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Einzelausstellung: Dove Bradshaw (vorbei)

10 Juni 2011 bis 31 August 2011
  Dove Bradshaw
Dove Bradshaw, 2 √0, 1971/1998, Glas, Azeton, 6,5 x 15,5 x 6,5 cm
 
  Thomas Rehbein Galerie

Thomas Rehbein Galerie
Aachener Strasse 5
50674 Köln
Deutschland (Stadtplan)

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tel +49-(0)221-310 10 00
www.rehbein-galerie.de


Wegen des großen Interesse wurde die Ausstellung vom 30. Juli 2011 bis zum 31. August 2011 verlängert.

Die amerikanische Künstlerin Dove Bradshaw (*1949) befasst sich in ihren Arbeiten mit unseren schwankenden Vorstellungen über das Wesen von Zeit und Raum. Dabei wendet sie ein nahezu wissenschaftliches Arbeitsverfahren an, bei dem der Zeitfaktor eine wesentliche Rolle spielt. Bradshaw nutzt die Veränderlichkeit verschiedenster Materialien, unbeständige Naturmaterialien wie Steine und Salze oder chemische Substanzen wie Azeton, Quecksilber oder Schwefel und lässt unberechenbare Faktoren wie Zeit, Wasser, atmosphärische Bedingungen in Innenräumen, Umwelteinflüsse wie Erosion oder Witterung, aber auch chemische Prozesse auf ihre Arbeiten einwirken, die sie schließlich formen und gestalten. Zufall und Unbestimmtheit bilden die wesentlichen Bestandteile ihres Arbeitsprozess. Bradshaw's Arbeiten entstehen über einen langen Zeitraum, teilweise über Jahre und bleiben manchmal sogar unvollendet.

Oft wirken ihre Arbeiten wie Versuchsanordnungen. Als würde die Künstlerin etwas prüfen wollen und dem Betrachter anschließend ihre Ergebnisse präsentieren. Mit der Skulptur Waterstone macht sie die Auswirkungen von Zeit auf Naturmaterialien sichtbar. Aus einem flakonartigen Glasgefäß, das mittig über einem soliden Kalksandsteinblock an einem transparenten Nylonfaden hängt, tropft in Abständen von mehreren Minuten langsam Wasser herunter. Durch die Erosion und der damit einhergehenden Abtragung und Ausspülung des Gesteins wird die Ironie aufgezeigt, dass Wasser, ein so unscheinbares, weiches Element, in Verbindung mit Luft die Fähigkeit besitzt „zu zerstören" - hartes Gestein zu durchdringen, zu unterspülen und schließlich ganz aufzulösen. Nach ähnlichem Prinzip geht sie in der Serie Negative Ions vor, in der anstelle von Steinen Salzkristalle mit Wasser interagieren. Bradshaw macht deutlich, dass Entstehen und Vergehen nahe beieinander liegen. Darüber hinaus gelingt ihr mit den Serien Waterstone und Negative Ions eine Metapher für die Zeit, da Veränderungen den Eindruck von zeitlicher Dauer begründen. Mit anderen Worten: Zeit wird erfahrbar anhand einer Bewegung, die sich im Raum vollzieht. Diese Skulpturen sind konstant in Bewegung, abhängig von den Faktoren Zeit und Schwerkraft.
Der zentrale Ansatz ihrer Methode ist, dass Bradshaw nach dem Installieren der Ausgangssituation nicht mehr in den Entwicklungsprozess ihrer Arbeiten eingreift. Sie entzieht sich der Kontrolle und erlaubt, dass natürliche Formungskräfte oder chemische Reaktionen ihre Arbeiten vollenden. Abstrakte Kompositionen entstehen auf mit Silber, Schwefel und Lack beschichtetem Leinenpapier in der Serie Contingency. Die Kombination der chemischen Substanzen bewirkt, dass das Silber zunächst einen goldenen Farbton annimmt und zuletzt schwarz wird. Außerdem reagieren die Stoffe auf die atmosphärischen Bedingungen der Umgebung, weshalb der Wandlungsprozess unbestimmt fortdauert und die Arbeiten somit unvollendet bleiben. Die Resultate sind unberechenbar und oft überraschend. Von der Idee der Unbestimmtheit oder Unberechenbarkeit macht sie auch in der Arbeit (A)claimed Object gebrauch. 1979 beanspruchte Bradshaw im Kunstmuseum Düsseldorf einen Hygrometer für sich, indem sie direkt daneben ein Label anbrachte und ihn damit zu ihrer Arbeit erklärte. In gleicher Weise beanspruchte Bradshaw im Jahre 1976 einen Feuerlöschschlauch im Metropolitan Museum of Art. Letztendlich wurde nicht nur eine offizielle Postkarte für den Museumsshop hergestellt, sondern das Museum nahm diese Arbeit sogar in den Bestand der permanenten Sammlung auf.

Die Arbeiten von Dove Bradshaw werden oft mit dem Werken von John Cage und von William Anastasi in Verbindung gebracht. Beides revolutionäre Größen des 20. Jahrhunderts, die wesentlich zum Beginn der Arte Povera, des Fluxus, des Minimalismus und der Konzeptkunst beigetragen haben. In den 80er Jahren arbeitete sie gemeinsam mit William Anastasi als künstlerische Beraterin für die Merce Cunningham Dance Company und gestaltete die Kostüme, die Bühnenbilder sowie die Beleuchtung. Außerdem ist sie als Kuratorin tätig und kuratierte u. a. vier Gruppenausstellungen in Gedenken an Sol LeWitt: ONE in der Björn Ressle Gallery in New York (2007), ONE MORE im Esbjerg Museum of Modern Art (2008), unter gleichnamigen Titel rekonstruiert in der Thomas Rehbein Galerie (2009) und ONE Six Americans / Six Danes in der Stalke Gallerie in Kopenhagen (2009).

(Miriam Walgate, 2011)

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