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Einzelausstellung: Hamlet Hovsepian - Head, Itch, Washing Hair, Yawning, Biting Nails / Atrium (vorbei)

30 September 2011 bis 27 November 2011
  Hamlet Hovsepian - Head, Itch, Washing Hair, Yawning, Biting Nails / Atrium
Hamlet Hovsepian, Itch, 1975 (film still)
 
  Badischer Kunstverein

Badischer Kunstverein
Waldstr. 3
76133 Karlsruhe
Deutschland (Stadtplan)

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tel +49-(0)721 - 28 226
www.badischer-kunstverein.de


Hamlet Hovsepian, 1950 in Ashnak bei Jerewan geboren, zählt zu den wichtigsten Pionieren der Konzeptkunst in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Mit der Präsentation eines zentralen Werkblocks des armenischen Künstlers stellt der Badische Kunstverein Hamlet Hovsepian in einer ersten Einzelausstellung im deutschsprachigen Raum vor. Seit Anfang der 1970er Jahre entwickelt Hovsepian ein vollkommen eigenständiges ästhetisches Vokabular, das er in unterschiedlichsten Medien wie Film, Performance und zuletzt auch Video und Malerei umsetzt.

Die Ausstellung im Badischen Kunstverein wird sich auf Hovsepians filmisches Werk aus den 1970er Jahren konzentrieren, das trotz der geografischen Isolation des Künstlers erstaunliche Parallelen zu westlichen Entwicklungen aufweist, wie sie etwa bei Bas Jan Ader, Vito Acconci oder auch in Andy Warhols ‚Screen Tests' sichtbar werden. Hamlet Hovsepians 16mm-Schwarz-Weiß-Filme sind Dokumente einer Ästhetik der radikalen Reduktion. In statischen Einstellungen zeichnen sie mit großer Präzision sich endlos wiederholende Handlungen auf: das Porträt eines Mannes, der gähnt; die Rückansicht eines Kopfes, der rasiert wird; das Bild einer Frau, die Nägel kaut; die Nahaufnahme von Händen, die die Haare eines Anderen waschen; ein Mann von hinten, der sich unaufhörlich den Rücken kratzt. Ergänzt wird dieses Alphabet basaler körperlicher Gesten durch zwei weitere Arbeiten, die den filmischen Raum öffnen und Züge des Absurden annehmen: die minutenlange, aus der Froschperspektive gefilmte Aufnahme eines Telefonmastes, durch die für einen kurzen Moment kaum sichtbar am Himmel ein Vogel fliegt, und die ebenso statische Aufnahme eines Felsbrockens, der immer wieder von einem Mann umrundet wird.

Ihre Spannung gewinnen Hovsepians Filme aus ihrer formalen Strenge, der fokussierten Konfrontation von Stillstand und Bewegung sowie der selbstreflexiven und fast malerischen Verarbeitung der Unzulänglichkeiten des filmischen Materials. In semantischer Hinsicht scheinen Hovsepians Arbeiten einen Schwebezustand einzunehmen: Einerseits beharren sie mit Nachdruck auf dem nackten, dokumentarischen Blick des frühen ethnografischen Films. Andererseits eröffnen sie aber auch das Potential eines allegorischen Sehens, das die beobachteten Gesten und Handlungen nicht nur in die Register einer Conditio humana im Sinne eines Samuel Beckett einträgt, sondern durchaus auch eine konkrete, politische Dimension annimmt: als Revolte gegen die ideologische Durchdringung des sowjetischen Alltags und als Versuch, dieser einen existentiellen Freiraum abzuringen.

Kuratiert von Anja Casser und Daniel Pies.

Die Ausstellung findet in Kooperation mit dem Österreichischen Filmmuseum, Wien, statt.

Mit freundlicher Unterstützung des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Baden-Württemberg.

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