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Einzelausstellung: Julian Faulhaber - Konstruktionen – LDPE III (vorbei)

3 September 2010 bis 30 Oktober 2010
  Julian Faulhaber -  Konstruktionen – LDPE III
Studio, 2009, c-print on aluminium behind matt Plexiglas, approx 115 x 170 cm:
 
www.lagalerie.de L.A. Galerie – Lothar Albrecht

L.A. Galerie – Lothar Albrecht
Domstraße 6
60311 Frankfurt/Main
Deutschland (Stadtplan)

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tel +49-(0)69-28 86 87
www.lagalerie.de



Julian Faulhaber
„Konstruktionen -LDPE III.

3 September bis 30. Oktober

Eröffnung der Ausstellung am Freitag, den 3. September um 19. Uhr ein.

Der Künstler ist anwesend.


Anläßlich des Saisonstarts der Frankfurter Galerien ist die Ausstellung am Samstag und Sonntag, den 4. und 5.
September von 11 bis 18 Uhr geöffnet.



Schreibunterlagen sein können, tritt in den Hintergrund. Auf Seit nunmehr fünf Jahren arbeitet Julian Faulhaber an der Serie Faulhabers Bildern kommen die Räume auf eine Art zu sich selbst, LDPE. Das Prinzip dieser Serie großformatiger Colorprints unter denn so wie er wird niemand sie mehr sehen; binnen Kurzem Plexiglas, die architektonische Situationen, Räume und Objekte werden sie befahren, begangen, benutzt, durch Alltagsgegenstände dokumentiert, liegt in der Auswahl. Farben, Formen und besetzt sein. Faulhaber bannt ein unwirkliches Moment der Oberflächen müssen eine bestimmte Ästhetik besitzen, damit ein Wirklichkeit ins Bild. neues Bild entstehen kann. Denn ungeachtet der absolut künstlichen Ausstrahlung existiert jeder Raum, den Julian Faulhaber fotografiert inklusive der vor Ort vorgefundenen Der Vergleich mit fotografierten Modellen wurde im Hinblick auf Beleuchtung -, in Wirklichkeit. Es fehlt allerdings die Beschriftung, wie Logos und Wegeführung, und das mag einer der Gründe sein, warum die Bilder so enigmatisch, zuweilen beinahe unheimlich erscheinen.

Julian Faulhaber fotografiert einen Raum in dem Moment, in dem er fertig gestellt ist, aber noch nie benutzt wurde. Es ist ein äußerst flüchtiger Moment, denn schließlich sind die Architekturen für einen bestimmten Zweck gebaut, auch wenn sie auf Faulhabers Bildern so erscheinen, als wäre jeder Kratzer, jedes Staubkorn, jede Spur, die ein Benutzer unvermeidlich hinterlässt, jede Verletzung der Makellosigkeit dieser glänzenden Oberflächen, eine Entweihung. Nicht der Zweck, der oft rätselhaft bleibt, sondern Farben, Oberflächen, geometrische Anordnungen, kurz abstrakte Aspekte sind es, die für das Bild von Interesse sind. Dass eine Reihe silberner rechter Winkel mit einer aparten schwarzen Ecke auch Schreibtischlampen, eine Serie karmesinroter Rechtecke auch Schreibunterlagen sein können, tritt in den Hintergrund. Auf Faulhabers Bildern kommen die Räume auf eine Art zu sich selbst, denn so wie er wird niemand sie mehr sehen; binnen Kurzem werden sie befahren, begangen, benutzt, durch Alltagsgegenstände besetzt sein. Faulhaber bannt ein unwirkliches Moment der Wirklichkeit ins Bild.

Der Vergleich mit fotografierten Modellen wurde im Hinblick auf Faulhabers Bilder oft gezogen. Das liegt sicherlich an der Reduziertheit und der Tendenz zur Abstraktion der Räume und Objekte auf seinen Bildern (die er durch Ausschnitt und Komposition besonders hervorhebt). Der Vergleich lenkt den Blick aber auf eine Eigenschaft und möglicherweise ein Problem dieser neuen Architekturen, also der Bildgegenstände: Dass sie weniger im Hinblick auf einen bestimmen Kontext geplant und gestaltet sind, sondern dass vielmehr die mediale Vermittlung – also vorher durch ein Modell und später durch die Fotografie – sie legitimiert, und dass beides kaum von dem Gebauten zu trennen ist.

Faulhabers Bildern zeigen, wie wirkungsvoll sich Details isolieren lassen und wie spektakulär sphärische, geometrisch abstrakte Formen wirken. Dimensionen werden beliebig – nichts leichter als virtuell etwas aufzublasen oder zu verkleinern. Entsprechend ist es oft schwierig, sich die Maße der Räume und Gegenstände in Faulhabers Bildern vorzustellen. Man schwankt stets zwischen Modelleisenbahn und galaktischen Phantasiearchitekturen. Die Materialien wirken ebenso abstrakt: Auch das Haptische dieser Räume wird optisch vermittelt. So wohnt ihnen ein Versprechen inne, auf Alterslosigkeit, Glätte, Widerstandslosigkeit. Das Altern (also die Veränderung durch die Benutzung) wird in diesen Räumen für das Jetzt bedeutungslos, ebenso wie die Frage nach der Zukunft einmal verbrauchter Räume. Sie können nur aufgegeben und durch neue ersetzt werden.

Faulhaber wählte 2006 den Titel LDPE, die Abkürzung für Low Density- Polyethylen, als Titel für seine Serie. LDPE bezeichnet einen Kunststoff, der insbesondere für Folien, z. B. Plastiktüten, aber auch in vielen anderen Bereichen Verwendung findet. Ein Problem dieses Kunststoffs, dem in letzter Zeit einige Aufmerksamkeit geschenkt wurde, ist, daß er durch seine hohe Beständigkeit gegen Säuren, Laugen und Chemikalien sehr langlebig und nicht natürlich abbaubar ist. Durch Sonneneinstrahlung kann PE verspröden und zerfällt dann in immer kleinere Teile, wird jedoch nicht von Bakterien, Tieren oder Pflanzen in den natürlichen Kreislauf integriert. Verpackungen aus PE überdauern die verpackten Produkte, wie Lebensmittel, um Jahrhunderte.

Faulhabers Bilder können – wenn man das sehen will – zweierlei deutlich machen: Eine bestimmte Ästhetik, die absolut dem Jetzt verpflichtet ist und sich durch Reduktion, Künstlichkeit und Oberflächenwirkung auszeichnet und unsere Umwelt zunehmend prägt. Zugleich verweisen sie auf eine bestimmte Art der Wahrnehmung, die stark vom digitalisierten Bild dominiert wird. Faulhaber dokumentiert eine Anpassung der Wirklichkeit an die Vereinfachung, die die Digitalisierung ja letztlich bedeutet. Alles Überflüssige kann herausgerechnet, alles Zufällige eliminiert werden, jeder Fleck verschwindet, dank Photoshop. Als Bilder, als abstrakte Kompositionen, wirken die dokumentierten Architekturen und Objekte ästhetisch ansprechend. Stellt man sich aber vor, darin herumzulaufen – eine Vorstellung, die seit der Renaissance jedes Bild einer Landschaft oder eines Raums dem Betrachter suggeriert – dann stellen sich doch Bedenken ein, man könnte sich verwandeln in einen Protagonisten eines Computerspiels. Und dann ist die entscheidenden Frage: Wer spielt?

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