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Einzelausstellung: Jochen Höller - An vielmehr nehe muß wirklich / im roomnumberOne (vorbei)

16 November 2012 bis 26 Januar 2013
  Jochen Höller - An vielmehr nehe muß wirklich / im roomnumberOne
 
www.galerie-mam.com MAM Mario Mauroner Contemporary Art

MAM Mario Mauroner Contemporary Art
Weihburggasse 26
1010 Wien
Österreich (Stadtplan)

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www.galerie-mam.com


Der junge, aus Niederösterreich stammende, Künstler Jochen HÖLLER (*1977) beschäftigt sich in seinen Werken mit elementaren Themen aus Gesellschaft, Technik, Religion und Kultur. Er spürt ihre Vielschichtigkeit und Reichweite auf und setzt sie in einen weitgespannten Kontext, dabei verschleiert er nicht den Kern der Sache sondern liefert mit dem Humor der künstlerischen Praxis gewitzt neue Denkanstöße.

Nach seinem Studium der Bildhauerei an der Kunstuniversität Linz hat sich HÖLLER ganz der Arbeit mit Papier zugewandt. HÖLLERs Papierarbeiten unterliegt die Methode eines Selbst-Ordnungssystems. Der Künstler spielt mit herkömmlichen Vorstellungen von Ordnung und von Informationstransfer, er hinterfragt die bequeme Gewohnheit Angaben in vorgefertigter Form zu konsumieren und macht von einer aktiven Benützung von kulturellen Artefakten Gebrauch, die Michel Foucault zufolge "..... als Archiv nicht die Totalität der Texte (bezeichnet), die für eine Zivilisation aufbewahrt wurden, noch ihre Gesamtheit der Spuren, die man nach ihrem Untergang retten konnte, sondern das Spiel der Regeln, die in einer Kultur das Auftreten und das Verschwinden von Aussagen, ihr kurzes Überdauern und ihre Auslöschung, ihre paradoxe Existenz als Ereignis und als Dinge bestimmen."

In seiner Ausstellung "An vielmehr nahe muß wirklich" im roomnumberOne bei Mario Mauroner Contemporary Art Vienna konzentriert sich Höller ganz auf das Analysieren von Systemen, genauer Sprachsystemen. Die Arbeit "Isaak Asimov - The Jokester" war Höllers erste Arbeit, die sich mit Sprache beschäftigt, Höller zerlegt hier den gesamten Inhalt des Buches und ordnet ihn alphabetisch neu. In seiner Arbeit "Maurice Halbwachs - Das Gedächtnis und seine sozialen Bindungen" geht Höller einen Schritt weiter. Er filtert die vorhandenen Informationen, den Inhalt, die einzelnen Wörter des Buches und übersetzt, vielmehr transformiert diese in eine skulpturale Anordnung, die dem eigentlichen Inhalt nicht nur als Interpretation, sondern auch als Neudefinition gegenüber steht. Maurice Halbwachs' Überlegungen gehen von einem vom sozialen Umfeld eines jeden Menschen übertragenen Geschichtsbild aus. Dieses Geschichtsbild wird von Höller in einen geschlossenen Kreislauf übersetzt, in einen in sich geschlossenen Darm, der sich selbst verdaut und wieder ausspuckt. In seiner neuesten Werkserie "Eine Woche Kurier" nimmt der Künstler Bezug auf den gesellschaftlichen Medienkonsum. Er beschäftigt sich mit der Frage auseinander wie lange Informationen ihre Aktualität und somit auch ihre momentane Wahrheit behalten. Die Schnelllebigkeit einer Tageszeitung, in der Informationen ständig verändert, revidiert, wiederholt, überarbeitet und ergänzt werden, wird von Höller in ein zeitliches Übereinander und Nebeneinander transformiert.
Höller setzt sich hier mit der Flut und dem Kreislauf von vorgefertigten, von den Medien aufbereiteten, Informationen auseinander und hinterfragt ihre Wertigkeit und Präsenz im alltäglichen Leben.

Für seine Präsentation im roomnumberOne hat Höller zudem ein Künstlerbuch geschaffen mit dem Titel "An vielmehr nahe muss wirklich". Grundlage dieser Arbeit ist Höllers vergangene und bisher monumentalste Arbeit, der "Wittgensteingenerator". Nach der Zerlegung und Neuordnung Wittgensteins Tractatus, hat Höller die Textbausteine auf einer Maschine angeordnet, die ihm nun als Wortschatzspielwiese dient um neue Werkkreationen zu schaffen. So hat Höller ein Künstlerbuch kreiert, das einen eigenständigen, neuen Text aufweist, dessen Entstehungsgrundlage der Wittgensteingenerator ist. Das Buch ist, so Höller, ein Roman, ein Roman der Sprache reflektiert und ihr neuen Sinn verleiht. Der Inhalt des Buches wäre selbst kaum zu erdenken, die phantastisch absurden Sätze sind rein aus dem vielfältigen Wortschatz des Tractatus entstanden. Höller versucht aus vorgefundenem Material etwas Neues zu schaffen und hinterfragt, in wie fern Sprache auch ohne vordergründigen Sinn sinnhaft sein kann. Oder vielmehr in wie fern absurd anmutende Sätze, oder eben ein ganzer Roman, neuen Sinn, neue Gedanken und neue Denkmuster kreieren kann.

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