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Einzelausstellung: Claudia Rößger - Zeremonie / Ceremony - Malerei, Zeichnung / Painting, Drawing (vorbei)

8 März 2013 bis 20 April 2013
  Claudia Rößger - Zeremonie / Ceremony - Malerei, Zeichnung / Painting, Drawing
Claudia Rößger, Konstellationen 06, Gouache auf Papier, 34 x 33 cm, 2012
 
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"Jedes Blatt hat die Aufgabe, etwas zu werden."

Zeremonie - festlich erhabenes Ritual mit vertrautem Ablauf und bekannten Erwartungen - ist eher ein Unwort in einer Kunstwelt, die gern mit dem spektakulär Einzigartigen und überraschend Anderen kokettiert.
Ist das Kunst-tauglich?
Für Claudia Rößger in besonderem Maße. Die formale Vorgabe als Rahmen, Struktur oder Anlass ist Ausgangspunkt für ihr Werk. Formen sind immer da. Es kommt auf die Sinnstiftung innerhalb des formalen Rahmens an, auf die "Einbildungskraft", die latent den Elementen; den Mustern, Wiederholungen, Ornamenten und Reihen enthalten ist. Die Schau "Zeremonie" beweist das in drei Teilen; den beiden grafischen Werkzyklen (die Serie "Konstellationen" und die Studien zu "Rituale") und den Malereien.

Die 102 Zeichnungen, Studien aus dem Themenzusammenhang "Rituale" zeigen jeweils Einzelfiguren, ähnlich Signets, Comics oder Stilisierungen, unterstützt vom konsequenten Signalrot des Zeichenstrichs (Gouache auf Papier).
Der so umfassende wie geistreich witzige Pool von teils absurden Posen kann einerseits als eine Art Rößgersches Formen- und Gestenalphabet gelesen werden, aus dem sich auch ihre Malereien herleiten lassen.
Andererseits ergeben die kleinen Blätter in der Anordnung der Schau - halb Reihung, halb Tableau - einen Reigen, der Zusammenhänge herstellt. Figurengruppen werden zueinander in Bezug gesetzt, spielen sich Themen zu und schaffen an der Wand horizontale und vertikale Spannungen. In dieser Präsentation multiplizieren sich die gestischen Möglichkeiten von Rößgers Figurenwelt.

Der andere grafische Teil, die 33 Konstellationen, setzt sich äußerlich im rot-weißen Erscheinungsbild fort, führt jedoch weg von den Solisten, hin zur Handlung, zur Interaktion, und zeigt überwiegend Figurenkonstellationen und Paar-Codes, die zur Versuchsreihe virtuoser Möglichkeiten addiert sind.
Rößger verwendet für diese Konstellationen ungebrauchtes Polar-Koordinatenpapier. Dessen einförmige Struktur erzwingt eine serielle Wahrnehmung, regelmäßigen Rhythmus und prägt den Werkzyklus mit seinem geregelten Untergrund.
Diese technische Grundierung müsste der freien Schöpfung im Weg stehen. Rößger beabsichtigt jedoch kein Gegenarbeiten. Sie nimmt die runde Form auf und bringt ihre Figuren-Konstellationen darauf in Bewegung, zum Mitschwingen und Weiterfließen.
Das Aufwerten und Aufweichen der strengen Vorgabe gelingt einmal durch die gleiche Farbigkeit - der signalrote Strich - zum anderen durch das "Eintauchen, das Eingraben, Einarbeiten in die Formenwelt, Blatt für Blatt, immer weiter, so lange, bis es gut ist und stimmt" und die Balance von Form und Einbildungskraft hergestellt ist. "Dabei habe ich Respekt vor jeder Idee, nicht nur der jüngsten und letzten, sondern auch vor den zurück liegenden, älteren. Jedes Blatt hat die Aufgabe, etwas zu werden. Es gibt keinen Ausschuss".
Die "Konstellationen" sind der Ursprung, sind Rößgers Prinzip: sie veranschaulicht die Kulthandlung, immer wieder auf ein Ursprungselement zurückzugreifen und es neu zu verstehen.

Was die grafischen Arbeiten in Reihen ausbreiten, unternimmt in der Malerei jede Leinwand einzeln (Öl und Eitempera auf Leinwand), alle tragen den Variantenreichtum in sich, der aus einem Ursprungselement resultiert.
In "Obhut", einer Madonna-mit-Kind-Konstellation, finden die unzähligen Modifikationen der kunstgeschichtlich geschulten Rollenmuster zueinander. Rößger erzwingt die Vorstellung der ritualisierten historischen Vorbilder, an die sie ihre Version anfügt. Auch innerhalb des Bildes; Gesichter und Gesten wiederholen sich formal, erfahren aber gerade dadurch verschiedene Prägungen.
In "Marionetten" ist es der in Übermalungen sich selbst wiederholende Kentauer, in "PussyRiot" sind es die übereinanderliegenden Figuren in Mumienpose, auch die Reihungen kleiner Randfiguren wie in einem Puppen- oder Maskenfundus, sind als solche Spielarten zu erkennen.
Vor allem aber die typischen, sinnlich spielerischen Attribute; Streifen, Sterne, Kreise, Zick-Zack-Linien, Muster und Ornamentbänder - es sind Keimbahnen der Sinnstiftung, die bei Rößger kaum konzeptionellen Ursprung haben sondern ihre intuitive Arbeitsweise unterstreichen.

Das Repetieren, eigentlich als phantasiearme Methode der Aneignung verrufen, löst bei Rößger einen scheinbar unendlichen Fluss von Ideen aus, die die starre Struktur der formalen Vorgabe regelrecht euphorisiert. Die "Zeremonie", die hassgeliebte Kulthandlung, hat Rößger methodisch aufbereitet und für die Schau auf überraschende Weise lebendig werden lassen. Das Schönste daran ist, dass man ihrer Lust daran nachspüren kann.

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