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Gruppenausstellung: Lost in Translation (vorbei)

24 April 2009 bis 30 Mai 2009
  Lost in Translation
 
  Galerie Michael Nolte

Galerie Michael Nolte
Hafenweg 15
48155 Münster
Deutschland (Stadtplan)

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tel +49 (0) 251 - 44809
www.galerie-nolte.de


» Lost in Translation «

Wie in dem preisgekrönten Film »Lost in Translation« wird die Kunst der beiden jungen Künstler QiWei Zhang und Jun Ho Cho von dem Phänomen der Losgelöstheit, dem schon-weg- aber noch-nicht-hier-Gefühl, durchweht. Durch die eingenommene Perspektive und die Sichtweise auf die Menschen und ihre Zivilisation führen uns die Künstler in ihre, auf uns fremdartig und rätselhaft wirkende Welt des Fernen Ostens. Trotz der Berührung mit westlichen Traditionen werden die Kulturen des »Reichs der Mitte« und Koreas spürbar und üben ihre ganze Faszination auf uns aus.

Beide Künstler konzentrieren sich stark auf die Darstellung des Menschen. Mit hohem malerischem Können rücken sie die Porträtierten ins Zentrum ihres Schaffens. Eindringlich und mit hoher Präsenz treten die abgebildeten Personen dem Betrachter gegenüber. Dabei suchen sie häufig den direkten Blickkontakt, indem sie frontal und direkt dem fiktiven Betrachter in die Augen schauen.

QiWei Zhang wurde 1979 in Shanghai (China) geboren und studiert seit seinem Umzug 2001 nach Deutschland an den Akademien in Bremen und Münster. Die aktuellen Fragen der Globalisierung und die damit verbundene Desorientierung und Identitätssuche fließen sehr subtil in die Porträts seiner Menschen ein. Diese sensiblen Seelenbildnisse gelingen ihm auch deshalb so gut, weil die Porträtierten bei dem Künstler Modell sitzen. So wird neben dem künstlerischen auch ein persönliches Interesse an dem dargestellten Menschen spürbar. Dies wird in einem Porträtzyklus von 2007 besonders deutlich. Im bildfüllendem Format erscheinen die Gesichter ehemaliger Studienkollegen; erst sind es die europäischen, später die chinesischen Freunde. Die nahezu fotorealistische Darstellung bekommt aber hier und da Risse und gibt Einblick in eine andere, tiefer liegende Ebene vom abgebildeten Freund.

In seiner neusten Serie mit dem Titel »Buntes Leben« zoomt der Künstler die Personen noch stärker heran. Die Augen sind geschlossen, als kehre der Porträtierte seinen Blick nach innen. Das Gesicht selbst ist in ein vielfarbiges Lichtspiel getaucht, das eine friedliche und stark poetische Wirkung erzeugt. Mit dieser Verbindung aus Abstraktion und Gegenständlichkeit entsteht eine Spannung, die zwischen dem malerisch-ornamentalen Farbexperiment und der Frage changiert, ob das Farbspiel ein Spiegel seelischer Zustände ist oder der farbige Widerschein der Neonreklamen der großen Metropolen unserer kosmopoliten Welt.

Der 1975 in Pusan (Korea) geborene Jun Ho Cho studiert seit 2004 an der hiesigen Kunstakademie. Der Künstler wählt einen größeren Abstand zum Abgebildeten. Seine Porträtierten sind häufig in der Gesamtansicht oder zumindest als Halbfigur ausgeführt. Dabei erscheinen sie auf einem diffusen Hintergrund, der aus hellen, transparenten Farben besteht. Durch Aufhellungen in Weiß entsteht ein duftiger malerischer Eindruck. Hinzu kommt oft eine verschwommene Maltechnik, die wie mit einem Weichzeichner ausgeführt ist, wodurch eine gewisse Unschärfe erzeugt wird. Der Dargestellte präsentiert sich in Posen, die er für den Künstler einnimmt. Es handelt sich nicht um eine zufällig eingenommene Position, sondern um eine bewusst gewählte, inszenierte Haltung. Die Gesichter starren einen meist mit aufgerissenen Augen an: mal verwundert, überrascht, mal verzagt, ängstlich und mit leicht weinerlichen Unterton, mal verschmitzt und mal anklagend. Der Blick sucht die direkte, bisweilen provokative Konfrontation mit dem Betrachter und erzeugt gleichzeitig einen befremdlichen Eindruck. Die Dargestellten bleiben einem eigenartig distanziert und berühren zugleich. Es scheint als ob der Porträtierte durch die eingenommene Pose eine Barriere aufbaut, mit der er sich vor allem Fremden zu schützen sucht. Dennoch scheinen durch diese Haltung seine eigene Befindlichkeit und seine eigenen Ängste durch.

QiWei Zhang und Jun Ho Cho präsentieren zwei spannende Positionen in dem Geflecht aus Kultur und ihren zivilisatorischen Zwängen, aus Tradition und Moderne – oder anders gesagt: der Mensch im Irgendwo der Kulturen, im »Lost in Translation«.

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