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Einzelausstellung: Charles Sandison - Cryptozoologies (vorbei)

16 Januar 2007 bis 24 März 2007
  Charles Sandison - Cryptozoologies
Charles Sandison, Cryptozoology, 2006, Edition 1 of 3 + 1 AP, 6 channel data projection, C language computer code, dimensions variable, SAND0038
 
  ARNDT

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Arndt & PartnerCryptozoologies mit Arbeiten von Charles Sandison zu präsentieren.

Charles Sandison: Von der Arbeit eines Raumpoeten
von Katja Albers

Der schottische Künstler Charles Sandison entführt den Betrachter in seinen faszinierenden Installationen in die Irrgänge und Verwicklungen der Sprache. Nicht nur über die Wände der verdunkelten Galerieräume sondern über die gesamte Ausstellungsarchitektur läßt er Wörter und Zeichen tanzen, schweben, sich einander begegnen. Mal aggressiv und hastig, dann wieder langsam und friedlich. Es scheint, als hätten sich die Wörter selbstständig gemacht, als folgten sie ihrer eigenen Logik. Inmitten der kaleidoskopischen Wortschwärme fühlt man sich, als sei man unvermittelt in der Mundhöhle des Denkens gelandet, in der sich die Wörter zu Protagonisten einer Erzählung vom Ursprung des Seins formieren. Ihre Bewegungen scheinen zunächst zufällig, doch bei genauer Betrachtung lassen sie jeweils eine eigene Choreografie erkennen, die an digitale Simulationen natürlicher oder zivilisatorischer Systeme erinnert. Sie verbildlichen dabei sehr poetisch den ihnen zugrunde liegenden binären Code. Auf einfache, aber eindringliche Weise zeigen sie, wie sehr unsere Sprache und unser gesamtes Denken auf den elementaren binären Strukturen von hell und dunkel, gut und böse, männlich und weiblich, natürlich und künstlich, offen und geschlossen, tot und lebendig o.ä. beruht. Die ephemere Form der Lichtprojektion verweist ebenfalls auf die Flüchtigkeit der Gedanken und Denkbilder, die sich in fortwährenden Prozessen immer wieder neu erfinden und kombinieren lassen.

In seiner Installation „Living Rooms“, mit der Sandison 2001 den finnischen Pavillon auf der Biennale in Venedig bespielte, und mit der er plötzlichen internationalen Erfolg erlangte, lässt der Künstler die weiß leuchtenden Worte Male, Female, Food, Father, Mother, Child, Old und Dead, über die dunklen Ausstellungswände gleiten. Die Worte verweisen auf die elementaren Bedingungen der Existenz, die Männer konkurrieren um Nahrung, nach einer Zeit der Reife suchen sie die Nähe der Frauen und Kinder werden geboren, wird die Population zu dicht, erscheinen tödliche Viren, aber auch ohne sie altert die Gesellschaft und stirbt langsam auf natürlichem Wege. Entstehung von Leben wie auch dessen Ende verdichten sich in einem fließenden organischen System von Raum und Zeit, in dessen Mitte und Verhaftung der betrachtende Mensch sich unweigerlich erkennt. Eine ähnlich programmatische Struktur liegt auch der Installation „Family“ (2006) zugrunde, die Sandison jüngst auf der Shanghai Biennale zeigte. Hier wird der Betrachter von chinesischen Schriftzeichen umwirbelt. Die existenzielle Dynamik der Arbeit entfaltet ihre Wirkung auch vollkommen unabhängig von Kulturkreisen. Jedoch kehrt Sandison auch immer wieder zu christlich-abendländischen Themen zurück. So überzog er in der Ausstellung „The book of Light“ (Fundación La Caixa, Palma Mallorca, 2006)
das gesamte Gebäude mit biblischen Zitaten.

Trotz tiefgreifender Metaphorik enthalten die Werke Sandisons aber auch eine humorvolle Ebene, wie die Installation „Lumière“ (2006) beweist. Hier sieht man sich einer großformatigen wandfüllenden Abstraktion heller, zeichenhafter wie auch dunkler undurchsichtiger Flächen in rhythmischer Bewegung gegenüber. Erst bei längerem Hinsehen erkennt man menschliche Figuren. Es sind verfremdete Aufzeichnungen eines privaten Urlaubsvideos, Aufnahmen an einem Strand, Menschen und Möwen und Meer, aufgelöst in schwarz weiße Symbolflächen. Und auch hier versteht sich der Titel als Hinweis und humorvoller Indikator von Anspielungen. Zum einen auf die Gebrüder Lumière, die Anfang des Jahrhunderts den Cinématographe, den ersten Filmprojektor, erfunden und die Bilder erstmals zum Leuchten und Laufen gebracht haben, zum anderen aber auch auf das finnische Wort „lumi“, das übersetzt ein Ausdruck für Schnee und damit der Verweis auf eine Jahreszeit extremer Hell-Dunkel-Kontraste ist. Sandison lenkt damit auch augenzwinkernd den Blick auf seine finnische Wahlheimat, die er vor allem gerade wegen des Winters, seiner zeitlichen Ausdehnung und der Konzentration auf elementare Kontraste liebt.

Charles Sandison, 1969 in Schottland geboren, lebt und arbeitet in Tampere, Finnland. Er beteiligte sich an bedeutenden internationalen Gruppenausstellungen, u.a. im ZKM Karlsruhe (2004), dem Kiasma Museum of Contemporary Art, Helsinki (2004), dem Kunstmuseum Luzern (2005) oder dem Kunstmuseum Bonn (2006). Jüngst war er auf der Shanghai Biennale 2006 vertreten. Darüber hinaus präsentierte Sandison zahlreiche Soloshows beispielsweise im Kiasma Museum of Contemporary Art, Helsinki (2004), bei Arndt & Partner, Zürich (2005), im Centre pour l’image contemporain, Genf oder in der Fundación La Caixa, Palma Mallorca, Spain (beide 2006).

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