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Einzelausstellung: Katharina Grosse - The Greedy I (vorbei)

27 August 2009 bis 17 Oktober 2009
  Katharina Grosse - The Greedy I
Katharina Grosse, "room 2b"
 
  Galerie Mark Müller

Galerie Mark Müller
Hafnerstrasse 44
8005 Zürich
Schweiz (Stadtplan)

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tel +41 (0)44 - 211 81 55
www.markmueller.ch


Katharina Grosse, „The Greedy I"

Museen, Galerien, Schlösser, Aussenwände, Plakatflächen und das eigene Schlafzimmer dienten Katharina Grosse als Schauplätze ihrer installativen Malerei. Mit Acrylfarbe, Sprühpistole, Erde und Objekten trat sie immer wieder aufs Neue den Architekturen der jeweiligen Ausstellungsorte entgegen, mit dem Ziel, sie ihrer ephemeren Malerei einzuverleiben und neue Wahrnehmungsräume zu generieren.

Ähnliches passiert auch in der Ausstellung in der Galerie Mark Müller, wo die Künstlerin hingegen seit langer Zeit wieder einmal ausschliesslich Werke auf Leinwand mittleren Formats zeigt. Es sind Zeugnisse ihrer Studio-Arbeit, die als Interpretation und Reflektion ihrer Raumarbeiten ebenso integraler Bestandteil ihrer Praxis ist. Als Extrakte einer schöpferischen Dynamik, die unlinear und expansiv funktioniert, stellen die Arbeiten gewissermassen eine momentane Bestandesaufnahme der Atelierarbeit dar. Eine erst kürzlich generierte Bildform ist hier die Technik des grossflächigen Aussparens, wie sie in den Arbeiten im ersten Raum zu sehen ist. Es wird hier gänzlich gebrochen mit den formalen Vorgaben der Leinwand, die wagen Ränder der Farbregionen verleihen den Arbeiten beinahe objekthafte Plastizität, der Bildraum wird aufgebrochen - unmöglich zu sagen, wo genau das Bild anfängt, wo es endet, wohin es geht. Der unsichtbare Bildraum als wichtiges Element der Raumarbeiten wird hier in einer nie da gewesenen Konsequenz im Bild selbst expliziert.

Die Arbeiten mit Erde hingegen sind diffundierende Wesen. Farbtöne und Bewegung werden von einem Bild ins andere übertragen, flächig-krustige Schollen von Erdresten ziehen über mehrere Arbeiten hinweg. Vor dem einzelnen Werk ist man mit Gesten konfrontiert, die wie aus dem Nichts in das Bild ein- und wieder austreten und so zwischen den Bildern den dynamischen Prozess einer scheinbar einzigen, endlosen Bewegung entstehen lassen.

Im Atelier entstehen die Arbeiten meist gleichzeitig. Ordnungs- und Zeiteinheiten in Form unterschiedlicher Arbeitsschritte können wiederholt und somit komprimiert werden; die Resultate bleiben jedoch ortunabhängig. Katharina Grosses expansive, ja anarchische Malerei wird hier gewissermassen auf den Prüfstand hinsichtlich der Anforderungen und Bedingungen der Gattung gestellt und weiterentwickelt. Die Vorgehensweise folgt keinen vordefinierten Prämissen, hingegen formulieren sich dieselben im Prozess des Malens selbst immer wieder von neuem aus und um. Dabei ist das bewusste Erfahren und Handeln in der unmittelbaren Gegenwart essentiell und sinnstiftend. In logischer Konsequenz fehlt den einzelnen Elementen in den Arbeiten jeglicher Verweischarakter im Sinne einer Abstraktion; Gesten, Farben und Bewegungen sind keine Stellvertreter, höchstens Auslöser und dienlich als Wegweiser zu offenen Zielen. Es geht Katharina Grosse um Fragen des Seins, um Form und Formlosigkeit, um Sichtbares und Unsichtbares. In einer von Formalismen geprägten Welt denkt Katharina Grosse malend über solche Fragen nach und macht in ihren Arbeiten Vorschläge, wie Wahrnehmung sein kann, wenn man über die Konsequenzen von Inhalt und Form hinausgeht.

Hier kommt die Malerei von Colin McCahon ins Spiel, die nicht gross aber unwahrscheinlich präsent im hinteren Raum von der Wand prangt. „Neccessary Protection: INRI" heisst die Arbeit von 1972. Dem ocker-grauen Grund voller Bewegung ist in schwarzen Lettern das INRI, die Initialen von "Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum" eingeschrieben. Die Lebendigkeit der Zeichen lässt schnell erahnen, dass es um mehr gehen muss, als ausschliesslich Jesus Tod am Kreuz zu mahnen.

Colin McCahon (1919 Timaru (NZ)-1987 Auckland (NZ)) ist unumstritten einer der bedeutendsten neuseeländischen Künstler des letzten Jahrhunderts und als solcher nach wie vor äusserst wichtig für das dortige Kunstgeschehen. In der geografischen Isolation Neuseelands entwickelte McCahon wohl im Wissen um die westeuropäische Kunstgeschichte ein umfassendes Oeuvre von überraschender Konsequenz und stilistischer Vielfalt. Entgegen des modernistischen Kanons der 1950er Jahre widmete er sich religiösen und spirituellen Fragestellungen und setzte diese in seinen Werken um. Viele Arbeiten sind Landschaften oder Bilder, die Landschaften entnommen sind; einige wurden mit Wörtern und Sätzen häufig biblischen Ursprungs übermalt. McCahons Werke gehen jedoch über die reine Vermittlung des religiösen Inhalts des Geschriebenen weiter. Die Bedeutungen der Buchstaben, Wörter, Symbole und Zeichen verflüchtigen sich durch ihre malerische Einbettung in McCahons Landschaften, die seinem Lebensraum, der neuseeländischen Natur entnommen sind. (Auch bei „INRI" sind Angaben zur Örtlichkeit gemacht, auf die Bezug genommen wird) Es konstituiert sich daraus eine McCahon typische, eigentümlich obsessive Ikonographie, in der die Wörter und Naturdarstellungen sich einander einverleiben und zu Bildern im ursprünglichsten piktographischen Sinne werden. Voller Sinnlichkeit und Poetik begeben sich McCahons Werke auf die Suche nach dem Wesen unserer Existenz. Sie werfen Fragen nach dem Sein auf, die überraschend ähnlich jenen sind, die Katharina Grosse auch stellt.

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