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Einzelausstellung: Heiner Meyer - Recent Works (vorbei)

13 September 2008 bis 24 Oktober 2008
  Heiner Meyer - Recent Works
Heiner Meyer
 
www.burkhardeikelmann.com Burkhard Eikelmann Com

Ackerstrasse 13
40233 Düsseldorf
Deutschland (Stadtplan)

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tel +49-(0)211-303 77 73
www.burkhardeikelmann.com


Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der Galerie,

am Samstag, den 13. September, ab 19 Uhr, eröffnen wir die neue Kunst - Saison mit einer Ausstellung von

Heiner Meyer "RECENT WORKS!"

Der Künstler wird anwesend sein.


Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Heiner Meyer - Recent Works
Eröffnung:
Samstag, 13. September, ab 19 Uhr
Ausstellung bis 24. Oktober

Mea res agitur
Zur Reloaded-Serie von Heiner Meyer


Beim Blick auf die neuen Bilder von Heiner Meyer fällt nicht wenigen Kritikern beinahe reflexhaft Andy Warhol und die Pop Art ein. Das mag verständlich sein, richtiger wird es dadurch nicht. Verständlich, weil es im aktuellen Werk des Bielefelder Künstlers Glamour-Motive gibt wie die Porträts von Marylin Monroe, Jackie Kennedy oder Audrey Hepburn, die sich auch im Oeuvre Warhols finden. Und das setzt sich fort, wenn wir noch Trivialmotive aus der kapitalistischen Waren- und Konsumwelt dazunehmen. Hier sei stellvertretend für viele die Coca-Cola Flasche genannt, deren hohes Lied ja bekanntlich auch schon Warhol in seinem Werk gesungen hat. Was er so hinrei?end an einer Cola fand war ihr demokratischer Charakter. Die Tatsache, dass sie immer gleich schmeckt. Gleichgültig, ob sie nun vom Präsidenten der Vereinigten Staaten getrunken wird oder von irgendeinem Penner. Ob man sie in China und Russland trinkt oder in Mexiko und Alabama. Dazu treten noch Motive aus den populären Disney-Comics wie Mickey Mouse und Donald Duck, die nach Ende des zweiten Weltkrieges mit dem damals in Europa und Westdeutschlxaand einsetzenden amerikanischen Kulturimperialismus die Fantasie der Heranwachsenden hierzulande nicht weniger beschäftigten und beeinflussten wie die ihrer Generationsgenossen jenseits des Atlantiks. Motivübereinstimmungen sind bis zu einem gewissen Grad im Werk von Warhol und Meyer unübersehbar. Was aber ebenso unübersehbar ist, das sind die Differenzen in der Form. Und auf die Form, kommt es in der Kunst ganz wesentlich an. Nur ein passant sei zitiert, was Gottfried Benn dazu zu sagen hatte. Die Kunst ist Form, oder sie ist nicht, gab der Dichter in dieser Sache zu Protokoll. Dem ist nichts hinzu zu fügen.

Wo liegen die formalen Unterschiede? Warhol spiegelt in seiner Kunst den wachsenden Einfluss der Medien in unserer Gesellschaft und auf unser Bewusstsein. Wenn er die Gegenstände populärer Unterhaltung für kunstwürdig erachtet, liquidiert er so zugleich die Differenz zwischen high and low, zwischen hoher Kunst und populärer Unterhaltung. Gewiss keine kleine Tat und mit weit reichenden Folgen für die Kunst der Moderne. In seinen Bildern, in denen sich der Kopf von Marilyn oder Jackie zur Serie multipliziert, rattert der Rhythmus der Rotationsmaschine. In ihnen wird deutlich, dass die Porträts der Stars zum Stoff einer gierigen Unterhaltungsindustrie geworden sind. Einer Amüsier-

maschine und eines Amüsierbetriebs, die sich dadurch auszeichnen, alles und jeden in sich aufzunehmen und zu verschlingen und so einer rasanten Gleichmacherei zu unterwerfen. Einmal in den Fokus des allgemeinen und öffentlichen Interesses geraten, verschwinden individuelle Unterschiede.

Der Soziologe Richard Sennett kommentiert das Phänomen Jahrzehnte später in seinem viel beachteten Buch Wir amüsieren uns zu Tode. Es gilt nur noch der Aufmerksamkeits- und Unterhaltungsfaktor, gleichgültig, ob der Star ein Schau-spieler ist wie Marlon Brando, ein Politiker wie Mao Tse-tung oder ein Fussballspieler wie Franz Beckenbauer. Wir beobachten hier eine Fokussierung und gleichzeitige Inflationierung der Persönlichkeit, die in der Serialisierung und im Siebdruck ihren adäquaten formalen Ausdruck finden. Der ökonomische Umschlag von Quantität in Qualität, von dem Karl Marx sprach, hat hier seine ästhetische Entsprechung. Fünfzig Marilyns sind mehr - und zugleich weniger - als eine Marilyn. Hier liegt auch der Ursprung einer Sichtweise, die Warhol später zu einer seiner berühmtesten und oft zitierten Kulturdiagnosen führen sollte: In der Zukunft wird jeder für fünfzehn Minuten berühmt sein. In Warhols New Yorker Factory begann, was wir heute bei Big Brother erleben.

Ganz anders die Bilder von Heiner Meyer! Bei ihm kann vom Wechselspiel zwischen Illusionierung und Desillusionierung, Auraaufbau und -abbau nicht die Rede sein. Er konfrontiert uns in Reloaded, so der schöne und treffende Titel seiner Werkserie, mit Bildern, die in unserem kollektiven Gedächtnis ihren sicheren Platz gefunden haben. Der französische Kulturphilosoph André Malraux sprach einmal von unserem musée imaginaire und spielte damit in ähnlicher Weise auf einen Bilderschatz an, den wir alle wie die Exponate eines imaginären Museums mit uns herumtragen, jederzeit abrufbar, vorstellbar und kommunizierbar. Dahinter verbirgt sich eine gro?bürgerliche Bildungsvorstellung, deren Inhalte durch eine entsprechende Erziehung und museale Seherlebnisse geprägt wurden. Das letzte Jahrhundert, das Jahrhundert der Moderne, wurde indes nach der langen Herrschaft der artes liberales der Vergangenheit revolutioniert durch die Erscheinung einer neuen Kunst, der Magie des Kinos. Aus den Mythen und Erzählungen dieser Kunst speisen sich Personal, Themen und Motive der neuen Bilder von Heiner Meyer. Und diese Bilder sind es auch, die heute das kollektive Gedächtnis der Menschen, unser Gedächtnis, unser musée imaginaire, vor allem prägen. Nichts einfacher, als sich mit Menschen, die man zum ersten Male trifft, über Filme zu verständigen, die man gesehen hat. Viel leichter als über neue Bücher oder Musik mit ihnen zu reden. Von den Werken der Vergangenheit spreche ich in diesem Zusammenhang nicht. Filme liefern heute am Ehesten eine Art von verbindlicher Bilderwährung, eine Universalsprache, über die wir miteinander kommunizieren können. Filme liefern uns Verhaltensmodelle, die wir diskutieren, zu denen wir uns ins Verhältnis setzen, an denen wir uns orientieren oder von denen wir uns distanzieren.

Damit erfüllt in heutiger Zeit am Ehesten der Film, was Horaz als die eigentliche Aufgabe der Kunst beschrieben hat: das delectare und docere, also ästhetisches Entzücken und kognitive Einsicht. Der Film, der uns fasziniert durch die Kraft der bewegten Bilder, verhandelt heute am Direktesten und nicht selten auch am Intensivsten, was zu allen Zeiten der gro?e Stoff der Kunst war. Es geht dabei vor allem und immer wieder um die Liebe und damit oft auch um den Tod, denn die Liebe ist nicht selten ein Schlachtfeld - Krieg. Küsse und Bisse, das reimt sich. Man mag das eine schon für das andere nehmen, dichtete Heinrich von Kleist in seiner Penthesilea. Eros und Thanatos, Tod und Liebe sind Zwillinge, was wir nicht erst durch Romeo und Julia wissen, wo sich mehr als in jedem anderen Stück der Weltliteratur lie and die, liegen und sterben, aufeinander reimen. Die Liebe schaut in wechselnder Gestalt auch hinter den Protagonisten hervor, die uns Heiner Meyer zeigt. Sie scheint auf dramatische Weise auf in der Begegnung des jungen und in unserer Phantasie immer jung bleibenden, weil so früh gestorbenen James Dean und der wunderschönen Elizabeth Taylor. Sie leuchtet als gefährliches Begehren auf in den dunklen Augen von Sofia Loren, sie ist die heimliche Sehnsucht im anrührenden Verhalten von Marilyn Monroe, sie zeigt sich als moderne Variante von Prinz und Aschenputtel in der Umarmung von Richard Gere und Julia Roberts, und sie lebt in den Seufzern und Kapriolen des Mädchens Holly in Frühstück bei Tiffany, die für uns auf ewig die Züge der ebenso ätherischen wie eleganten Audrey Hepburn tragen wird.

Mit den bekannten Bildern und Porträts der Stars erinnern wir uns immer auch an ihre Rollen, in denen sie berühmt wurden - nicht nur für fünfzehn Minuten - und mit denen sie einzogen in ein Pantheon der Unsterblichkeit, dessen Architektur sich in den Archiven der Filmgeschichte ebenso findet wie in den Räumen unseres Gedächtnisses. Heiner Meyers Bilder holen ihren Gegenstand gleicherma?en von der Filmleinwand wie aus unserem musée imaginaire filmique auf ihre Leinwände und konfrontieren uns ganz neu mit ihm. Aber bevor er uns mit seinen Bildern konfrontiert, konfrontiert er sich selbst mit ihnen. Und in der Art und Weise, wie er seine Sujets und Motive überaus erkennbar und gegenständlich vor uns erscheinen lässt, während er sie zugleich gestisch und abstrakt, das hei?t mit einem sehr persönlich gestimmten Pinselstrich, umspielt, erkennt der Betrachter die ganze Zärtlichkeit, die der Künstler für seine Gegenstände aufbringt. Auch da, wo die Bilder ironische, in gewisser Weise auch selbstironische Züge nicht unterdrücken können, ist der Blick zurück am Ende doch ein zärtlicher und verstehender. Das ist tröstlich, denn die malerische Entdeckungsreise in die Film- und Zeitgeschichte ist ja auch eine Reise zurück in die eigene Zeit und Biografie, und damit ein Spiegel der Entwicklung eigener Befindlichkeit. Die Linie dieser Entwicklung wird von Filmen markiert, die wie ein Epos Grundkonstellationen der condition humaine verhandeln. James Dean und Rock Hudson in Giganten, der Underdog gegen den Etablierten. Marlon Brando und sein Bruder in Die Faust im Nacken, im Taxi auf der Fahrt in den Untergang. Aus mir hätte etwas werden können, ein guter Boxer, murmelt der junge Brando in dieser archetypischen Erzählung von Treue und Verrat. Oder Clint Eastwood als Dirty Harry, Vexierspiele von Moral und Unmoral. Oder Frank Sinatra und das rat pack, die Inkarnation von Lässigkeit und Coolness, der Traum von der ewigen Jugend und vom Leben als unbekümmertem Spiel.

Ich könnte stundenlang so fortfahren mit den Geschichten, die sich mit den Stars und ihren Rollen verbinden, die Heiner Meyer in Reloaded wieder hervorholt und mit neuer Energie auflädt. Eine Energie, die sich zuverlässig einstellt, weil er uns das Bild der Stars, wie wir es kennen, gibt und zugleich verfremdet. Weil er das Gegenständliche und das Abstrakte, Malerei und Fotografie gelingend miteinander verbindet. Weil er die Bilder in andere Zusammenhänge stellt. Weil er unterschiedliche Perspektiven und Schauplätze im Bild zusammen fasst und weil er Leerstellen lässt. In ihnen kann unsere Fantasie Fu? fassen, um die alten mit neuen Bildern, die fremde mit der eigenen Geschichte zu alliieren. Meyer tut damit auf genuin malerische Weise etwas, was wir alle getan haben, als wir im dunklen Kinosaal sa?en und uns hineingeworfen haben in die Bilder, die wir sahen. Als wir nicht nur mitzitterten, mitkämpften, mitliebten, sondern das Schicksal auf der Leinwand zu unserem eigenen gemacht haben. Damit erfüllten diese Filme wie auch die Malerei von Heiner Meyer ein uraltes ästhetisches Gebot der Alten, von denen uns schon Aristoteles Mitteilung macht und das auch Marcel Reich-Ranitzky im Literarischen Quartett stets und sehr gerne als verlässliche Bewertungskate-gorie diente. Wenn es da zum Beispiel in einem Buch um eine junge bulgarische Kirschenpflückerin im Sommer ging, dann hob der Kritiker an: Der Sommer ist mir viel zu hei?, Kirschen mag ich auch nicht und Bulgarien interessiert mich nicht. Aber wenn der oder die das in dieser oder jener Weise beschreibt, so der Herr der Bücher weiter, dann geht mich das auf einmal an, dann handelt das Buch plötzlich von mir. Exakt die Kategorie von Aristoteles. Das mea res agitur. Die Kunst muss meine Sache verhandeln.

Mir scheint, darum geht es auch Heiner Meyer in seinen neuen Bildern. Natürlich kann man sie genau so gut unter dem Aspekt postmoderner Be arbeitungsstrategien betrachten. Das habe ich in einem früheren Essay zum Werk des Künstlers getan. Ich habe am Beispiel von Meyers Bildern untersucht, wie der zeit-genössische Künstler sich vom dauernden Innovationsdruck entlastet, auf Originalität pfeift und sich im Fundus der Stilgeschichte bedient. Aber auch im Aufgreifen bekannter Stile und Motive muss er zu einer eigenen Handschrift finden. Das ist das ewige Gesetz der Kunst, die per definitionem immer eine neue Form, einen neuen Ausdruck verlangt. Wenn wir sehen wollen, was schon da war, gehen wir ins Museum. Und Kopien wollen wir schon gar nicht sehen. Denn die Kopie ist das Gegenteil von Kunst. Wenn also Heiner Meyer in seinen neuen Bildern Pop Art und gestischen Expressionismus kreuzt, schafft er durch dieses cross over, durch die Verbindung unterschiedlicher Genres, Stile und Medien auch wieder etwas Neues und Originales. Beim Wiedersehen und Neusehen der aktuellen Werke habe ich das Gefühl, dass jenseits des formalen und gestalterischen Interesses an seinem Sujet, jenseits auch einer Bearbeitungsstrategie, die man in Anlehnung an moderne Verfahren der Musikproduktion als bildnerisches Sampling bezeichnen könnte, Heiner Meyer in dieser Werkserie auch eine sehr schöne und sehr persönliche Hommage geschaffen hat an das Starkino der Vergangenheit bis hin in die neueste Zeit. Nicht von ungefähr taucht neben Ava Gardner, Marlene Dietrich, Grace Kelly, Marilyn Monroe und all den anderen sacrés monstres des Cinema auf einigen Werken Meyers auch Nicole Kidman auf. Mit diesen Bildern verneigt er sich vor ihnen allen. Nicht nur, weil sie schön sind, sondern weil sie uns zugleich - die Männer und Frauen der Leinwand sowie die Drehbuchautoren, Regisseure, Kameraleute, Cutter und all die anderen bis hin zum best boy - Parabeln der condition humaine geschenkt haben, in denen wir uns stets aufs Neue zuverlässig wiedererkennen.
Mea res agitur.

Michael Stoeber

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