Language and login selector start
Language and login selector end

Einzelausstellung: Carsten Weitzmann - Malerei (vorbei)

4 März 2000 bis 29 April 2000
  Carsten Weitzmann - Malerei
 
  Galerie Jarmuschek+Partner

Galerie Jarmuschek+Partner
Halle am Wasser - Invalidenstrasse 50/51
10557 Berlin
Deutschland (Stadtplan)

E-Mail senden
tel +49 (0)30 - 28 59 90 70
www.jarmuschek.de


„Das Rauschen der Bilder...“

Angetrieben von dem Wunsch nach einer perfekten Wirklichkeitsillusion leben wir in einer unendlichen Bilderwelt. Durch die permanente Steigerung der mimetischen Illusion zur Simulation nähern wir uns dem virtuellen Weltersatz. Bilder gestalten unsere Umwelt. In scheinbar unendlicher Anzahl und Formaten wirken sie wie entgrenzte Fiktionen auf uns ein. Die Bilder sind wie eine Haut um uns herumgelegt und hüllen uns ein. Überall erleben wir ein permanentes Rauschen - ein Rauschen der Bilder, in das wir hineingezogen werden. Willkürlich treffen wir auf Bilder, Zeichen und Informationen.
Scheinbar zufällig stoppt Carsten Weitzmann dieses Rauschen der Bilder. In den so entstehenden Momentaufnahmen überlagern sich mehrere Ebenen. Auf großformatigen Leinwänden schichtet er informelle Farbspuren, gerasterte Bild-Motive und typografisch gestaltete Schriftzüge übereinander. Eine von informeller Expression geprägte untere Ebene stellt einen taktilen, greifbaren, tatsächlichen Untergrund dar. Darüber schieben sich folienartig, die aus einer unendlichen, fortlaufenden Reihung von Bildern stammenden, Motive als weitere Ebene. Diese Motive sind durch Rasterpunkte reproduzierte Bilder bzw. Teile von Bildern. Eine weitere Folie aus Schrift und Zeichen durchdringt und überlagert die Ebenen. Angeschnitten werden die Schriftzüge als Buchstabenfolge wahrnehmbar. Ihre Realität besteht in ihrer grafischen Struktur.
Die Überlagerung erzeugt eine Spannung der Ebenen durch die konkrete visuelle Einheit. Der Eindruck des Zufälligen, des in der Bewegung Angehaltenen, des nur Angeschnittenen in den Bildern ist offensichtlich. Der Untergrund erscheint veränderlich, lebendig, tiefschichtig und situativ. Die reproduzierten Motive wirken zufällig einem beweglichen gleichzeitigen Fluß von Bildern entnommen. Sie interpretieren nicht den Untergrund, sondern behaupten eine Eigenständigkeit und machen die Spannung der einzelnen Ebenen deutlich. Die angeschnittenen Schriftzeichen vereindeutigen das Bild paradoxerweise nicht, sondern zeigen es als „nicht ganzes“.
Die Bilder von Carsten Weitzmann bestechen durch die Einheitlichkeit ihrer ästhetischen Wirkung. Obwohl dies in einem Widerspruch zu ihrer tatsächlichen Lesbarkeit und ihrer reproduzierenden Gestaltung steht.
Einzig der informell und malerisch gestaltete Untergrund läßt eine konkrete Situation erahnen. Die Bildmotive und die Schriftzeichen dagegen sind angeschnitten und nicht eindeutig lesbar. Dass den Motiven gedruckte Abbildungen zugrunde liegen, wird an ihrem, durch offensichtliche Reproduktionstechniken hergestellten, Illusionismus deutlich. Der Motivkomplex erscheint als Bildzitat. Die einzelnen Motivebenen entstammen einem heterogenen Kontext und sind nur über ihre bildliche Einheit erfahrbar. Die einzelnen Ebenen stehen in einem direkten Bezug; ergeben zusammen keine inhaltliche, aber ästhetische und assoziative Einheit. Damit widersprechen die Bilder von Carsten Weitzmann inhaltlich ihren Gestaltungsprinzipien, die der Welt der Printmedien entlehnt scheinen. Im Gegensatz zur Werbe- und Gebrauchsgrafik entstehen in den Bildern, ausgehend von ihrer kompositorischen, farblichen und grafischen Gestaltung, keine Bezüglichkeit von Bild, Text und Inhalt. Weitzmann präsentiert in seinen Bildern ein Layout, aus dessen ästhetischen Sinnbezügen bewußt keine eindeutige Botschaft hervorgeht. Sie stellen einen Reflex auf die Wahrnehmung unserer Außenwelt - das allgemeine Bilderrauschen - dar. Die Frage, ob wir die Sinneinheiten der uns umgebenden Bilder noch wahrnehmen oder nur noch auf die ästhetische Überlagerungen und Spannungen reagieren, wird offensichtlich.
Der informelle Untergrund, die gerasterten Bildmotive und die typografischen Textfragmente illusionieren nicht nur das Dargestellte, sondern verweisen zugleich auf den reproduktiven Charakter der uns umgebenden Bilder. Die Motive der Bilder sind bekannt und können auch auf dieser Ebene unschwer als Reproduktionen erkannt werden. Zugleich kehrt Carsten Weitzmann die Elemente der Wahrnehmung um. Er unterläuft die Gestaltungsmittel der unendlichen Bild(re)produktion, das Layout, den Raster und die Schrift, indem er die Originalität der Malerei - des Bildes - durch das Malen der einzelnen Bildelemente (tatsächlich überträgt er Punkt für Punkt des Rasters) vorführt. Das Spannungsverhältnis von Original und Reproduktion entfaltet sich durch die überdeutliche Darstellung der Reproduktionstechniken (Poly- und Typografie) auf einem die individuelle Handschrift des Künstlers tragenden informell gestalteten Untergrund.
Mit dieser Strategie, die suggestive Kraft von Bildern gleichzeitig darzustellen und zu unterlaufen, sie als Illusion zu enthüllen, thematisiert Carsten Weitzmann in vielschichtiger Weise unsere Sehnsucht nach dem Original in einer flirrenden (rauschenden) Welt der Reproduktionen.

  • ArtFacts.Net - Ihr erfahrener Kunst-Dienstleister

    Seit dem Start in 2001 hat ArtFacts.Net™ in Zusammenarbeit mit internationalen Kunstmessen, Galerien, Museen und Künstlern eine anspruchsvolle Künstlerdatenbank entwickelt.