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Einzelausstellung: Jakob Roepke - "von menschen und tieren" (vorbei)

1 November 2003 bis 29 November 2003
  Jakob Roepke -
 
  Galerie Jarmuschek+Partner

Galerie Jarmuschek+Partner
Halle am Wasser - Invalidenstrasse 50/51
10557 Berlin
Deutschland (Stadtplan)

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Jakob Roepke – von Menschen und Tieren

In seinen Bühnenräumen setzt Jakob Roepke Figuren, die geradewegs Jiu Jitsu- und Yoga-Lehrbüchern entsprungen sind, wie auf einer einsamen, feindseligen Insel aus. Hier müssen sich diese Figuren monströser Tiere, wildgewordenen geometrischen Figuren und einer aus den Fugen geratenen Dingwelt erwehren. Dieser Aufstand der Elemente als alltägliche Erfahrung wird von Roepke metaphysisch überhöht und durch die abstrakt-stilisierte Form der Figur- und Raumzitate gleichsam auf überzeitliche Bild-Formeln gebracht.
Roepkes Welt besiedeln Grobmotoriker in Bürokluft, die selbst niedrigste Türschwellen nicht verletzungsfrei zu überwinden vermögen. Man könnte von einer Art Zeitspiegel sprechen, denn je weiter der Mensch sich bei der Arbeit von der physischen Welt entfernt, desto schwerer wird ihm zwangsläufig das Wiedereintauchen in diese Welt. Wer stundenlang am Computer sitzt, für den ist der anschließende Gang zur Toilette immer schon ein Wagnis: Zu konkret-gegenständlich ragt nach dem Daueraufenthalt in virtuellen Räumen der Papierkorb, schier unüberwindlich wellt sich die Auslegware. Es zeigt sich aber auch eines deutlich: Jeder trägt den sprichwörtlichen Stein des Anstoßes in sich!
Spiegelten sich in den bisherigen Collagen Roepkes die widersprüchlichen, klaustrophobischen und zum Teil surrealen Erfahrungen der Figuren mit den Dingen und Elementen der Welt wieder, so spielen in den neuesten Arbeiten Tiere als Subjekte, aber auch als Metamorphosen menschlichen Seins eine situationsbestimmendere Rolle: Damian-Hirst-mäßig baut der neuamerikanische Wunder-Magier Roy einen Tiger nach seinem Bilde zusammen, andere Pygmalions formen ein Zwerg-Pferd oder schrauben einen Pferdekopf auf den Rumpf. Jesus-gleich läuft ein Mann nicht übers Wasser, sondern über die Wale, die zur geöffneten Türe hereinströmen.
Als pseudomittelalterlicher Miniaturist des Grauens, der große Kunst auf kleinstem Raum zeigt, zwängt Roepke in den neuesten Tafeln aber auch Protagonisten der Kunstgeschichte wie beispielsweise Samson im Tempel der Philister in seine klaustrophoben Räume, die diese konsequenterweise zum Einsturz bringen, eintreten oder mit einem „Jahrhundertschritt“ überspringen.
In anderen Tafeln widerum herrscht ein derartiger narrativer Überschuß, daß vor dem Auge des Betrachters permanent bis zu 5 Filme gleichzeitig abzulaufen scheinen. Unwillkürlich ergänzt man die heimischen prekären Situationen zu hitchcockesken Stuben-Krimis.
Wenn Surrealismus das zufällige Zusammentreffen einer Nähmaschine und eines Regenschirms auf einem Seziertisch ist, muss man Jakob Roepke wohl zu den Neo-Surrealisten rechnen. Mit je einem Bein auf den Schultern der surrealistischen Giganten Max Ernst und Giorgio de Chirico stehend, sieht er mit weitem Blick auf die Widrigkeiten des langen 20. Jahrhunderts zurück. Der Künstler scheint diese unterbewusst zu rekapitulieren, wenn er mit demiurgischer Mitleidlosigkeit und chirurgischer Präzision zugleich seine Protagonisten experimentellen Versuchsanordnungen ausliefert. Diese aussichtslosen, dennoch immer mit einem Schmunzeln zu beobachtenden Windmühlenkämpfe geben einer tiefwurzelnde Verunsicherung Ausdruck, für die nur eines sicher ist: das nichts sicher ist.

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