Language and login selector start
Language and login selector end

Einzelausstellung: Gerhard Merz - Die Braut (vorbei)

23 März 2012 bis 26 Mai 2012
  Gerhard Merz - Die Braut
Gerhard Merz
 
www.storms-galerie.de walter storms galerie

walter storms galerie
Schellingstr. 48
80799 München
Deutschland (Stadtplan)

E-Mail senden
tel +49 (0)89 - 27 37 01 62
www.storms-galerie.de


Walter Storms zeigt ab 23. März eine Installation von Gerhard Merz mit Bildern, einem Wandtext, einem Schubladenobjekt und einem Buchwerk unter dem Titel "Die Braut". Es ist dies eine persönliche Hommage von Gerhard Merz an den großen Künstler und Theoretiker Duchamp, dem er sich besonders auf kunsttheoretischer Ebene verbunden fühlt. Die Ausstellung findet statt parallel zu "Marcel Duchamp in München 1912" vom 31. März bis zum 15. Juli 2012 im Kunstbau der Städtischen Galerie im Lenbachhaus.

Beiliegend finden Sie einen Brief von Gerhard Merz an Walter Storms, in dem er seine Gedanken zur Entstehung der Ausstellung niederschreibt.

Gerhard Merz, geboren 1947, hat an der Münchner Akademie Malerei studiert. Er lebt heute in Pescia bei Lucca in Italien, lehrte 1991-2004 an der Kunstakademie Düsseldorf und seitdem an der Akademie der Bildenden Künste München. In diesem Frühjahr beendet er seine Lehrtätigkeit. Gerhard Merz ist viermaliger documenta-Teilnehmer und gestaltete 1997 zusammen mit Katharina Sieverding den deutschen Pavillon bei der Biennale von Venedig.

Für weitere Informationen stehen wir Ihnen unter 089-27370162 und mail@storms-galerie.de gerne zur Verfügung. Installationsphotos entstehen in den Tagen vor der Vernissage.

Eröffnung am 22. März 2012, 18-21 Uhr


Februar 2012

Lieber Walter,

in diesem Brief mochte ich Dir danken fur die einfache Art unserer Zusammenarbeit. Du hast es moglich gemacht, acht Tage vor der Duchamp Eroffnung, meine Arbeit in den von mir gewunschten Kontext zu stellen. Ich mochte dies so knapp wie moglich erklaren:

Den Sommer 1912 verbringt Marcel Duchamp in Munchen. Er bereitet dort sein groses Werk vor: Jungfrau, der Ubergang von der Jungfrau zur Braut, Braut und die erste Studie von Braut von ihrem Junggesellen entblosst. Von 1912 - 1923 wird ihm das Projekt des grosen Glases nicht mehr loslassen und am 20. Marz 1961 bei einem Symposium in Philadelphia sagt er:

... das der junge Kunstler von morgen sich weigern wird, sein Werk auf eine so einseitige Philosophie wie das Dilemma von Gegenstandlich oder Ungegenstandlich abzustutzen. .Wie Alice in Wunderland wird er, davon bin ich uberzeugt, bewogen sein, durch den Spiegel der Netzhaut hindurch zu gehen, um zu einem tieferen Ausdruck vorzudringen."

Weiter spricht er von der Tatsache, dass das grose Publikum viel Kunst, viel zu viel Kunst akzeptiert und verlangt; dass das grose Publikum heute asthetische Befriedigungen sucht, die in einem Spiel von materiellen und spekulativen Werten verpackt sind, und das es die kunstlerische Produktion zu einer massiven Verwasserung treibt.

Zum Schluss hoffte er, dass diese Mittelmasigkeit, die durch zu viele, der Kunst per se fremde Faktoren bedingt ist, eine Revolution, diesmal eine von asketische Art, herbeifuhren wird, uber die sich das grose Publikum nicht einmal bewust werden wird und die blos einige Eingeweihte entwickeln werden, am Rande einer Welt, die durch das okonomische Feuerwerk geblendet ist.

"The great artist of tomorrow will go underground."

Der Kunstler der Zukunft verstrickt sich nicht mehr in den Kult der Werke, es ist die Zeit der Einzelnen im Schatten. Geistesscharfe ist der Zustand des grosten Glucks und es ist eben nicht naturlich und selbstverstandlich, das manche Gegenstande Kunstwerke sind.

Barerstrasse 65 war damals Marcel Duchamps Adresse in Munchen, und in der Schellingstrase im Haus neben der Galerie Storms suchte er den Fotograf Heinrich Hoffmann auf. Ein "Kuhmaler" Max Bergmann war sein Freund, und ein paar Hauser weiter in der Schellingstrase verfasste Kandinsky das "Geistige in der Kunst". Duchamp versuchte es in seine Sprache zu ubersetzen. Es war der piktorale Nominalismus der ihn damals bewegte (Duchamps weise Schachtel).

"Rot sehen meint etwas anderes als das Wort Rot sprechen" stellt Kandinsky fest.

Fruh spurte ich Ekel vor dem harmlos optisch guten Ende, das durch grafisches Training erreicht wurde, und daher waren Duchamp und die amerikanischen Kunstler wie Barnett Newman und Ad Reinhardt meine Hoffnung.

Seit 1971 fuhre ich ein kleines Reclamheft bei mir: Barnett Newman, Who is afraid of red, yellow and blue III, Einfuhrung von Max Imdahl. Ich lies es fest binden und so konnte es allen Belastungen standhalten und tausendmal habe ich den Text von Newman gelesen.

The Sublime is Nowá (1948)
Wir bekraftigen wieder unser naturliches menschliches Verlangen nach dem Erhabenen und das Verlangen nach der Moglichkeit, uns auf die absoluten Emotionen zu beziehen. Wir sind nicht angewiesen auf die verbrauchten Sicherungen einer verloschenen und antiquierten Legende ... Das Bild, welches wir erschaffen, ist eine ganz und gar aus sich selbst evidente Offenbarung, die real und konkret und verstandlich ist fur jedermann, der das Bild anschauen will ohne den nostalgischen Blick auf die Historie.
Zitiert und u.bersetzt nach Don Judd, Barnett Newman, in: Studio International, vol. 179, no. 919, February 1970

Spater erfuhr ich bei Lucy Lippard buchstablich als letzte Bemerkung auf der letzten Seite ihrer grosartigen Ad Reinhardt Monographie in den Anmerkungen zum Postskriptum (Seite 197):

"Einstein sagte, wenn man weit genug schaute (ins Unendliche), konnte man seinen eigenen Hinterkopf sehen. Duchamp und Reinhardt konnten sich, wenn sie entschlossen Rucken an Rucken stunden, ins Gesicht schauen; man kann eine indirekte Anspielung auf Reinhardt´s Interesse an Materie und Antimaterie machen. Octavio Paz verglich Duchamp mit Mallarme und verwies dabei auf Un coup de des ... (in Marcel Duchamp or the Castle of Purity, Cape Golliard and Grossman, London, New York 1970) "Es ist ein kritisches Gedicht" es enthalt nicht nur "seine eigene Negation, sondern diese Negation ist auch sein Ausgangspunkt und sein Inhalt ... Das kritische Gedicht lost sich in eine bedingte Bestatigung auf - eine Bestatigung, die sich an ihrer eigenen Negation ernahrt ... Mallarme fuhrte eine poetische Form ein, die vieldeutig gelesen werden kann - etwas, was sehr weit entfernt ist von Mehrdeutigkeit oder vielfacher Bedeutung ... "; er hatte auch von Reinhardt sprechen konnen."

p.s. Es ist das erste Mal, das ich meine Arbeit in dieser Form vor einer Ausstellung erklare, dabei soll der Verzicht auf das "Ich" wichtig bleiben.

Viele Gruse
Dein Gerhard

  • ArtFacts.Net - Ihr erfahrener Kunst-Dienstleister

    Seit dem Start in 2001 hat ArtFacts.Net™ in Zusammenarbeit mit internationalen Kunstmessen, Galerien, Museen und Künstlern eine anspruchsvolle Künstlerdatenbank entwickelt.