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Einzelausstellung: Kirsten van den Bogaard - Beobachtungen (vorbei)

14 April 2012 bis 8 Juni 2012
  Kirsten van den Bogaard - Beobachtungen
Kirsten van den Bogaard, "beobachtung" 15:13:07h, 75 x 75 cm, acryl/dibond
2012
 
www.galerielake.de Galerie Lake

Galerie Lake
Herbartgang 17
26122 Oldenburg
Deutschland (Stadtplan)

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tel +49 (0)441 - 998 78 20
www.galerielake.de


Lieber Ralf, liebe Kirsten van den Bogaard, sehr geehrte Damen und Herren!

Gerne bin ich der Einladung gefolgt, in die Ausstellung mit Gemälden von Kirsten van den Bogaard einzuführen. Zusammengeführt sind Gemälde, die in den letzten zwei Jahren entstanden sind und die sinnliche sowie erlebnisreiche Einblicke in das Schaffen der Kölner Künstlerin vermitteln.

Beobachtungen bilden das Leitthema von Kirsten van den Bogaard, Beobachtungen von Menschen im städtischen Umfeld der Straßen und Plätze. Mit ihrem kreativen Blick hat die Künstlerin unspektakuläre Alltagsszenen fotografisch festgehalten, um dann die reiche Beute im heimischen Atelier zu sichten. Menschen, die stehen, sitzen, hasten oder bummeln, Menschen unterwegs, beim Einkaufen, Fotografieren oder Schauen. Menschen aus allen Generationen.
Entscheidendes Kriterium für die Auswahl der Motive zur malerischen Umsetzung ist ihre appellative Kraft. Kirsten van den Bogaard wählt die Motive aus, die die Phantasie des Betrachters aktivieren. Ihre Beobachtungen von Menschen im Alltag sollen uns anregen, Geschichten zu erfinden, zu erzählen und auszumalen. Das macht die Sache interessant und spannend.

Unterstützt wird dieser Appell an die schöpferische Einbildungskraft des Betrachters durch den bewussten Verzicht auf einen architektonischen oder landschaftlichen Umraum, sowie durch den häufigen Ausschnittcharakter der figürlichen Motive. Fehlendes gilt es in der Erfindungsgabe des Betrachters zu ergänzen, dessen Position vor dem Gemälde zudem durch das obligatorische Motiv der Rückenfigur zitiert wird. Und der Betrachter ist auch im Bilde durch die Spiegelungen seiner Umrisse auf dem Bildträger der hochglänzenden Aluminiumplatten.
Der Betrachter wird zum Beobachter.

Kirsten van den Bogaard malt Bilder nach Bildern und setzt sich damit mit dem Phänomen des Massenmediums der Fotografie künstlerisch auseinander, das mit der Erfindung der Digitalfotografie eine neue Qualität erreicht hat. Gemeinsam ist die Motivauswahl des Banalen und Alltäglichen, gemeinsam ist der Eindruck eines Schnappschusses sowie der Charakter des Zufälligen und Augenblickhaften. Und auch durch die Malweise in fotorealistische Manier wird die irritierende Nähe zu dem Massenmedium gesucht, wobei die Präzision der malerischen Umsetzung beeindruckt.
Körperlichkeit entsteht durch modellierende Farbverläufe, durch Lichtreflexe sowie durch das lebendige Spiel von Licht und Schatten. Eindrucksvoll ist auch die malerische Wiedergabe des Inkarnats sowie der Stofflichkeit der Haare und Kleidung, deren hoher Wahrscheinlichkeitsgrad ebenfalls an das Medium der Fotografie erinnert. Doch was auf dem ersten Blick wie ein Foto wirkt, lässt eine neue, eine eigene Bildrealität entstehen.

Denn im Unterschied zu den fotografischen Vorlagen scheinen die Figuren gleichsam auf dem schwarzen oder weißen Malgrund zu schweben, was durch den Kontrast der matt aufgetragenen Acrylfarbe mit dem glänzenden, sterilen und staubfreien Malgrund erzielt wird. Und im Widerspruch zur Momentaufnahme der Fotografie atmen die Gemälde eine Aura des Zeitlosen, die auf die Sekunden genaue Uhrzeit der Fotografie als Titel der Bilder künstlerisch antwortet.
So wird das Alltägliche und Banale in der Kunst von Kirsten van den Bogaard zu etwas Besonderem und Geheimnisvollen, womit ein scharfer Gegensatz zu der inflationären Verbreitung von Bildern im Medium der Fotografie gesetzt wird.

Geheimnisvoll strahlen die Gemälde der Künstlerin auch durch die Schatten der Figuren im unwirklichen Raum, durch spannungsvolle Kompositionen sowie durch den Klang der Farben, der zum ästhetischen Reiz der Gemälde beiträgt.
Die durch Licht, Schatten und Farben erzielte malerische Präsenz der Motive steht im aufregenden Kontrast zu der distanzierten Malweise der Künstlerin, die keine emotionale Beteiligung und subjektive Befindlichkeit ausdrückt.
Kirsten van den Bogaard malt nicht, was sie fühlt, sondern was sie gesehen hat.
Und spannungsvoll ist auch der nähere Blick auf ihre Protagonisten:
Konsequent verzichtet Kirsten van den Bogaard sowohl auf eine Psychologisierung der figürlichen Motive als auch auf die Darstellung ihrer physiognomischen Individualität. Denn Gesichter sind bei diesen Rückenfiguren nicht zu erkennen.
Die gesehenen und fotografierten Individuen werden in ihrer malerischen Interpretation zu Typen.

So erweist sich das künstlerische Werk von Kirsten van den Bogaard zu einem gemalten Spiegelbild der Gesellschaft, in dem sich auch der Betrachter spiegeln kann. Ausgestellt wird in der Galerie Lake eine malerische Position, die in ihrer ästhetischen Kraft, ihrer artistischen Umsetzung sowie in ihrer Aura des Geheimnisvollen und Deutbaren fasziniert.

Und wenn Sie noch mehr Gemälde dieser Künstlerin erleben und erkunden wollen -
herzliche Einladung nach Cloppenburg, wo am Sonntag um 11.30 Uhr die Parallelausstellung des Kunstkreises in der Kunsthalle eröffnet wird.

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