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Einzelausstellung: Klaus-Martin Treder - Orientierungsverlust und Ästhetik (vorbei)

11 März 2011 bis 20 April 2011
  Klaus-Martin Treder - Orientierungsverlust und Ästhetik
Klaus-Martin Treder
 
  Galerie Jette Rudolph

Galerie Jette Rudolph
Strausberger Platz 4
10243 Berlin
Deutschland (Stadtplan)

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tel +49 (0)30 - 613 03 887
www.jette-rudolph.de


"(…) ‚Kannst Du nicht mal eine Sekunde still stehen?'. (…) Natürlich gab es keinen Grund, warum er so herumlief. Aber es gab auch keinen stehenzubleiben; wenn die anderen allerdings so sehr darum baten, stehenzubleiben, wollte ers gern tun. (…). Er hatte keinen eigenen Willen mehr. Die Bremsen waren kaputt. (…)".
(Georges Hyvernaud, Haut und Knochen, Berlin, 2010, S.61 f.)

Klaus- Martin Treders "Orientierungsverlust und Ästhetik" macht in Berlin den Auftakt für eine Ausstellungsreihe des Künstlers in diesem Jahr; in der Galerie Jette Rudolph ist es seine dritte Soloshow.

Konfrontativ geben sich die neuen Werke Treders- sowohl in ihrer unverstellten Funktionalisierung der malerischen und plastischen Mittel als auch ihrem raumgreifenden Gestus wie deren Begleitung durch die begrifflich gefasste Affiche.
"Treder kombiniert und vermischt Stile und Techniken auf eine Weise, die in der klassischen Abstraktion undenkbar gewesen wären. Hier sollte der Betrachter unmittelbar nachvollziehen können, was er sah: entweder die objektiven Gesetzmäßigkeiten eines formalen Systems, wie in der konkreten Kunst oder der Minimal Art. Oder den spontanen gestischen Ausdruck, indem sich der Seelenzustand des Malers vermeintlich unmittelbar ausdrückte.

Transparenz und Unmittelbarkeit sind Treder gleichermaßen fremd. Der Entstehungsvorgang seiner Bilder scheint zwar auf den ersten Blick visuell nachvollziehbar, aber erfolgt oft völlig anders, als der optische Eindruck suggeriert. Obwohl es sich von der Form her um Gemälde handelt, ist nichts in herkömmlicher Weise mit dem Pinsel gemalt. Die technischen Mittel werden quasi "verkehrt" oder "verfälscht" eingesetzt. Farbe bedeckt nicht nur den Bildgrund, sondern wird wie ein plastisches Objekt behandelt. Striche und Schraffuren sind nicht gezeichnet, sondern entstehen durch aufs Bild gestreute Haare, die von einem Malerpinsel stammen könnten, aber es handelt sich um die Abfallprodukte der täglichen Rasur. (…) Das betrachtende Auge wird in einen Doppelblick hineingeführt, der sich einerseits auf die formale Organisation, andererseits aufs gegenständlich Konkrete richtet. Dass die Bilder während des Herstellungsprozesses zunächst auf dem Boden liegen, dann aber an der Wand hängen, lässt sowohl an Jackson Pollocks Drippings als auch an Daniel Spoerris Tischplatten mit den festgeklebten Essensresten denken. Formal betrachtet rücken solche bewusst mit dem Zufall arbeitenden Materialassemblagen in die Nähe der Allover-Malerei und die unregelmäßigen Farb- und Formverteilungen des Informel, gegen deren Idealismus der bewusste Alltagsbezug und der direkte Einsatz physischer Gegenstände historisch einst aufgehoben worden war.

Künstler wie Klaus-Martin Treder betreiben auch eine Entideologisierung der Abstraktion, indem sie unterschiedliche künstlerische Vorgehensweisen, die sich einst radikal gegenüber standen, vielfältig miteinander vermischen und damit auch deutlich machen, dass es keine finalen Lösungen, sondern immer nur Setzungen innerhalb einer Vielzahl ähnlicher Möglichkeiten gibt. Dass die jeweils gewählte Lösung gleichwohl nicht kontingent ist, spüren wir Betrachter daran, dass wir Treders Bilder als Auseinandersetzung mit Konflikten und Widersprüchen erleben."
(Ludwig Seyfarth, in: Kunstforum Bd. 206, Januar- Februar 2011, "Neue Abstraktion", S. 194- 197).

For further information on the exhibition and works please contact the gallery.

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