traumatisierungen und Katastrophen aufsucht. Beate Passow praktiziert eine subtile Methode der Sichtbarmachung von gesammelten Verlusten der menschlichen Existenz: Rassismus und Neonazismus, Spuren des Krieges, physischer Tortur und der Völkervernichtung im Dritten Reich wie in anderen totalitären Regimen (etwa Maos China), ebenso wie die psychischen Beschädigungen des Individuums in einer zunehmend unsozialen und zutiefst verunsicherten Gesellschaft der westlichen Zivilisation. Deutlich wird, dass die Fragen nach „Ursachen", „Schuld", „Erinnerung" und „Erlösung" bis heute ein dem abendländisch-christlichen Wertesystem verhaftetes und - insbesondere in Deutschland - innersoziaies Beziehungsgefiecht darstellt, dass jedoch die Aufgabe ernst zu nehmender kritischer Kunst nur darin bestehen kann, die Frage nach den „Rahmenbedingungen" zu stellen statt Schuldzuweisungen vorzunehmen.

Beate Passows latentes memento gegen die Amnesie des kollektiven Gedächtnisses arbeitet nicht mit herausfordernden Anklagen oder akklamatorischen Gesten, sondern mit stillen Demonstrationen von Eindrücken, Bildern, Gesten und Zeichen, die sie dem Alltag und der Medienwelt entnimmt, als Installationen mit Objekten und Fotoarbeiten oder als reine fotografische Dokumente mit minimalen künstlerischen Eingriffen inszeniert, verfremdet und in ihrer Aussage zuspitzt. Sie spürt ihre Bildfindungen im genauen Beobachten der Realität auf - zuweilen im Bewusstsein, dass heutige Kunst der überbordenden Wirklichkeit kaum noch etwas entgegenstellen kann oder dass Kunst und Wirklichkeit in katastrophalen Kollisinen zusammenfallen können wie etwa in dem Ereignis des 11. September 2001: Eine im Schmutz liegende, achtlos weggeworfene Zeitungsseite mit Schuhreklame und Bildbericht „Vermisst in New York" oder ein ans Ufer geschwemmtes.

Nachrichtenmagazin mit Zigarettenwerbung und Titelbild von Todesspringern vor den brennenden Twin Towers wurde für Beate Passow zum Auslöser ihrer neuen Arbeit TOD´S and Lucky (2002), mit der sie die Flüchtigkeit und Oberflächlichkeit der Wahrnehmung medial gespiegelter Ereignisse und die Vergänglichkeit von Bildern anspricht. Die Bedeutung der künstlerischen Geste - und wäre dies nicht schon viel? ist dann vielleicht beschränkt auf das Aufheben, Sichtbarmachen und Bewahren unserer „gesammelten Verluste" als Teil des individuellen und kollektiven Gedächtnisses.

Ausstellung und Katalog wurden ermöglicht durch die freundliche Unterstützung der Hypo-Kulturstiftung, München, Siemens Berlin sowie Philip Morris Kunstförderung.

  • ArtFacts.Net - Ihr erfahrener Kunst-Dienstleister

    Seit dem Start in 2001 hat ArtFacts.Net™ in Zusammenarbeit mit internationalen Kunstmessen, Galerien, Museen und Künstlern eine anspruchsvolle Künstlerdatenbank entwickelt.