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Gruppenausstellung: Heide NORD & Sebastian BURGER - kina kina - Malerei / Zeichnung / Installation (vorbei)

16 Januar 2010 bis 6 März 2010
  Heide NORD & Sebastian BURGER - kina kina - Malerei / Zeichnung / Installation
Sebastian Burger, "Réduit", Öl auf Leinwand, 220 x 310 cm, 2009.
 
  maerzgalerie

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D-04179 Leipzig
Deutschland (Stadtplan)

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Gelangweilt, aber auch klüger und gestärkt, von einer kurzen Reise in die eigene Medialität, widmet sich die zeitgenössische Malerei wieder anderen Themen, wie der ästhetischen Auseinandersetzung mit der Menschheitsgeschichte im Allgemeinen. Der Blick zurück ist der Kunst natürlich kein neues, sondern ein ewiges Thema. Wohin er schielt, was er erkennt und daraus macht, bestimmt die Epoche aus der er zurückschaut; Zeitgenossenschaft zeigt sich besonders stark im Umgang mit historischem Material.

Die "Glanzlichter der Geschichte" sind heute entleerte, auswendig gelernte Allgemeinplätze; die Schattenseiten medial verarbeitete Dauerbrenner, jeder Lebendigkeit beraubt. Sie machen Platz für ganz persönliche Lichtpunkte, ästhetische Entdeckungen und lebendigen Umgang mit einer phänomenalen Vergangenheit. Es werden Möglichkeiten durchgespielt, unmögliche Standpunkte eingenommen. Man greift ein. Man fügt etwas hinzu, ob man das nun will oder nicht.

Wo Licht und wo Schatten fällt, wird ununterscheidbar, bzw. zu einer persönlichen Angelegenheit. Den Kern des Interesses bestimmen mitunter der persönliche Spleen oder die biografisch geprägten Affinitäten, die Art und Weise wie man sich Informationen aussucht, bzw. welche man an sich vorbeirauschen lässt. Es geht darum, welche Konsequenzen man zieht, was man aus dem Reich der Geschichte in die Welt der Kunst befördert und wie man das tut.

HEIDE NORD

Heide Nords posthume Porträts russischer Utopisten und Avantgardisten blicken zurück in eine Zeit radikaler Ideen, in der noch bis heute nachwirkende, grundsätzliche Änderungen und Innovationen ihren Platz fanden. In der kurzen Zeit, als die Gedanken endlich frei sein durften, als sich Anfang des 20. Jahrhunderts die Monarchien endlich auflösten, explodierten Vorstellungskraft und Möglichkeiten in Philosophie, Wissenschaft und Kunst und daraus folgend wuchs der Mut, jene Vorstellungen und Möglichkeiten ernst zu nehmen, ständig neue Dinge zu behaupten und auch umzusetzen.

Mit ihrer Skulptur "Il faut être absolument moderne" inszeniert Nord aus der Jetztzeit, in der der status quo in den Köpfen eine feste Größe und nicht mehr nur eine kurze Station ist, eine Totenwache für jene Zeit der Beschleunigung und die ausgewählten Protagonisten ihrer transformierten, überwucherten Porträts und Bildobjekte, wie z.B. den von expressionistisch anmutenden Würsten bedrohten Daniil Charms. Nord porträtiert Koryphäen und Vergessene, widmet sich jenen, die mit dem Siegel der ewigen Aktualität versehen wurden, genauso wie den fast vergessenen Trägern dahinsiechender Ideen.

Vorraussetzungen, um in die kontinuierlich wachsende Ahnengalerie aufgenommen zu werden, sind Radikalität der Denkweise und die totale Hingabe an eine Sache. Nords Protagonisten und ihre Geschichte bergen nicht nur Kunstrelevanz in sich, sie stehen auch unter Kunstverdacht. Sie sind, um mit Beuys zu sprechen, soziale Plastiken bedroht von Überwucherung, Zweckentfremdung oder Vergessenheit. Nord macht diese Prozesse in ihren Bildern und Skulpturen sichtbar und interveniert gleichermaßen mit der nötigen ironischen Distanz.

SEBASTIAN BURGER

Sebastian Burgers großformatiges Diptychon "Réduit", das unter anderem in der Ausstellung zu sehen sein wird, zeigt exemplarisch, wie aus dem Dunkel der Geschichte einzelne Fragmente mehr oder weniger deutlich ans Licht strömen. Die malerische Dichte, die Burgers kleinere Malereien auszeichnet, wird hier aufgegeben zugunsten einer puren Ästhetik der unklaren Zusammenhänge, die sich nicht rein inhaltlich, sondern auch formal offenbaren. Einer Schultafel nach Unterrichtsschluss gleichend, stehen hier halb Verwischtes und klare Linien auf schwarzen Untergrund nebeneinander. Was vom Tage übrig blieb. Der Maler Burger gewährt uns einen Einblick in ein Denksystem, eine Welt, die sich zusammensetzt aus Formstücken und Fragmenten, die nicht zueinander gehören, die wir aber beobachten dürfen auf ihrem Weg zueinander. Ein loses Ganzes in Bewegung, dessen Wert und Stärke sich unter anderem auch aus dem Verzicht auf inhaltliche Gänze speist. Burger betreibt an seinen großen Tafeln keinen Frontalunterricht. Die Stühle sind schon hochgestellt, der Schwamm noch feucht, Lehrer und Schüler in der Freizeit und was vorne an der Tafel steht, hat nur noch mit sich selbst zu tun.

Text: Carsten Tabel

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