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Gruppenausstellung: KRITISCHE GESELLSCHAFTEN (vorbei)

25 März 2005 bis 20 November 2005
  KRITISCHE GESELLSCHAFTEN
Eylem Aladogan, Spirit, Army of me, 2004/ 2005
Installationsansicht.
Glaswolle, Schaustoff, Aluminium, 330 x 1000 cm
 
  Badischer Kunstverein

Badischer Kunstverein
Waldstr. 3
76133 Karlsruhe
Deutschland (Stadtplan)

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tel +49-(0)721 - 28 226
www.badischer-kunstverein.de


KRITISCHE GESELLSCHAFTEN Kunst, Kritik und die Versprechen des Kapitalismus

I. QUELLEN DER EMPÖRUNG

Marlene McCarty, Heather and Patrick Burnett-Rose, Lukas Einsele, Florian Hecker, Martha Rosler, Allan Sekula, Jeroen de Rijke / Willem de Rooij, Eylem Aladogan, Annika Larsson, Runa Islam, Stephen Willats

Eröffnung: Donnerstag, 24.3.2005 um 19 Uhr

Empörung ist eine impulsive Emotion auf der Basis von Wertvorstellungen. Empörung wird ausgelöst, wenn Grenzen überschritten werden, Grenzen der subjektiven Integrität oder innerhalb des Moralkodex einer Gesellschaft. Empörende "Reality" ist heute medial und mit kurzfristigen Effekten rund um die Uhr abrufbar. Mehr noch: Empörung wird provoziert und produziert, um sie als Spektakel ins Bild zu überführen. Die Welt liegt den bilderzeugenden Apparaten zu Füssen. Der Kapitalismus generiert die visuellen Codes der öffentlichen Medien als eine "antinarrative Zentrifuge". Kann sich Empörung noch übertragen? Kann Kunst "Empörendes" vermitteln, indem sie besondere Bildwelten in einem besonderen Kontext präsentiert?

Vom 25. März bis 22. November dieses Jahres steht das Ausstellungsprogramm des Badischen Kunstvereins unter dem Titel "Kritische Gesellschaften". In einer Abfolge von vier Ausstellungskapiteln, die ohne Umbaupausen ineinander greifen, werden Arbeiten von mehr als 35 internationalen Künstlern vorgestellt, die zum Teil speziell für dieses Ausstellungsprojekt entwickelt und realisiert wurden. Bezugspunkt für alle Beiträge ist die Fragestellung, ob und wie aktuelle Kunstproduktion heute (noch) die Bewährungsproben für die Zukunft einer "kritischen" Gesellschaft ästhetisch begreift und reflektiert.

Die kapitalistische Gesellschaft, in der wir leben, ist im wesentlichen eine "kritische Gesellschaft": alle Akteure verfügen im Prinzip über Möglichkeiten zur kritischen Artikulation. Kritik sei einer der "wirkungsmächtigsten Motore des Kapitalismus" - so schreiben die Soziologen Luc Boltanski und Eve Chiapello in ihrem vieldiskutierten Buch "Der neue Geist des Kapitalismus" (Konstanz 2003, Paris 1999). Kritisches Engagement identifiziere und aktualisiere die grundlegendsten Prüfungssituationen einer Gesellschaft für ihre weitere Dynamik. Wenn Kritik ein Merkmal unserer gesellschaftlichen Organisation und Teilhabe ist, rechtfertigt das ein Engagement für den Kapitalismus?

Angelbegriffe einer Gesellschaftskritik im 20. Jahrhundert waren Forderungen nach Sicherheit und Gerechtigkeit. Kritik aus künstlerischer Perspektive behauptete demgegenüber Werte wie Autonomie und Authentizität. Bis in die 70er Jahre hinein verstand sich ­ auch die künstlerisch artikulierte ­ Gesellschaftskritik als eine, die Widersprüche identifizierte und Forderungen artikulierte. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts kann man nicht behaupten, dass die Welt sicherer oder gerechter geworden sei.

Was verspricht der Kapitalismus heute? Was motiviert Menschen zu einer kritischen Teilhabe am Gemeinwesen? Wie muss eine Lebensform beschaffen sein, damit eine große Anzahl von Akteuren sie als lohnenswert erachtet?

Kreativität, Flexibilität, Individualität, Mobilität sind die gefragten "Soft Skills" in einer deregulierten Arbeitswelt. Autonomie erscheint als Umschreibung instabiler Lebensentwürfe, Authentizität als Marketing-Strategie. Kann unter diesen Umständen eine sozial oder künstlerisch artikulierte Kritik heute noch ein emanzipatorisches Potential haben?

Die Ausstellungsreihe "Kritische Gesellschaften" orientiert sich an vier "Überschriften":

Quellen der Empörung
Grenzenlose Soziabilität
Ökonomien : Resistenzen
Ressourcen - Politics of Belief

In jedem dieser Kapitel werden einzelne Werke aus den 70er Jahren (Stichwort: "Künstlerkritik") aktuellen künstlerischen Produktionen gegenübergestellt.Die inhaltliche Korrespondenz der vier Kapitel erlaubt es, das Medium "Ausstellung" als ein temporäres und relatives Projekt zu praktizieren und sichtbar zu machen: Werke finden während ihrer Ausstellungsdauer verschiedene Nachbarschaften, es sind keine Schließungszeiten für den Umbau von Ausstellungsblöcken vorgesehen.Die Ausstellungssituationen werden kommentiert und begleitet von Vorträgen, Diskussionen und Filmprogrammen. Text- und Bildbeiträge aus den "Kritischen Gesellschaften" werden anschließend in einem Reader publiziert.

Zu den Eröffnungsveranstaltungen der vier Kapitel erhalten Sie jeweils eine gesonderte Einladung.

Das Ausstellungsprojekt "Kritische Gesellschaften" wird von der Kulturstiftung des Bundes gefördert.

Beteiligte Künstler:

Heather and Patrick Burnett, Lozere (FR)
Carey Young, London
Simon Wachsmuth, Berlin
Jens Haaning, Copenhagen / Berlin
Hans Haacke, New York
Hans-Peter Feldmann, Düsseldorf
Carol Bove, New York
Marlene McCarty, New York
Fikret Atay, Batman / Paris
Oliver Ressler, Wien
Eva Keil, Marseille
Aydan Murtezaoglu, Bülent Sangar, Istanbul
Runa Islam, London
Lukas Einsele, Darmstadt
Kai Schiemenz, Berlin
Allan Sekula, Los Angeles
Kirstine Roepstorff, Copenhagen / Berlin
Lutz Fezer, Skafte Kuhn, Michael Stumpf, Karlsruhe
Indra, Basel
Stephen Willats, London
Florian Hecker, Wien
Park Chan Kyong, Seoul
Annika Larsson, New York
Eylem Aladogan, Amsterdam
L.A. Raeven, Amsterdam
Stephen Craig, Hamburg / Karlsruhe
Martha Rosler, New York
Ross Sinclair, Glasgow
Jeroen de Rijke/ Willem de Rooij, Amsterdam
John Baldessari, Los Angeles
Isa Melsheimer, Berlin
Thomas Killper, Berlin
Anthony Howard, New York
Dierk Schmidt, Berlin Matthieu Laurette, Paris
(e.) Twin Gabriel

Begleitprogramm zur Ausstellung

Filme von Peter Watkins

Der britische Filmemacher Peter Watkins lebt seit 1966 - als sein Film 'War Game' von der BBC verbannt wurde - außerhalb Großbritanniens und außerhalb des kommerziellen Filmbetriebs. Er entwickelte ein Kino der 'dokumentarischen Rekonstruktion' und erweiterte diesen Ansatz in den letzten Jahren, indem er die Machtstrukturen innerhalb seines eigenen Filmschaffens thematisiert, Darsteller ihren eigenen O-Ton einbringen und Kritik zum integralen Bestandteil des Werks wird. Patrick Watkins (Peter Watkins Sohn) und Caroline Lensing-Hebben werden am Freitag und Samstag jeweils eine Einführung in die Filme geben.

Freitag, 8. April um 19 Uhr

Punishment Park 1970, 88'
Regie: Peter Watkins. Engl. OV m. deutschen Untertiteln.

Mit Mark Keats, Kent Foreman, Carmen Argenziano. Der Film spielt in den USA zur Zeit des Vietnamkriegs. Die Nixon Regierung richtet Lager ein, um die Proteste von Pazifisten, Studenten, schwarzen Militanten zu unterdrücken. Ein Vertrag von 1950 gestattet es, lange Gefängnisstrafen im Austausch gegen einen dreitägigen Aufenthalt in einem sogenannten Punishment Park zu erlassen. Dort allerdings müssen die Gefangenen 53 Meilen zu Fuß, ohne Wasser und Nahrung, durch die kalifornische Wüste zurücklegen, während sie von bewaffneten Nationalgardisten verfolgt werden, die autorisiert sind, sie einfach zu erschießen, sobald sie ihrer ansichtig werden. Der Film wurde zur Gänze vor Ort improvisiert, die Darsteller waren alle Laien, die ihren tatsächlichen politischen Ansichten Ausdruck verliehen. Der Film wurde zensiert und vier Tage nach Kinostart wieder zurückgezogen.

Eintritt: 3-/1,5 Euro.



Samstag, 9. April um 19 Uhr

La Commune (de Paris, 1871)_1999, 345'
Regie: Peter Watkins. s/w. Video. Franz. OV mit deutschen Untertiteln.

Im März 1871 tobt der Bürgerkrieg in Paris. Ein Journalist von Versailles TV berichtet von den schrecklichen Ereignissen, von denen die Französische Republik erschüttert wird, während von den Aufständischen ein eigener Fernsehkanal eingerichtet wird. Über 220 Schauspieler, zumeist Laiendarsteller, verkörpern in einem leeren Pariser Theater die Arbeiter des Popincourt- Viertels aus dem 11. Arrondissement, und stellen in einer Wiederinszenierung der damaligen Ereignisse die sozialen und politischen Debatten nach, von denen die Pariser Kommunarden bewegt wurden. Trotz der authentischen Ausstattung drehen sich die Diskussionen oft um zeitgenössische Themen wie Arbeitslosigkeit oder Rassismus.

Eintritt: 3-/1,5 Euro.

Freitag, 15. April um 19 Uhr

Vortrag Michael Hirsch
KRITISCHE GESELLSCHAFTEN ZUR AMBIVALENZ VON KRITIK UND AFFIRMATION IN DER KULTUR DER GEGENWART

Michael Hirsch, 1966 in Karlsruhe geboren, lebt als freier Autor in München, Lehrbeauftragter an der Münchner Kunstakademie und Goethe-Universität Frankfurt, promoviert über Politische Ideengeschichte der Gegenwart.

Eintritt: 3-/1,5 Euro.

DONNERSTAG, 28. April um 20 Uhr

STEREO DIFFUSION Florian Hecker
Audio Präsentation

Florian Hecker, 1975 in Augsburg geboren und in Wien lebend, kombiniert aktuelle mit historischen Entwicklungen der Computer Musik, Hard- und Software. Seine jüngsten Produktionen verkörpern psycho-akustische Effekte, die die räumliche Wahrnehmung des Zuhörers desorientieren. Hecker kooperiert mit Software-Ingenieuren, Wissenschaftlern und Künstler-Kollegen wie Russell Haswell, Carsten Höller, Florian Pumhösl, Peter Rehberg, Marcus Schmickler, Yasunao Tone.

Veranstalter: Badischer Kunstverein in Kooperation mit dem ZKM.

Veranstaltungsort: ZKM MEDIENTHEATER

Eintritt: 3.-/5.- Euro.

Dienstag, 10.Mai um 19 Uhr

Vortrag Roger M. Buergel
Der Stand der Dinge

Roger M. Buergel, Ausstellungsmacher und Autor aus Wien, ist künstlerischer Leiter der documenta XII 2007. Er kuratierte 'Dinge, die wir nicht verstehen' (mit Ruth Noack, Generali Foundation Wien, 2000), 'Gouvernementalität. Kunst in Auseinandersetzung mit der internationalen Hyperbourgeoisie und dem nationalen Kleinbürgertum' (Alte Kestner Gesellschaft Hannover, 2000), 'The Subject and Power ­ the lyrical voice' (CHA Moskau, 2001). Derzeit läuft 'Die Regierung' (mit Ruth Noack, Kunstraum der Uni Lüneburg, MACBA-Museu d'Art Contemporani de Barcelona; Miami Art Central: Secession, Wien; Witte de With, Rotterdam, 2003­05). Für 'Texte zur Kunst' und 'springerin - hefte für gegenwartskunst' verfasste er regelmässig Beiträge.

Veranstalter: Badischer Kunstverein in Kooperation mit der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe.

Eintritt: 3/1,5 Euro.

Zuletzt erschienen

ROSS SINCLAIR If North was South ans East was West Hrsg. Badischer Kunstverein 2004, mit zahlreichen Abbildungen und Beiträgen (dt./engl.)von Charles Esche, Jan Verwoert und einem Interview mit Katrina M.Brown, 139 Farbabbildungen, 192 Seiten, EUR 35,-

ELKE WREE Hanna-Nagel-Preisträgerin 2004 Hrsg. Badischer Kunstverein in Zusammenarbeit mit dem Info Verlag Karlsruhe, mit Texten (dt.)von Dr. Ursula Merkel und Prof. Erika Rödiger-Diruf, 17 Farbabbildungen, 32 Seiten geheftet, EUR 6,-

SETAREH SHAHBAZI Oh, no, no... - The Crystal Series Hrsg. Badischer Kunstverein 2004, Katalo mit Texten von Simon Baier, 47 Farbabbildungen, 48 Seiten, ISBN 3-89309-107-6, EUR 12,-

JOELLE TUERLINCKX WILLEM OOREBEEK BILD, oder MIT DEM FUSS IN DER REALITÄT: ausstellungsmateriel #1 (j.t.w.o.) 380 Seiten, Text dt. / franz., in der Ausstellung 35 Euro, sonst 42 Euro.

SISTERS AND BROTHERS AND BIRDS Hrsg. Badischer Kunstverein 2004, Katalog mit Texten und Abbildungen von Nevin Aladag, Ümit Bilgi, Songül Boyraz, Banu Cennetoglu, Hatice Güleryüz, Fahrettin Örenli, Anny und Sibel Özturk, Asli Sungu, Evren Tekinoktay, Nasan Tur. Texte von Harald Fricke, Vasif Kortun, Reto Krüger, Andreas Spiegl, Angelika Stepken, Arief Sandjaya Wiranatakusumah, Katherina Zakravsky, 88 Seiten, ungebunden, dt./engl., EUR 15,-

MOEBIUS : WELTEN, 72 Seiten, Farbabbildungen, Hardcover, EUR 18,-

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