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Einzelausstellung: Helena Almeida (vorbei)

6 Juni 2003 bis 10 August 2003
  Helena Almeida
Helena Almeida, Tela habitada, 1976, © Helena Almeida.
Ketty La Rocca, Le mie parole, e tu? (Detail, 1971-72, Courtesy Michelangelo Vasta
 
  Galerie im Taxispalais

Galerie im Taxispalais
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6020 Innsbruck
Österreich (Stadtplan)

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Die portugiesische Künstlerin Helena Almeida und die italienische Künstlerin Ketty La Rocca sind von 6. Juni bis 10. August 2003 in parallelen Ausstellungen vertreten. Beide Künstlerinnen gehören zu jener wichtigen Generation von Frauen, die in den sechziger und siebziger Jahren bedeutende und weiterführende konzeptuelle Beiträge zum Thema Bild, Körper und weibliche Subjektivität gemacht haben.

Helena Almeida, eine der bedeutendsten KünstlerInnen Portugals, setzt sich selbst als ihr eigenes Modell in den Mittelpunkt ihrer Arbeiten. In ihren performativen Szenarios bearbeitet sie den prekären Raum der Repräsentation, indem sie mit den Mitteln der Fotografie, der Malerei, der Zeichnung, der Objektkunst und der Sprache die Grenzen des Bildes untersucht. Sie untersucht die subtilen Übergängen vom Gegenstand zu dessen Abbild, vom Illusionsraum der Fotografie zur malerischen Oberfläche.

Helena Almeida hat für ihre subtile Auseinandersetzung mit dem Verhältnis zwischen Frau und Bild den Begriff des "Bewohnten" geprägt: "Bewohnte Leinwand", "Bewohnte Malerei", "Bewohnte Zeichnung". Das "Bild", in dessen komplexen Raum sich die Künstlerin einschreibt, wird hier scheinbar zum unverzichtbaren Ort für die Frau, den sie imaginär "bewohnt", zugleich wird es aber auch zum Ort der Unterdrückung, der Einschließung, dem sie entrinnen möchte.

Almeidas Anfänge liegen in der Malerei, die sie zu einer selbstreferentiellen Abhandlung über das Bild in der Malerei führte: Sie begann, dessen materielle Bestandteile wie die Leinwand, den Keilrahmen, die Farbe zum Gegenstand ihrer Untersuchung zu machen und zugleich auch dessen strukturelle (neuzeitliche) Funktion, nämlich ein "Fenster in die Welt" zu bilden, zu hinterfragen. Das führte sie dazu, dieses Bild skulptural zu erweitern, es in den Raum auszudehnen, um es dann bis zu ihren aktuellen Arbeiten mittels Fotografie in unterschiedliche performative Szenarios umzusetzen.

In feinster Differenzierung verwandelt sich die Linie eines fotografierten Fadens im Bild, der hier auch seinen Schatten wirft, in eine Linie auf der Oberfläche des Bildes, inszeniert, als hätte die im Foto präsente Künstlerin diese von innen nach außen gezeichnet (Desenho Habitado, Bewohnte Zeichnung, 1975). Die Realitäten des (fotografischen) Illusionsraums und jene der konkreten Oberfläche, des Bildträgers und seines Materials, prallen hier aufeinander; sie erzeugen einen Widerspruch, eine Form von rätselhafter, unentrinnbarer Verschränkung. Denselben Effekt hat die blaue Farbe, die Almeida auf die Oberfläche einer Fotografie setzt, um damit ihr Gesicht zu verdecken mit dem Effekt, ihre Präsenz im Bild zugleich hervorzuheben und zu verleugnen (Pintura Habitada, Bewohnte Malerei, 1976).



Ketty La Rocca gehört zu den bedeutendsten VertreterInnen der konzeptuellen Kunst in Italien. Die Arbeit der früh verstorbenen Künstlerin umfasst die visuelle Poesie, die bildende Kunst und die Performance. Die poetische, experimentelle, medienkritische Untersuchung von La Rocca gilt der Sprache, den Bildern und stereotypen Zeichen der Alltagswelt mit dem Ziel, die herrschende Politik der Körper sichtbar zu machen.

La Roccas früheste Arbeiten sind Collagen, mit denen sie 1964 begann. Bereits in ihnen verdichtet sie in eindrucksvoller und prägnanter Form ihre politische Kritik, mit der sie zugleich ein Zeugnis von der Aufbruchstimmung dieser Zeit gibt. Zur Debatte stand eine Gesellschaft, die zunehmend von Konsum und Medien dominiert und konditioniert wurde. La Rocca übernahm den Ansatz der Popart, die Bilder der Medien und der Waren in all ihrer Stereotypie und Trivialität zuerst anzuerkennen, um die Kunst mit einem von ihr bisher unbeachteten sozialen Feld zu konfrontieren. La Rocca verschrieb sich in Vorwegnahme späterer kritischer Konzepte jedoch nicht dem zumeist affirmativen Charakter der Popart. Sie brachte in ihrer "Poesia Visiva" mit sarkastisch-poetischem Sprach- und Bildwitz die Versprechungen, die die Werbung den Frauen machte, zum Kippen. Bilder und Slogans der saturierten Konsumwelt oder der Kirche montierte sie zusammen mit Bildern der so genannten Dritten Welt und des Krieges, um die westliche Ignoranz gegenüber anderen Kulturen oder gegenüber Opfern bloßzustellen.

Die Strategie, das Bild oder sprachliche Zeichen in ihrer repräsentativen Klischeehaftigkeit dingfest zu machen, um damit deren soziale Konvention zu unterlaufen und in etwas anderes zu verwandeln, wandte La Rocca auch beim einzelnen Buchstaben oder Schriftzeichen an. Ein "J" oder ein Komma verselbständigen sich dann zu Skulpturen, die in ihrer seltsamen Vereinzelung zur Metapher für das isolierte Subjekt selbst werden.

In den 1970er Jahren entwickelte La Rocca ihre performativen Serien mit Händen. Sie unter-sucht deren Ausdruckssprache, um diese zugleich in einen Sprachkontext zu setzen, indem sie die Hände mit Wörtern beschriftet und deren Konturen handschriftlich umrandet. Die Beschäfti-gung mit den Händen entspringt dem Wunsch, eine andere Sprache der Kommunikation zu erschaffen, in der der reale Körper, der gestische Ausdruck und die Schrift in ein eigentümlich montiertes Verhältnis zueinander treten.

La Rocca nimmt im Zusammenhang mit diesen Arbeiten explizit Bezug auf den weiblichen Lebenszusammenhang, der den Händen der Frauen nur bestimmte Tätigkeiten zugewiesen hatte. "Für die Frauen ist heute keine Zeit der Erklärungen", schreibt sie 1974 aus ihrer feministischen Perspektive, "sie haben zu viel zu tun, und dann hätten sie auch nur eine Sprache zur Verfügung, die ihnen fremd und feindlich ist. Sie sind von allem beraubt, bis auf die Sachen, die niemand beachtet, und das sind viele, auch wenn sie geordnet werden müssen. Die Hände zum Beispiel, zu langsam für weibliche Fähigkeiten, zu arm und zu unfähig, um das Hamstern fortzusetzen; es ist besser, mit Worten zu sticken...".

Zu Ketty La Roccas letzten Arbeiten gehören die "Riduzioni", in denen sie das alltägliche Foto "umarbeitet", sei es ein Familienfoto, ein Foto einer Installationsansicht einer Galerie, ein Foto, das sie selbst zeigt oder einen Politiker, ein Zeitungsfoto, eine millionenfach verkaufte Kunstpostkarte oder ein Filmplakat. Das Prinzip der "Riduzioni" besteht darin, das Ausgangsfoto durch eine oder mehrere Variationen seriell zu erweitern. Dies geschieht durch die grafische Schematisierung des Bildes, die nach verschiedenen Mustern erfolgt: Entweder "zeichnet" die Künstlerin mit ihre Handschrift die Konturen jener Formen nach, die ihr wichtig erscheinen, oder sie arbeitet durch Linien und schwarz markierte Flächen bestimmte Elemente heraus, die dann ebenso wie die Schrift eine inhaltliche Umdeutung bewirken.

La Rocca negiert die Differenz zwischen Tiefe und Fläche, ebenso wie die Hierarchie eines szenischen Ablaufs und versetzt das Bild in einen nervösen Schwebezustand. In den von ihr geschaffenen Zwischenräumen, in den Leerstellen öffnet sie einen poetischen Raum, der auch auf das Alltagsbild übergreift.

Die Ausstellung zeigt Schriftbilder, Objekte, Collagen, konzeptuelle Fotoarbeiten und ein Video ihrer Performances.

Ketty La Rocca ist 1938 in La Spezia geboren. Sie starb 1976 in Florenz.

Katalog Ketty La Rocca (dt./engl./ital.)
Hg./ed.: Galerie im Taxispalais
Beiträge von Silvia Eiblmayr, Ketty La Rocca, Lara Vinca Masini
16 S., 9 Abb.

Unterstützt durch das Italienische Kulturinstitut, Innsbruck (Logo)
Dank an S.p.A. Egidio Galbani, Milano (Logo)

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