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Einzelausstellung: Dennis Feddersen - From Here To Dystopia (vorbei)

3 September 2011 bis 22 Oktober 2011
  Dennis Feddersen - From Here To Dystopia
Dennis Feddersen, I could not build an island #I-III, 2011, c-print, 84 x 53 cm
 
  Galerie Koal

Galerie Koal
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10119 Berlin
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Pressemitteilung

Die Galerie koal freut sich vom 3. September bis zum 22. Oktober 2011 die dritte Einzelausstellung von Dennis Feddersen (*1979) zu präsentieren. Die Eröffnung findet am Freitag, den 2. September von 19 bis 21 Uhr in den Räumen der Galerie in Berlin Mitte statt.

Im Zentrum der Ausstellung steht eine aufrecht stehende lebensgroße Figur, die an eine antike Statue erinnert, wäre da nicht der Schlafsack mit dem sich diese verhüllt und vor der Welt verbirgt. Umgeben wird sie von 25 im Ausstellungsraum verstreuten Metallskulpturen, die sich mit ihren schwarzen Zacken deutlich von der figurativen Gestalt absetzen und eine Art zweiten Schutzwall um diese bilden. Mit ihrer aggressiven, nach Außen tretenden und tetraedrischen Struktur schaffen sie eine unüberwindbare Barriere und erinnern an etwas Wurzelartiges. Doch anstatt sich festzusetzen, wehren sie ihre Umwelt ab.

Es ist weniger der Entwurf eines düsteren Endzeitszenarios, als vielmehr die Auseinandersetzung mit der inhärenten Ambivalenz zeitgenössischer Subjektentwürfe - das Mitdenken der Schattenseite -, die Feddersen unter dem Titel From Here To Dystopia im Rahmen der Ausstellung verfolgt. Ausgangspunkt ist Nicolas Bourriauds Begriff des Radikanten für das Subjekt im 21. Jahrhundert. Bereits in der Vergangenheit hat Bourriauds aus der Botanik entlehnte Metapher die dynamische und dezentrale Formensprache von Feddersens Skulpturen beeinflusst. Nun wird der Begriff des Radikanten mit seinen Konsequenzen für das Individuum einer weiteren Reflexion unterzogen.

Die von Bourriaud 2009 in seinem gleichnamigen Werk eingeführte Metapher des Radikanten charakterisiert jene Pflanzen, die während des Wachstums immer neue Wurzeln schlagen und in der Lage sind, sich ohne Schaden zu nehmen von ihrer Primärwurzel zu trennen. Ganz im Gegensatz dazu verfolgen die neuen Arbeiten von Dennis Feddersen Strategien der Absonderung und Isolation. Die immanent thematisierte Abgrenzung der einzelnen Arbeiten ihrer Umwelt gegenüber zeugt einerseits vom Willen zur Selbstbehauptung, andererseits aber auch von einem gewissen Gefühl des Entwurzeltseins. Sie verweisen damit auf die Schattenseiten einer radikaten Existenz, deren Identität sich jeglicher Fixierung entzieht.

Als anti-heroische Darstellung menschlichen Strebens nach Autonomie durch Rückzug in eine eigene Welt, erweist sich die Figur nicht zuletzt durch subtile Anspielungen auf die Formensprache der Antike als Gegenentwurf zu omnipotenten Prometheus-Gestalten. In diesem Zusammenhang verlässt auch die Aura des Fotos vom Torso von Belvedere - ein Fundstück aus den Archiven des Vatikans, hinter dem eine Darstellung des Herkules vermutet wird - ihren ursprünglichen Kontext. Entgegen seiner landläufigen Rezeption als Verkörperung ästhetischer Ideale der Antike, erscheint der zum Rudiment verstümmelte Körper als ein auf unsere Gegenwart verweisende Antwort auf das antike Bild von Stärke, Reinheit und Überlegenheit.

Das Verlangen nach Selbstbestimmung gipfelt innerhalb der Ausstellung in dem Motiv einer ins Abstrakte übertragenen Handlung. Eine Bilderfolge, bestehend aus drei Schwarzweißfotografien, auf denen eine menschliche Gestalt gegen einem im Vergleich übergroß wirkenden Holzquader kämpft, zeugt vom utopischen Projekt des Baus einer eigenen Insel, deren Metapher seit jeher als Raum der Utopie gesellschaftliche Ausstiegsphantasien beflügelt. Dabei enthüllt sich die Ambivalenz des Akts durch die Unentscheidbarkeit jeder einzelnen Geste zwischen Stützen und Stemmen, Halten und Fallen, Ohnmacht und blindem Aktionismus.

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