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Einzelausstellung: Joachim Bandau - Alles nur Illusion (vorbei)

10 März 2012 bis 28 April 2012
  Joachim Bandau - Alles nur Illusion
Joachim Bandau, Ausstellungsansicht
 
  Galerie Mark Müller

Galerie Mark Müller
Hafnerstrasse 44
8005 Zürich
Schweiz (Stadtplan)

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tel +41 (0)44 - 211 81 55
www.markmueller.ch


Joachim Bandau "Alles nur Illusion"

Tilo Schulz "Facing the blank..."

Im grossen Raum der Galerie gleitet Joachim Bandaus Bodenskulptur "Ophelia, badewassergrün" aus dem Jahr 1967 in einem knalligen Türkis über den Betonboden. Auf den ersten Blick steigt die Woge an beiden Enden zu Kringeln auf, die beim Herantreten auf den Kern der Skulptur hinweisen: Teile einer Schaufensterpuppe sind in Polyester eingearbeitet und in Lack gekleidet. In vier Abschnitte zerstückelt deutet die Skulptur auf einen Arbeitsprozess hin, der sich seit Jahren, seit Jahrzehnten, durch die Werke von Bandau zieht. Aus dem Fragmentarischen entsteht ein Ganzes, das Ganze durch einen Prozess des Ergänzens.
Sieben Aquarelle bilden das Fundament der Ausstellung "Alles nur Illusion". Schichten von Pigmentfarbe werden in unterschiedlicher Schwarzabstufung, also in unterschiedlicher Pigmentdichte, übereinander gelagert und formen Illusionen von räumlichen Gebilden, die sich, mal geordnet und dicht, mal luftig und gewebeartig auf dem Büttenpapier präsentieren.

Die Aquarelle entstehen in einem mehrstufigen Arbeitsprozess. Mit einem breiten japanischen Pinsel werden die wässrigen Schichten auf das flach liegende Papier aufgetragen. Dieses bildet Wellen, zwischen denen sich Farbe ansammelt, die wiederum mit dem Pinsel abgetragen wird. Beim Trocknen der Farbschicht entsteht eine feine Begrenzung an den Rändern, eine zeichnerische Linie, die die einzelnen Flächen umrahmt. Schicht um Schicht - intuitiv, in einem Zwiegespräch zwischen dem entstehenden Werk und dem Künstler - entsteht ein immer satteres Schwarz und zugleich Tiefe. Dies erinnert durchaus an eine aufbauende, bildhauerische Arbeitsweise, gleichzeitig wird aber auch die zeitliche Dimension des Prozesses sichtbar. Fast filmisch, einem Zeitraffer ähnlich, spielt sich der Ablauf der Auftragung vor dem inneren Auge ab. Aus der Distanz stellt sich ein leichtes Flimmern der Flächen ein.

Während die Formen der früheren Aquarelle sich von aussen zur Mitte bewegen, thematisieren die neusten Arbeiten den Bildrand. Die Flächen schichten sich parallel zu einander und zur Papierkante in einem regelmässigen Rhythmus über das Format hinaus.

Ein weiteres Feld von Illusion eröffnet sich in den Lackarbeiten. Gebogenes, geschliffenes Holz ist von mehreren Schichten Bagan-Lack überzogen, die ein sattes, glänzendes Schwarz bilden. Der leichte Abstand der Objekte zur Wand, sowie die Spiegelungen und Verzerrungen auf den abgerundeten Formen implizieren wiederum eine Räumlichkeit, verstärkt vom Schattenwurf der Wandobjekte, der an die feinen Schwarzabstufungen der Aquarelle erinnert.

Parallel zu Joachim Bandaus "Alles nur Illusion" zeigt Tilo Schulz in "Facing the blank..." fünf Werke aus der Serie "Your head is not my prison (portraits)" und die Bodenskulptur "I built a desert under the bridge".

Bühnenhaft breiten sich graue, präzis verarbeitete Bodenplatten im Raum aus, teilen ihn durch leere Fugen in eine genaue Rasterung. Der Abstand zu den Wänden, die freie Platzierung im Raum, macht die Installation zu einer Art Bodenskulptur, die jedoch betreten werden muss. Die Wandarbeiten in ihren kleinen Formaten und ihrer Feinheit zwingen den Besucher zu einer nahen Betrachtung und somit zum Gang über die Platten. Durch den Kern aus Schaumstoff geben diese unter den Schritten leicht nach. Ein kaum wahrnehmbares Schwanken stellt sich ein und somit ein Bewusstsein für jeden Schritt - ein Gleichgewichtsuchen, so subtil, dass man verunsichert ist, ob es nun unter den Füssen oder im eigenen Kopf geschieht.

In diesem leicht unsicheren Stand befindet man sich Angesicht zu Angesicht mit den Wandarbeiten: geknitterte, mit crèmefarbenem Acryllack überzogene Papiere, die mit Schaumstoff hinterlegt sind. Die Bilder, die durch ihre Formate an Porträts erinnern, stellen ein undefiniertes, vages Gegenüber dar, erinnern in Farbigkeit und Struktur an Haut. Die Lackschicht konserviert und verstärkt die Plastizität, kittet feine Risse im Papier und hinterlässt eine Pinselstruktur und Farbschlieren in einem malerischen Moment. Die Arbeit gegenüber der Glasfront wurde vor dem Lackieren wieder geglättet, während andere reliefartig in den Raum hinaus stehen.

Schulz' abstrakte, reduzierte Arbeiten fordern die Wahrnehmung des Betrachters auf allen Ebenen heraus. Lediglich mit Spuren von Andeutungen angereichert entsteht ein Ort mit idealen Voraussetzungen um Inhalte zu generieren. Der Betrachter füllt den Raum somit im doppelten Wortsinn. Man begegnet den eigenen Handlungen und Erkenntnissen, der Standortsuche, der Verunsicherung und der Restriktion.

Julia Schmidt

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