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Einzelausstellung: Järg Geismar - without you (vorbei)

20 April 2002 bis 28 Mai 2002
  Järg Geismar - without you
"Betsy and John, New York 2000",
2002, 78 x 57 cm
 
www.lagalerie.de L.A. Galerie – Lothar Albrecht

L.A. Galerie – Lothar Albrecht
Domstraße 6
60311 Frankfurt/Main
Deutschland (Stadtplan)

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tel +49-(0)69-28 86 87
www.lagalerie.de


without you

Die Erfahrung von Abwesenheit, für die der Titel der Ausstellung steht, bezeichnet eine Grunderfahrung in unserer von Mobilität geprägten Lebenswelt und zugleich eine Konstante im Werk von Jårg Geismar. Er hat lange in den USA gelebt, wurde mehrfach für Ausstellungsprojekte nach Japan eingeladen, realisierte aber auch in Thailand und Sambia und in vielen europäischen Ländern seine Arbeiten. Der Aspekt des Internationalen und die Erfahrung ganz unterschiedlicher Lebens- und Arbeitsbedingungen sind für ihn sehr wichtig.

Begegnungen, Trennungen, Gespräche, Erinnerungen an Gespräche und an gemeinsam Erlebtes sind Themen der Arbeiten, die die L.A. Galerie zeigt. Jårg Geismar arbeitet mit unterschiedlichsten Materialien und Medien; in dieser Ausstellung liegt ein Schwerpunkt auf der Malerei. Hinzu kommen Skulptur und Zeichnung sowie eine Videoarbeit.

linien, kabel, schnitte *

Für viele Arbeiten benutzt Geismar vorgefundene Materialien. Dazu gehören immer wieder Kabel, die Spuren durch Räume legen, an denen beim "cable brunch" das Besteck befestigt ist, oder die Skulpturen aus Matratzen und Kissen zusammenhalten. Unabhängig von den Assoziationen, die sie im Kontext einzelner Arbeiten wecken, haben die Kabel gestalterische Funktion: Sie sind Linien, denen der Blick folgt, die Verhältnisse in Räumen oder Flächen festlegen. Doch besitzen sie, anders als gezeichnete Linien, eine spezifische materiale Präsenz – und zugleich haben sie provisorischen Charakter; leicht können sie wieder entfernt werden. Die Arbeitsweise Jårg Geismars beruht auf einer Reduktion des Sichtbaren. Ein Kabel wird zu einer Linie, ein Schnitt umreißt eine Form.

schneiden ist wie zeichnen

Personen verschwinden aus Bildern. Auf ihre frühere Gegenwart verweist nur noch ihre Silhouette, der die Schere gefolgt ist. Nach antiker Überlieferung wurde die Malerei aus dem Wunsch erfunden, sich an jemanden zu erinnern. Ein Mädchen habe den Schatten seines Geliebten, der sie für einige Zeit verlassen sollte, an der Wand nachgezeichnet. An diesen Gründungsmythos der Zeichnung erinnern mich nicht nur die "Cut Outs". Sie sind, wie man an den Aufdrucken der Hersteller auf dem weißen Papier erkennt, umgedrehte Fotografien. Es gab also ein Bild und jemand war darauf zu sehen, der nun nicht mehr da ist.

fragmente der erinnerung

Vom Prozeß des Betrachtens, des Erinnerns und Vergessens handelt auch die Serie der "Red Identities". Die Silhouetten sind hier hinter Glas gemalt und mit signalroter Farbe gefüllt; das Glas um sie herum ist mit weißer Farbe bedeckt.
Ein Effekt stellt sich ein, den man von Museumsbesuchen kennt: In dem Glas, das die Bilder schützen soll, spiegelt sich das eigene Gesicht, das für Augenblicke viel interessanter wird, als die Bilder selbst. Sehr ephemer erscheint eine weitere Gegenüber-Situation: Auf einen Spiegel ist der Umriß einer Gestalt mit einer Karbonlinie gezeichnet. Um diese Zeichnung zu schützen, ist sie mit einer transparenten Folie bedeckt. Wer vor den Spiegel tritt, um die Gestalt zu sehen, bringt sie durch das eigene Spiegelbild fast zum verschwinden. In der Skulptur "I sell this for a living II" spielen wiederum Fotografien eine Rolle. Sie liegen so zwischen aufeinandergestapelten Betonsteinen, daß sie zwar zwischen den Steinen herausragen, die Abgebildeten aber verdeckt sind.

fehlen von menschen, fehlen von dingen

Kleidungsstücke und Schuhe sind, ebenso wie Kabel, Elemente, die kontinuierlich in Geismars Arbeiten erscheinen. Auch sie erinnern an jemanden, der nun abwesend ist, bilden eine Hohlform, die ein Körper gefüllt hat.
Gegenüber seiner Arbeit mit Sound und leeren Mänteln ("We came and we didn´t leave", 1998) ist "We just left" (1990/ 2002) sehr reduziert. Es bleiben nur noch die Schuhkartons mit den verschiedenfarbigen Seidenpapieren, in die die Schuhe gewickelt waren, als graphische Anordnung auf dem Boden zurück.

*Die Überschriften im Text stammen aus einer schriftlichen Skizze Jårg Geismars für die Ausstellung in der L.A. Galerie.

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