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Einzelausstellung: FANG LIJUN (vorbei)

20 Januar 2001 bis 9 März 2001
  FANG LIJUN
 
www.alexanderochs-galleries.com ALEXANDER OCHS GALLERIES BERLIN | BEIJING

ALEXANDER OCHS GALLERIES BERLIN | BEIJING
Besselstr. 14
10969 Berlin
Deutschland (Stadtplan)

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Der in Peking lebende, 1963 geborene Künstler Fang Lijun entwickelte sich in den letzten 15 Jahren zum "künstlerischen" Protagonisten seiner Generation. Der Begründer des "Zynischen Realismus" zeigte in seinen frühen Bildern Wut über die Ereignisse am Tiananmen, später die Mühen im Vorantreiben demokratischer Entwicklung, heute die Ambivalenz einer gesellschaftspolitischen Situation zwischen Progress und Erstarrung. Der zweimalige Biennale-Venedig -Teilnehmer lebt weiter in China und gilt als "Zentrum" neuer chinesischer Kunst. Nach etlichen Ausstellungsbeteiligungen in Deutschland (China Avantgarde, Haus der Kulturen der Welt, Berlin, 1993 und China!, Kunstmuseum Bonn), nach Retrospektiven in Japan (wie Japan Foundation Tokyo, 1996) und Soloausstellungen (wie Stedelijk-Museum Amsterdam, 1998) präsentiert ihn ASIAN FINE ARTS BERLIN erstmals mit einem Solo-Konzept in Deutschland.

Ein erstes Mal wurde der damals 26 jährige Maler Fang Lijun 1989 im Rahmen der Ausstellung "China AvantGarde" in Peking/ VR China gezeigt und während sich andere Künstler wie Xu Bing und Cai GuoQiang schon mit westlichen Kunstsprachen auseinander setzten, präsentierte Fang dort die "chinesischste" aller Arbeiten. Eine Zeichnung, "Pencil Drawing No.3" aus dem Jahre 1988 die vor dichtem Mauerwerk ein Reihe junger wie kahlköpfiger "Eunuchen" zeigt. Im Hintergrund sahen wir das Portrait eines lächelnden, alten Mannes, der durch seine Ironie Souveränität behält und damit inneren Abstand zur politischen und sozialen Realität in der VR China.

Der "Glatzkopf" sollte Fang Lijuns "Trademark" werden, die Ironie im Ausdruck schlug (nach dem Massaker am Tiananmen) freilich sehr schnell in Wut und Zynismus um. Diese "neuen" Bilder Fang Lijuns wurden von Li Xianting, dem wohl renommiertesten in China lebenden Kunstkritiker, mit dem Etikett "Realistischer Zynismus" versehen. Ein Begriff, der eine ganze Pekinger Schule junger Maler begründen sollte, zu denen Maler wie Yang Shaobin, Liu Wei und Yue Minjun zu zählen sind.

In Europa reüssierte Fang Lijun 1993 in gleich drei Ausstellungen: er nahm an der 45. Biennale Venedig ebenso teil wie an der Ausstellung China Avantgarde im "Haus der Kulturen der Welt Berlin", und der "New Art from China: Post `89" bei Marlborough Fine Art in London. Das Museum Ludwig erwarb (und zeigte) das Bild "Serie 2, No. 2", das den Künstler weltweit bekannt machen sollte. Das Schlüsselwerk stand lange Zeit quasi als Synonym für Neue chinesische Kunst überhaupt.

Proportional zur wachsenden Popularität Fang Lijuns im Westen (aber auch in Ländern wie Japan, Korea, Australien und Brasilien) wuchs die Ablehnung des Malers durch das "offizielle" China und seiner Institutionen. Zwar konnte der Künstler immer frei arbeiten und sich seit dem Beginn seiner Karriere (auch im Ausland) frei bewegen, aber er wurde in China nicht öffentlich ausgestellt.

Erlebten wir Fang Lijun bis Mitte der 90er Jahre ausschliesslich als Maler, präsentierte er sich dann erstmals in der alten chinesischen Technik des Drucks vom Holzschnitt in monumentalen Formaten. 1996 zeigte Alexander Ochs in München (Marstall Theater und Haus der Kunst) weltweit erstmals die mit vier Farben gedruckte Arbeit "1998, No.18", auch dies ein Schlüsselwerk, das eine ambivalente Interpretation zulässt. Einmal zeigt es den Künstler als Schwimmer (Mao Dsedong überquert den Yangtse), andererseits könnte sich Fang Lijuns hier auch als "Kotzenden" darstellen. Der "ausdauernde" Künstler erbricht sich ob der Situation und der von ihm ausgelösten Bewegung "Realistischer Zynismus", die zwischenzeitlich unübersehbar viele Epigonen produzierte.

Eine raumgreifende Nachfolgearbeit zu diesem Holzschnitt wird in der Ausstellung "New Paintings & Woodprints" neben weiteren Holzschnitten und sieben grossformatigen Gemälden präsentiert. Alle Gemälde entstanden zwischen 1999 und 2000 und formulieren die Idee (und das Scheitern) des chinesischen "Glücksversprechens" angesicht des heraufziehenden Kapitalismus.

Fang Lijun ist "Story-Teller" im doppelten Sinn. Wie er in den letzten 15 Jahren zum Zentrum der neuesten Kunstgeschichte Chinas wurde und sich Entwicklungen an seiner Arbeit sehr genau ablesen lassen, ist er Dokumentarist des gesellschaftspolitischen Fortschrittes (inclusive aller Widersprüche) in der Volksrepublik.

Seit 1999 schmücken sich auch erste chinesische Museen, in Chengdu, Shenyang und Shanghai mit Arbeiten des lange verpönten Künstlers Fang Lijun.

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