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 Love & Hate, 2009, C-Print, gerahmt, 90 x 120 cm | | |
Einladung zur Eröffnung
Freitag, 28. Mai 2010, 19.00 Uhr
19.45 Uhr: Einführung von Belinda Grace Gardner
Gemeinsame Eröffnung mit weiteren Galerien der Fleetinsel.
Isabelle von Schilcher (*1983 in Hilden, lebt in Berlin) besinnt sich in ihrer Arbeit auf das, womit sie sich zumindest einigermaßen auskennt: Sich selbst. In der Rolle der Frau, in der Rolle der Künstlerin, in der Rolle der Ich-Beobachterin, die auch die Fremdperspektive beherrscht. Bei ihren Selbsterkundungen montiert die Künstlerin den Spiegelschrank aus dem heimischen Badezimmer ab, um ihn als Lichtkasten für ein erotisch aufgeladenes, photographisches Selbstporträt zu benutzen. Aber: Ein Fussel im Dekolleté zerstört das perfekte Bild und treibt die Aussage der Arbeit in eine andere Richtung. In der Schönheit ist die Hässlichkeit verborgen, in der exhibitionistischen Geste die Scheu, etwas von sich selbst preiszugeben, in dem Wunsch nach hundertprozentiger Identifikation die gnadenlos kritische Distanz.
Und der Humor: Eine Photographie zeigt zwei Ponys, die auf einer schwedischen Waldlichtung grasen. Sie tragen Satteldecken. Auf der einen steht „love“, auf der anderen „hate“. Wie immer man dieses Spiel mit sprachlichen Zeichen und Bezeichnungen auch lesen mag, es bleibt eine merkwürdige Addition: „Wenn man die Liebe hasst und den Hass liebt, hasst man“, sagt Isabelle von Schilcher. Und das ist keinesfalls zynisch gemeint – Ambivalenz ist für diese Künstlerin ein Dauerzustand.
In ihrer Arbeit kollidieren Mädchenphantasien von Pferdchen und rosa Kleidchen (in ihrem Examens-Video posiert sie als Ballerina auf einer überdimensionierten Spieluhr und versucht vergeblich, die Ballett-Position zu halten) mit dem alltäglichen Scheitern in der Erwachsenenwelt. Samuel Becketts Aufforderung „Fail better!“ erfährt bei Isabelle von Schilcher jedoch die Leichtigkeit, die sie verdient – Scheitern: Ja! Daraus Lernen: Ja! Unverbiestert mit der Frauenrolle spielen: Auf jeden Fall! Und dabei ruhig auf einem Grat wandern, der über Abgründe namens Kitsch und Sentimentalität hinweg führt – wenn es denn der Geschichte dient, die erzählt werden muss. (Dagrun Hintze) |