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Einzelausstellung: Carola Dertnig (vorbei)

4 Februar 2006 bis 19 März 2006
  Carola Dertnig
Carola Dertnig, Lora Sana III, 2005. Courtesy Galerie Andreas Huber, Wien. Foto: Rainer Iglar
 
  Galerie im Taxispalais

Galerie im Taxispalais
Maria Theresien Straße 45
6020 Innsbruck
Österreich (Stadtplan)

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www.galerieimtaxispalais.at


Presseinformation

Carola Dertnig
4. Februar – 19. März 2006

Pressegespräch: Freitag, 3. Februar 2006, 10 Uhr
Eröffnung: Freitag, 3. Februar 2006, 19 Uhr

Eröffnung durch LR Dr. Erwin Koler, Kulturreferent des Landes Tirol
Zur Ausstellung spricht Dr. Friedrich Tietjen, Wiener Secession und Universität für angewandte Kunst, Wien

Im Zentrum von Carola Dertnigs Denken, ihrer Forschung und künstlerischen Arbeit steht das Performative. Texte, Bilder, Live-Aktionen und Videos bilden dabei miteinander verschränkte performative Ebenen, in denen Dertnig vordergründig Bekanntes mit vernach-lässigten Rückseiten und Gegenentwürfen konfrontiert. Die Künstlerin ist zumeist selbst die Akteurin in ihren Arbeiten, vornehmlich in ihren Videos; zugleich untersucht und reflektiert sie performative Strategien aus den letzten Jahrzehnten, wobei kritisch-feministisch geprägte Blickweisen sowie ein explizites Interesse an der Politisierung von Gender zu den zentralen Aspekten ihrer Arbeit gehören. Die Ausstellung zeigt das breite Spektrum von Dertnigs künstlerischer Arbeit, die auch jeweils die Orte in den Mittelpunkt rückt, mit denen die Künstlerin verbunden ist.

Die Seefeld-Triologie ist dem Ort gewidmet, wo Dertnig in der kleinen Frühstückspension ihrer Großmutter teilweise ihre Kindheit verbracht hat. Dertnig untersucht in drei verschiede-nen Arbeiten jene Prozesse, die durch den Tourismus in Gang gesetzt und jeweils von widersprüchlichen kollektiven und privaten Utopien durchquert werden. Im Haus Jenewein geht es um ein 1932 von dem Architekten Siegfried Mazagg erbautes Haus, ein hervorragendes Beispiel für das Bauen der Moderne in alpinen Regionen, das allerdings vor einigen Jahren abgerissen wurde, um für ein Apartmenthaus im "Tiroler-Stil" Platz zu machen. Dertnig versucht eine Rekonstruktion der Geschichte dieses Hauses und der Implikationen seiner Zerstörung.
Bei Playcastle thematisiert sie ein gescheitertes Tourismusprojekt und dessen Architektur. Das Playcastle imitiert eine mittelalterliche Burg, während seine hochmodernen unterirdischen Hallen mit seinen Erlebniswelten der Inszenierung aller möglichen Markenwaren hätten dienen sollen.
In der Arbeit Love-Age (ein Wortspiel mit lovage, dem englischen Wort für das Gewürz Liebstöckl), 1999 in New York entstanden, begegnen wir Dertnigs Großmutter, die als selbständige Unternehmerin mit ihrer Pension einen wichtigen Aspekt des Nachkriegs-tourismus repräsentierte. Dertnig verschränkt die von der Großmutter erzählten Träume von Liebesfantasien mit den Fiktionen der Fernsehsoaps, die die alte Dame im Alter begleiteten. Eine Fotoserie der seit den 1950er Jahren fast unveränderten Räume der ehemaligen Frühstückspension verknüpft das Vergangene mit dem Heute, um zugleich die Bruchstellen des Privaten wie auch des touristisch Öffentlichen zu markieren.

Die Arbeit ...but buildings can'talk... umfasst eine Serie von Zeichnungen, Fotos und Texten, die Dertnig im Sommer des Jahres 2001 machte. Die Gebäude, die sich hier "miteinander unterhalten", sind die zeichnerisch personifizierten Türme des World Trade Center, ihr Thema ist das auf sie verübte Attentat von 1993. Dertnig hatte in einem der Zwillingstürme ein Atelier im 91. Stock, wodurch für sie ein besonderer Bezug zu dem Gebäude entstand. In einer Fotoserie hielt sie leer stehende Büros fest, die – teilweise devastiert – vom plötzlichen, wirtschaftlich bedingten Auszug ihrer Mieter zeugen.
...but buildings can'talk... ist ein ironisch-liebevoller Metatext über die Stadt New York; die Attentate von 9/11 rückten nicht nur die Stadt, sondern auch Dertnigs Arbeit in ein völlig neues Licht.
Im Video A room with a view in the financial district dokumentieren die mit der Foto-Taste der Videokamera aufgenommenen Bilder verlassene (dot.com-)Büros im World Trade Center. Diese klare, mit dem Format der Dokumentarfotografie spielende Bestandsaufnahme kombiniert Carola Dertnig mit einer Ich-Erzählung aus dem Off, in der Beobachtungen zu ökonomischen Strukturen und individuellen Lebensbedingungen, künstlerischer Produktion und Wirtschaftskraft, zu Überwachung und mobilen, verfügbaren Leerstellen in einer kreisenden Dynamik ineinander fließen. (Rike Frank)

Die Protagonistin Lora Sana der gleichnamigen Foto- und Videoarbeit, die Dertnig aus kommentierten Interviews ehemaliger Akteurinnen des Wiener Aktionismus entwickelt hat, transponiert bislang unpopulär gebliebene Aspekte kanonisierter Kunstgeschichte und die damit verbundene Identitätsbildung des Wiener Aktionismus. Dertnig verlässt die fiktional-dokumentarische Distanz gegenüber dieser Kunstrichtung und führt diese über in den gegenwärtigen Diskurs, indem sie die kaum beachteten weiblichen "Modelle" der Aktionisten ins Zentrum setzt. Künstlerisch sieht das so aus, dass Dertnig auf Aktionsfotos Bildausschnitte überzeichnet und so eine andere Sichtweise auf die legendären Bilder ermöglicht. Die neue Arbeit wird zu einer Dokumentation einer weiteren Aktion, eines performativen Eingriffs.

In der anlässlich der Ausstellung erstmals vollständig gezeigten Video-Slapstickserie True Stories (1997 – 2003) kulminieren Dertnigs sensible Auffassungsgabe, ihre präzise Umsetzung und ihr Humor auf hervorragende Weise.

Im Februar 2006 erscheint die mit Stefanie Seibold erarbeitete Publikation Let's twist again (Dea Verlag). Die Dokumentation berücksichtigt insbesondere jene Positionen von Perfor-mance in Wien seit 1960, die trotz ihrer Bedeutung für die Szene von der offiziellen Kunst-geschichtsschreibung weitgehend ignoriert wurden.

Carola Dertnig lebt und arbeitet in Wien.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, der im Rahmen eines Vortrags präsentiert wird:

Vortrag und Katalogpräsentation
Donnerstag, 9. März 2006, 19 Uhr
Michael Zinganel
Frühstückspension Dertnig – Performanzstrategien in alpinen Bühnenlandschaften
Dr. Michael Zinganel arbeitet als Architekturtheoretiker, Kurator und Künstler in Graz und Wien; er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der technischen Universität Graz.

Katalog (dt. / engl.)
Hg. Silvia Eiblmayr / Galerie im Taxispalais, Innsbruck
Texte von Friedrich Tietjen, Michael Zinganel und Joachim Moroder, Interview von Johanna Schwanberg mit Anni Brus und Carola Dertnig

Dank an
Anni Brus, Helmut Dertnig, Juma Hauser, Galerie Andreas Huber, Hanel Koeck, Heimatmuseum Seefeld, Margit Alt Woldrich, Hannes Seyrling, Erna Andergassen, Kulturausschuss der Gemeinde Seefeld in Tirol, Michael Rosenkranz,
Univ. Prof. Dr. Joachim Moroder

Schließtag
Dienstag, 28. Februar 2006

Informationen: Mag. Karin Jaschke, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Dr. Silvia Eiblmayr, Leiterin
www.galerieimtaxispalais.at.

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