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Einzelausstellung: Josef Imhof - Festlichkeiten - Neue Arbeiten (vorbei)

8 Dezember 2002 bis 18 Januar 2003
  Josef Imhof - Festlichkeiten - Neue Arbeiten
 
www.bege-galerien.de/sites Fischerplatz Galerie | BEGE Galerien

Fischerplatz Galerie
Fischergasse 21
89073 Ulm
Deutschland (Stadtplan)

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Josef Imhof verzaubert unsere Räume mit extra zu dieser Ausstellung neu gestalteten Kerzenständern und Lichtobjekten.

Noch heute, 7 Jahre nach Seppi lmhof´s Ausstellung "Wenn Licht Kunst wird" werden wir immer wieder auf den für viele von ihnen unvergeßlichen, faszinierenden 1. Dezember 1995 angesprochen.

.... für Sie, sofern Sie gestern Abend nicht bei uns anwesend sein konnten !

Verehrter Herr Konsul Mueller, sehr geehrte Damen und Herren,

geehrte Frau und Herr Geserick, lieber Josef Imhof, lieber Seppi

vor ein paar Jahren trafen wir Josef Imhof vor seinem Atelier, das sich unter dem Dach einer riesigen Fabrikhalle auf dem Gelände der ehemaligen von Roll Eisenwerke in Klus im Jura befindet. Er führte uns durch ein Labyrinth von Hallen und Gängen. Ein Geruch von Eisen und Maschinenöl hing noch in der Luft. Künstler arbeiteten jetzt hier, wo früher Schienen und Räder gegossen wurden und riesige Maschinen entstanden sind. In Seppis Atelier angekommen, waren wir überrascht und fast überwältigt von der Anzahl und vor allem der Vielfalt von Lichtplastiken, die der Künstler hier aufbewahrt. Eigentlich dachten wir, das Schaffen des Künstlers doch einigermaßen gut zu kennen! Auch hatten wir gerade vor ein paar Monaten noch die Ausstellung hier in der Fischerplatz Galerie in Ulm gesehen und schon da viel Neues entdeckt.
Wir waren wie Kinder vor dem Weihnachtsbaum, und freuten uns ganz besonders, weil wir ja eines seiner Werke für uns auswählen wollten.

In diesem riesigen Dachgeschoss erspähten wir filigrane, fast fragil anmutende Skulpturen aus gebogenen Eisenstäben, und darauf angesprochen, erklärte uns der Künstler schelmisch und in seinem ihm ganz eigenen Humor, das seien die Spagetti-Eisen-Plastiken, so genannt, weil sie aus den relativ leicht formbaren dünneren Eisenstäben geschafft seien. Daneben standen gewichtigere Skulpturen, aus verschiedenen großen Fundstücken zusammengeschweißt. Aber auch darunter gab es mal verspielte, mal ganz streng geometrische Stücke.
Was da durch die Hand und die Phantasie des Künstlers an Fundstücken zusammengefügt wird und ein neues Gebilde, eine Skulptur ergibt, ist von überraschender Originalität. Es sind stehende, liegende und hängende Plastiken von verschiedenen Größen, Reliefs wie dreidimensionale Skulpturen. Aber ihnen gemeinsam ist, dass sie Licht spenden und aussenden. Und auch da gibt es eine Variation, zwischen den mit weißen oder bunten elektrischen Lampen versehenen Skulpturen und denen mit Kerzen. Und aus diesem Fundus sollten wir ein Werk auswählen - das schien uns eine fast unmögliche Aufgabe.

Und so geht es Ihnen sicher ähnlich, liebe Gäste, wenn Sie heute vor Josef Imhofs Skulpturen stehen und eine Wahl treffen möchten! Wir entschlossen uns damals für eine fast anthropomorphe, stehende Assemblage, die mit einem angekohlten Buch und einer Kerze ausstaffiert ist. Seither leben wir mit diesem Werk in einem angehenden Dialog, wir haben sein Rätsel auch noch nicht gelöst! Nachts, wenn wir die Kerze anzünden und sich der Schatten der Skulptur gegen die Wand wirft, steht ihr Doppelgänger auf. Denn das ist so mit den Lichtplastiken des Künstlers, sie verändern sich, wenn man die Kerze oder den Lichtschalter anzündet. Das Immaterielle des Lichts verzaubert das Schwere, es entstehen Schattengebilde, Eisen und Schrott werden in ephemere Gestalten verwandelt und die Werke erhalten noch eine andere Dimension.

Diese ungewöhnliche Kombination von Eisenschrott und Kerze oder Eisen mit Elektrolampen ist ungemein stimmig. Sie wurde durch den weltberühmten Schrottmaschinenplastiker Jean Tinguely bekannt. Als gewandter assembleur schuf Tinguely neben seinen bekannten kinetischen Skulpturen auch Gegenstände für den häuslichen Gebrauch, wie Pflanzenständer, Tischbeine, Stühle, Lampen und Kerzenständer aller Art. In der letzten Hälfte der achtziger Jahren war Tinguely der erste Künstler gewesen, der in der Klus in einer der riesigen Hallen der von Roll, die schon damals leer standen, mit Josef Imhof an seinen monumentalen fünfzehn Meter langen und 4 Meter hohen Maschinenskulpturen arbeitete. Josef Imhof war sein langjähriger und treuer Assistent. Imhof hatte für sich und Tinguely eine kleine Bar eingerichtet, der als einziger Ort heizbar war. Dort hatte Seppi, wie Tinguely ihn liebevoll nannte, auch ein Atelier für die kleineren Arbeiten eingerichtet. Und dort entstanden ebenfalls Josef Imhofs erste eigenen Lichtskulpturen. Mit dem Einverständnis von Jean Tinguely.

In der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts kennt man einen ähnlichen Fall, und zwar zwischen Julio Gonzalez und Pablo Picasso. Es war 1928, Picasso brauchte technische Hilfe eines geübten Schlossers, um einige seiner Einfälle zu realisieren und wandte sich an seinen Katalanischen Landsmann Gonzalez. Picasso sagte von ihm, dass er Metall bearbeiten könne als wäre es ein Klumpen Butter. Nachdem sich Picasso schon längst anderen Skulpturmethoden zugewandt hatte, ging Gonzalez zu Picasso und bat ihn um Erlaubnis, selber aus Fundstücken und Eisen Metallskulpturen zu gestalten in der von Picasso erfundenen Art.
Picasso war einverstanden. Gonzalez' Oeuvre basiert auf einem Einfall von Picasso, ist aber unmissverständlich sein eigenes Werk, das von seinem eigenen Stil geprägt ist. Ähnlich verhält es sich zwischen Tinguely und Imhof.

Als Tinguely Anfang der 70er Jahre begann, seinen Traum einer riesigen, begehbaren Skulptur im Wald von Fontainebleau zu realisieren, den sogenannten "Kopf im Wald" oder "Cyclop", brauchte er einen geschulten Schlosser. Das Inserat in einer Schweizer Zeitung lautete ungefähr: "Jean Tinguely sucht für 6 Monate in Frankreich einen Schlosser, der schwindelfrei ist, der Auto fahren und gut Kartenspielen kann". Josef Imhof meldete sich und wurde prompt von Tinguely aus den vielen Anwärtern ausgewählt. Und so begann eine symbiotische Arbeitsgemeinschaft, die in der Kunstgeschichte wohl einzigartig ist. Denn aus den 6 Monaten wurden 20 Jahre. Bis zu Tinguelys Tod 1991 war Josef Imhof sein Assistent, nein, er ist sein Adlatus, der wie kein anderer das Werk Tinguelys kennt und mit einzigartigem handwerklichem Können und Einfühlvermögen dessen Visionen und Erfindungen in die Realität umzusetzen vermag. Heute ist er es, der Tinguelys Maschinenskulpturen in Gang hält und, wenn notwendig, repariert. Neben seiner regelmäßigen Tätigkeit am Tinguely Museum in Basel als Restaurator betreibt Josef Imhof mit Hilfe seines Bruders Rolf auch eine sehr originelle, kleine Galerie im Erdgeschoss des Elternhauses in Solothurn, die "Freitagsgalerie", so benannt weil sie nur am Freitag offen ist. An längere Öffnungszeiten war während seiner Zusammenarbeit mit Tinguely nicht zu denken. Noch heute ist Josef Imhof viel unterwegs, er hilft weiterhin beim Aufbau und Abbau von Tinguely- Ausstellungen, wie etwa kürzlich bei der in der Kunsthalle in Mannheim, und ist als Restaurator weltweit begehrt. Doch zum Glück findet der Künstler Imhof dann doch immer wieder Zeit für seine eigene Kunst.

Josef Imhof hat auf dem Gebiet der Lichtplastiken seinen ganz eigenen Stil gefunden. Seine erste öffentliche "Lichtaktion" kurz nach dem Tod von Jean Tinguely hat er ihm gewidmet. Sie fand während der Einweihungsfeier des "Luminators" im Basler Bahnhof statt. Danach organisierte Josef mit Hilfe seines Bruders Rolf weitere Lichterfeste, wie das im der ehemaligen Künstlerkolonie des Schlosses Ueberstorf 1994 oder das vor drei Jahren im ehemaligen Von Roll- Gelände in der Klus. In Ueberstorf waren die Skulpturen im Park installiert. Es hatte geschneit und der Schnee lagerte wie Watte auf den Plastiken und verwandelte sie. Es muss ein unvergessliches, zauberhaftes Spektakel gewesen sein in der Nacht, wenn die Kerzen angezündet wurden und die Lichtflammen im Weiss des Schnees dem Dunkel trotzten. Diese dem Licht gewidmeten Feste finden immer Anfang Dezember statt und nehmen eine alte Tradition auf. Der 13. Dezember ist der Tag, der vor der Einführung des gregorianischen Kalenders als kürzester Tag galt. An diesem Tag wird heute noch in gewissen Gegenden das Santa Lucia Fest gefeiert, d.h., die Winterzeit beginnt und in diesem Sinne hat die Lucianacht die Bedeutung eines Neujahrabends. In Schweden z.B.verkörpert die Lussibrud, die Luciabraut mit ihrer Lichterkrone das Tageslicht.

Mit Licht verbinden wir sein Gegenteil, die Dunkelheit. Das Licht negiert die Finsternis. Im Christentum spricht man von Christus als Licht der Welt. Die symbolhafte Bedeutung der Kerze steht im Zusammenhang mit der Flamme. In allen Traditionen ist die Flamme Symbol von Reinigung und Erleuchtung. Novalis meinte, dass in der Flamme der Kerze alle Kräfte der Natur aktiv seien. Das Wachs, der Docht, das Feuer, die Luft - sie alle vereinen sich in der brennenden, sich bewegenden, farbigen Flamme und sind selber eine Synthese aller Elemente. Weiter stellt die Flamme der brennenden Kerze das Einzelne, Alleinige dar. Wie Gaston Bachelard sagte, die Flamme ist abgesondert, für sich, allein. Sie steht für alles Aufsteigende, Vertikale. Der leichteste Wind stört sie, doch sie richtet sich immer wieder auf. Es lebt eine aufstrebende Kraft in ihr.
Nicht von ungefähr kommt es, dass die Kerze und das Kerzenlicht ein regelmäßiger Begleiter in unserem Lebenslauf ist, vor allem in den archetypischen Lebenssituationen wie bei der Taufe, der Konfirmation oder Firmung, der Trauung und beim Tod, wo sie das aufsteigende Licht der Seele symbolisieren. Und als Symbol des fortschreitenden Lebens begleitet uns das Kerzenlicht an unseren Geburtstagen: So viele Jahre, so viele Kerzen die auf unserem Geburtstagskuchen brennen.

Josef Imhof widmet seine Kunst dem Licht, der Flamme. Seine Objekte sind Träger von Kerzen und erheben sie ins Künstlerisch-Poetische.
Umgekehrt steigert und veredelt das Kerzenlicht die Metallskulpturen - zunächst eine scheinbare Antithese, dann aber eine perfekte Symbiose.

Bernd und Felicitas Geserick sind beharrlich genug und haben den Künstler wieder einmal zu einer Ausstellung seiner Lichtskulpturen angeregt. Dazu beglückwünschen wir den Künstler und die Galeristen.
Am 8.12.2002, 17 Uhr, in der Fischerplatz Galerie

Dr. Heidi Violand

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