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Gruppenausstellung: Guestroom: Artists from Studio Warehouse Glasgow (vorbei)

17 April 2010 bis 5 Juni 2010
  Guestroom: Artists from Studio Warehouse Glasgow
Ausstellungsansicht
 
  Galerie Mark Müller

Galerie Mark Müller
Hafnerstrasse 44
8005 Zürich
Schweiz (Stadtplan)

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tel +41 (0)44 - 211 81 55
www.markmueller.ch


Das SWG3 - Studio Warehouse Glasgow beherbergt in einem grosszügigen Fabrikgebäude eine Reihe von Ateliers, einen Ausstellungsraum, Konzert- und Theaterbühnen. Junge Künstler, viele davon Abgänger der renommierten Glasgow School of Arts, haben sich am Stadtrand ein pulsierendes Zentrum ihrer Arbeit geschaffen, das mit einer Vielzahl von Veranstaltungen ein Fixpunkt der städtischen Kulturagenda ist. Im Guestroom der Galerie Mark Müller soll im Rahmen einer kleinen Gruppenausstellung anhand der Arbeiten dreier Künstler ein Einblick in jenes Schaffen gegeben werden.

Neil Clements (*1982) befragt in seinen Arbeiten die visuelle Kultur der jüngeren Kunstgeschichte. Minimal- und Conceptual Art werden dabei zum Spielfeld von Reflektion, Untersuchung und Interpretation dessen, was war und was davon blieb. "You can no longer push your finger on a can of spraypaint without being aware that by doing so you have automatically entered into a ongoing continuum of precedent." (Neil Clements, 2010) Wenn Clements nun mit der Arbeit Other days: Parchman Farm eine nie umgesetzte Skizze eines Streifenbildes von Frank Stella mit vierzig jähriger Verspätung doch noch zur Realisation bringt, ist das ein Entwurf jenes Kontinuum, das der Künstler im oben zitierten Auszug aus einem seiner Texte beschreibt. Das Oeuvre Stellas, der es damals vorzog anstelle der Umsetzung jenes Entwurfs sich der Arbeit auf Aluminium zuzuwenden, wird gewissermassen neu geschrieben - Clements Praxis ist jedoch nicht die der reinen Appropriation sondern liest sich als subjektiver Vorschlag einer Neuschreibung der Geschichte. Der junge Künstler befragt die Praxis und Technik seiner Vorgänger, eignet sie sich an, lässt aber immer auch Spielraum für das individuelle Ausloten des Systems - die fehlenden drei Streifen in Parchman Farm zeugen davon.

Ein annähernd backsteingrosser Block mit eingedrückter Oberfläche und eine Leinwand mit schwarzen Punkten aus denen Farbe "fliesst", ist, was Dan Miller (*1980) im Guestroom zeigt. Der Block eine kaputte Fernbedienung? Oder eine Metapher für das zerbrochene Weltding? Die schwarzen Punkte Einschusslöcher? Oder ein minimales Formenspiel, das sich die Malerei ins Visier genommen hat? Dan Miller untersucht in seiner Bildhauerei und Malerei die Strategien visueller Repräsentation - ihrer auferlegten Wahrheiten, Abarten und Lügen. Repetition uns Serialität lassen uns Fragen nach dem Abbild stellen. Das "als ob" oder die Praxis des trompe l'oeil bringt die Gewissheit über das Sichtbare ins Wanken - der optische Trick scheint auf dem Prüfstand seiner Umsetzung gestellt.

"A visual trick?" fragt auch Tom Varley (*1985) in seinem Video im Bezug auf seine Arbeit. In weissen Lettern auf schwarzem Bildschirm, unterbrochen von Einblendungen existierender Arbeiten und minimaler Farbspiele, zeichnet Tom Varley das Bild einer künstlerischen Praxis, die sich selbst zu befragen hat. Ist nicht jeder optische Kunstgriff ein Trickspiel, Ablenkung und blosser Schnörkel? Mute zeugt von den Dilemmas, aber auch Chancen der Kunst und von jener Diskrepanz zwischen Gedachtem und Gesagten, die, wie es der Titel impliziert, einen nicht selten zum Verstummen bringt.

Yasmin Afschar

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