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Einzelausstellung: Denes Ghyczy - Siamesische Savants (vorbei)

16 November 2007 bis 26 Januar 2008
  Denes Ghyczy - Siamesische Savants
 
  Emmanuel Walderdorff Galerie

Emmanuel Walderdorff Galerie
Bismarckstraße 70
50672 Köln
Deutschland (Stadtplan)

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tel +49-(0)221-80 11 82-4
www.walderdorff.net


Dénes Ghyczy

Siamesische Savants

Eröffnung
: Freitag, den 16. November 2007 ab 18 Uhr

Die neue, zwischen März und Oktober 2007 entstandene Werkgruppe des deutsch-ungarischen Malers Dénes Ghyczy (*1970) basiert auf Bildern die der Künstler im Internet gefunden hat. Während er früher ausschließlich mit lebenden Modellen arbeitete, nahm er sich nun eines Sujets an, bei dem die Anonymität der Dargestellten Teil des künstlerischen Programms ist. Es sind Bilder von Kindern mit unterschiedlichen geistigen Störungen, die Dénes Ghyczy fragmentiert und in Facetten aufsplittert, um sie danach jeweils in Paaren neu zusammenzusetzen. Dabei interessiert ihn vor allem der staunende, absorbierte Blick dieser Kinder, der Außen und Innen miteinander verschränkt. Dénes Ghyczy ist kein Experte kognitiver Defekte. Die Kinder erscheinen ihm vor allem als Vertreter einer anderen Bewusstseinsstufe, auf der ein anderer Bezug zu sich und der Welt herrscht. Manche dieser Kinder sind indes als so genannte „Savants" zu erstaunlichen Leistungen fähig. Wie aus dem Film Rainman mit Dustin Hoffman oder durch die Fallstudien von Oliver Sacks bekannt, können sich inmitten geistiger Störungen Extrembegabungen entwickeln, die in bizarrem Gegensatz zur übrigen Persönlichkeit stehen. Dies ist im Übrigen nicht beschränkt auf den Autismus als das vielleicht in diesem Zusammenhang bekannteste Krankheitsbild. Doch außer den Vornamen der Dargestellten, die zum Teil auch ausgedacht sind, verrät uns der Maler keine weiteren Details, etwa über das genaue Alter der Kinder oder die Art ihrer Syndrome. Es geht ihm nicht um eine Empathie für das Einzelschicksal, sondern um die Beschäftigung mit einer vertieften Innerlichkeit, die er in dem völlig ehrlichen, schutzlosen Gesichtsausdruck dieser Kinder erkennt. Dénes Ghyczy möchte mit diesen Bildern nicht schockieren, sondern ermöglicht mit seinen Mitteln einen unverstellten oder vorurteillosen Blick auf das Phänomen geistiger Behinderung, das von der Gesellschaft größtenteils verdrängt wird. Er verarbeitetet es sozusagen im Licht seiner Malerei und führt den Betrachter zu einem tieferen Verständnis über die Poesie und Menschlichkeit, die in diesen Gesichtern aufbewahrt sind.

Durch die Verbindung zweier Identitäten entsteht eine Komposition, die einer Kopfform nahe kommt, aber auch einen inneren Zustand abbildet. Es ist ein Spiel mit der Perspektive, in der mehrere Ansichten und Gefühlsebenen in einem Bild simultan präsent sind. „Ich will einen zersplitterten Zustand zeigen, der trotzdem eine Einheit bildet," so Dénes Ghyczy. Es ist zunächst ein Vorgang der Dekonstruktion und der Entmaterialisierung der Vorlagen. Die Gesichter werden mit Hilfe des Computers und dann direkt auf der Leinwand bis an die Grenzen der Transparenz aufgelöst und zu fast abstrakten Farbflecken transformiert. In einem zweiten Schritt arrangiert Ghyczy dann die Strukturen neu und verwebt sie ineinander zu gleichsam schwebenden Gebilden vor einem monochromen Hintergrund. Die Verzerrung und Vervielfältigung der Gesichtszüge ist nicht zu verwechseln mit spontanen oder unbewussten Techniken wie sie im Surrealismus Anwendung fanden. Es ist ein höchst kalkulierter, geradezu sezierender Vorgang, der einen freien Farbfluss lediglich suggeriert. Es geht ihm dabei um die Sichtbarmachung von verborgenen Aspekten in einem Gesicht, die der vertrauten Wahrnehmung entgehen, ähnlich der Seherfahrung, die sich bei einem Spiegelbild in einem Spiegelbild einstellt. Auch ist in den rhythmisch angeordneten Strukturen der Prozess der Wahrnehmung simuliert. Das Auge des Betrachters wird insbesondere von dem Panoptikum der vervielfältigten Blicke angezogen und in ständiger Bewegung gehalten. Dénes Ghyczy beschäftigt sich auf dieser Ebene mit den Einschränkungen der Tableau-Malerei, deren statische und zweidimensionale Grenzen er aufzuheben sucht.

Dr. Marc Wellmann
Kunsthistoriker und Kurator, Berlin

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