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 Pauline Bastard, Icefield, 2008 - C-Print, 70 x 100 cm, Edition 3+1 | | |
Im Büro
Pauline Bastard & Iván Argote Valeur Ajutée
Die Galerie Hamish Morrison präsentiert im Büro die beiden französischen Künstler Pauline Bastard ( *1982, F) und Iván Argote (*1983, COL)
Pauline Bastard interessiert sich für die Art der Beziehung zwischen dem alltäglichen Gegenstand und dem Kunstobjekt. Sie hinterfragt das Prinzip, aufgrund dessen jedes Objekt nur als Antwort auf ein Bedürfnis existiert. Dieser `Gebrauchsfähigkeitsdeterminismus´ verschließt den Objekten den Zugang zum Geistigen und Immateriellen, also den Sphären die das Feld der Kunst darstellen. Die Künstlerin nimmt jedoch in den Formen, den Tönen und den jeweiligen Situationen etwas wahr, das die Gegenstände zu einer Quelle der Inspiration werden lässt.
Bastards Arbeit besteht aus einer semantischen Neuordnung. Indem sie die Gegenstände aus ihren Zusammenhang löst, entdeckt sie unerwartete Qualitäten, deren Nutzung unsere ästhetische Einschätzung durch die Integration unseres Alltags bereichert. Derart entstellt, dekontextualisiert und defunktionalisiert erhält der Gegenstand eine Bedeutung, die seine beschränkte Rolle enorm erweitert. So wird er durch die Kunst geadelt, zu der er von Natur aus, falls er sich nicht als Design verkleidet daherkommt, im völligen Gegensatz steht. Wie genau erhält ein Gegenstand in diesem Prozess eine geistige Dimension? Pauline Bastard interessiert sich vor allem für Abfall. Durch den Verbrauch des Inhalts verliert die Verpackung von Lebensmitteln jede Anziehungskraft und jeglichen Wert.
Das tatsächliche Vergolden des Abfalls erscheint so fast wie eine frevelhafte Handlung. Eine leere Chipstüte wirft man gewöhnlich einfach weg, aber eine Chipstüte die mit Gold überzogen wurde? Darüber hinaus führt uns diese widersinnige Gegenüberstellung zu der Frage ob der künstlerische Gedanke und die künstlerische Handlung einem xbeliebigen Gegenstand tatsächlich einen Mehrwert verleihen kann - Valeur Ajoutée, und wenn ja, wie und mit welchem Recht?
Die Fotografie Icefield erforscht die Wahrnehmung und den automatisierten Blick auf Gegenstände. Diese können Qualitäten verbergen, die wir ihnen nicht zutrauen, weil sie nicht das Geringste mit ihrer eigentlichen Funktion zu tun haben. Aufgabe einer Plastiktüte ist es ein Gewicht zu halten, bestenfalls noch eine Werbebotschaft zu transportieren, sie hat aber nicht a priori schön zu sein. In Icefield erhält sie jedoch eine Form, in der wir sie als Landschaft wahrnehmen. Die Perspektiveränderung manipuliert unsere Wahrnehmung der Plastiktüte, die ihrer Funktionalität enthobene Tüte erhält eine neue Dimension und lässt uns das vulgäre Artefakt vergessen.
Auch die Videoarbeit Movie überrascht und verwirrt den Zuschauer aufgrund des ungewöhnlichen Castings. Mit ironischem Humor entlockt Bastard ihren absurden Protagonisten ein ungeahntes, dramatisches Potential und erzeugt eine Spannung, die eines Thrillers oder Horrorfilms würdig wäre.
Eine ähnliche Umkehrung und Umdeutung alltäglicher Situationen und konventioneller Werte Finden wir in den Arbeiten Iván Argotes (COL + 1983). Angetrieben von einer großen Neugier gelingt es ihm den Fragen an unsere Gesellschaft und deren Werte und Mechanismen Frische und Brisanz zu verleihen. Unter Verwendung zahlreicher Medien, sei es Fotografie, Malerei oder Video lädt Argote seine Zeitgenossen ein, ihm in das Reich des Absurden zu folgen und Fragen zu stellen.
Drei seiner Werke werden in der Ausstellung `Valeur Ajoutée´vorgestellt. Argotes bevorzugtes Thema, dem er durch verzerrte Spiegelbilder auf den Grund gehen möchte, ist die Kunst selbst. Mit den Mitteln der Satire hinterfragt er auf originelle Weise überlieferte Vorstellungen und überkommene Phrasen. Die Videoarbeit Very good spiegelt in diesem Sinne eine ironische Überlegung des künstlerischen Schaffens an sich. Ein großer, roter Korrekturhaken, ein Bestätigungssymbol eingezwängt in eine Leinwand. Mit dieser frechen Anspielung auf zahlreiche, alltägliche Bewertungs- und Bestätigungshandlungen entlarvt Argote den Wunsch, die Kunst möge ein seltener Ausnahmezustand sein als naiv und nahezu reaktionär. Dead Body zeigt die Leiche eines Fahrrads, ausgestellt auf dem Quai von Paris, zwischen der Kunstakademie und dem Museum des Louvre.
Als letztes, trauriges Zeugnis seines Daseins fließt sein Blut auf dem Bürgersteig. Argote gelingt es hier mit einer äußerst einfachen und poetischen Geste, tiefe Themen anzuschneiden. Die visuelle Gewalt des Blutrots verwandelt das Fahrrad in das potentielle Opfer eines kürzlich stattgefundenen, gewaltsamen Unfalls. Mit der Einfachheit der Inszenierung schafft er es auf beeindruckende Weise, unsere visuelle Abgestumpftheit zu überspringen. Unmittelbar spüren wir die Gewalt, die unsere Städte durchzieht und die Einsamkeit des Sterbens wird uns nachhaltig bewusst. |