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Einzelausstellung: Daniela Ehemann - missing | link - Installation (vorbei)

3 Juli 2004 bis 15 August 2004
  Daniela Ehemann - missing | link - Installation
Daniela Ehemann
 
  Galerie Jarmuschek+Partner

Galerie Jarmuschek+Partner
Halle am Wasser - Invalidenstrasse 50/51
10557 Berlin
Deutschland (Stadtplan)

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tel +49 (0)30 - 28 59 90 70
www.jarmuschek.de


Daniela Ehemann - missing|link

Zwischenwelten
Daniela Ehemanns künstlerische Suche führt sie in die Wohnungen amtlich Vermisster. Diese nehmen im bürgerlichen, also a-künstlerischen Recht eine Zwitterstellung ein: Vermisst ist noch nicht tot, aber auch nicht mehr bei den Lebenden. Solange die Vermissten allerdings nicht offiziell für tot erklärt sind, dürfen ihre Wohnungen nicht aufgelöst werden. Als hermetische eingehauste, in der Zeit arretierte Schneekugeln werden sie für Ehemann zum Reservoir von Ur-Bildern des beständigen (Spuren-)Suchens in der Kunst.

Was vom Leben übrigbleibt: Rekonstruktion durch Relikte/Reliquien
Sie nähert sich den verbliebenen Gegenständen/Reliquien mit Hilfe von Zeichnungen an. Daraus entstehen wiederum Drahtskulpturen. Die metallene Kontur-Tür eines Kühlschrankes hat ihre Angel in der Galeriewand, wird durch Schlaglicht [wie bei einer Verhör-Lampe] auf die Wand geworfen und ergänzt ihn zu Räumlichkeit. Dadurch springt der zeichnungshaft filigrane Draht von der Zwei- in die Dreidimensionalität, entwickeln sich Linien in den Raum. Der Schatten wird dadurch fester Bestandteil des Umrisses, hält aber dennoch die Balance zur Flüchtigkeit des Darzustellenden.
Sie beseitigt damit gleichzeitig die ursprünglichen Funktionen der Haushaltsgegenstände, Kühlschränke, Herde, Sofas: Es geht nur darum, was diese als Zeichen über ihre ursprünglichen Bewohner aussagen, also sag' mir, wie Du wohnst, und ich sag' dir, wer du bist! Der produktive Irrtum/Trugschluß, das man sich Menschen über Dinge nähern könne, ist also das Movens ihrer künstlerischen Rekonstruktionen/Suche.

"Shadows on the wall" - Festhaltenwollen als Erfindung der Malerei
Wie nach dem Atomschlag von Hiroshima nur die belichteten Schatten von Menschenleibern an der Wand blieben, lösen sich auch bei Ehemann die lebensgroßen schwarzen Schemen "ihrer" Vermissten aus der Unter- und Halbwelt [geisterhaft] von der reinweißen Papier-Wand. Sie versucht dabei, die Umrisse eines Verschwundenen möglichst präzise zu "umzeichnen" und kehrt damit [im Medium der Zeichnung] zum Urgrund der Malerei zurück, dem Bannen des Schattens in Farbe: Denn laut Plinius in der "Erfindung der Malerei" hält die Tochter des Töpfers Butades ihren in den Krieg entschwindenden Geliebten als Schatten an der Wand fest. Das erste Bild der Menschheit ist nichts anderes als der gebannte Schatten eines zu Missenden.

Stefan Trinks
Galerie Jarmuschek und Partner

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