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Einzelausstellung: Lothar Götz - Black (vorbei)

12 Mai 2012 bis 14 Juli 2012
  Lothar Götz - Black
Lothar Götz, Untitled, 2012, 90 x 120 cm acrylique and pencil on wood
 
  PETRA RINCK GALERIE

PETRA RINCK GALERIE
Ackerstrasse 199
40233 Düsseldorf
Deutschland (Stadtplan)

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www.petrarinckgalerie.de


Mit seiner neuen Ausstellung "Black" in der Galerie Petra Rinck zeigt der in London lebende Künstler Lothar Götz (*1963/D-Günzburg) eine komplexe Präsentation, welche die Vielfältigkeit seiner Medien sowie seine verschiedenen künstlerischen Ideen miteinander verbindet. Dabei offenbaren die unterschiedlichen Qualitäten der Räume und ihre Bezüge untereinander vielfältige Möglichkeiten, Quellen, Assoziationen und Emotionen, die er mit seinem Werk entzündet.

Angesichts des ersten Aktes, eines schwarzen Raumes, in dem Farben nur in einzelnen Feldern aus schmalen Linien auftauchen, mag man sich über die sprichwörtliche Liebe zu Farben von Lothar Götz wundern. Allerdings gab es immer wieder wichtige Phasen, in denen er sich auf die Farbe Schwarz bezog. Einen aktuellen Bezug beleuchtet die Ausstellung "Wait Until Dark" in Cardiff (2012), deren Titel sich auf den gleichnamigen Spielfilm bezieht. Zentral ist hier der Kampf einer blinden Frau, die erst kurz zuvor bei einem Unfall ihr Augenlicht verlor, gegen drei psychopathische Killer. In diesem spielen Dunkelheit und Licht eine wesentliche Rolle als Vor- bzw. Nachteil der Protagonisten; insbesondere aber wird dadurch eine düstere und unheimliche Atmosphäre erzeugt. Die Idee eines Aufenthaltes in einem dunklen Raum sowie die Auseinandersetzung mit sinisteren Emotionen und Träumen ist eine wesentliche Grundlage der schwarzen Arbeiten von Lothar Götz. Dabei war der schwarze Raum in Cardiff ein Durchgang, der an ein Gartenhaus bei Nacht erinnerte, von dem aus die Besucher erst in die weiteren Räume der Ausstellung gelangen konnten. Nun wird dieser Raum zu einem eleganten Salon. Einem Salon, dessen Front vielleicht einen Ausblick auf einen Garten und einen Seeblick imaginiert oder der Entree zu einem Club ist, angefüllt mit den Erinnerungen des vergangenen Tages wie mit der erwartungsvollen Aufregung an die kommende Nacht.

Während Lothar Götz über Jahre vor allem Papier als Träger benutzte, offenbaren die seit 2009 entstehenden Werke auf Holz eine neue Qualität, in der sich die Ästhetik seiner Zeichnungen mit denen der Wandarbeiten verbindet. Zum einen ermöglicht ihm das Holz als Träger eine Verbindung der Aufträge von Acryl, Gouache und Buntstiften. Zum anderen besitzen die klaren Kanten und die Oberfläche eine spezifische visuelle und haptische Qualität. So obsessiv präzise Lothar Götz seine Farbfelder konstruiert, spielt die gegebene Oberfläche des Materials eine wichtige Rolle, da sie eine eigene Lebendigkeit und Individualität besitzt.

In der konstruktivistischen Abstraktion der Moderne, auf die sich Lothar Götz immer wieder bezieht, spielt das Schwarz und die Nichtsichtbarkeit vor allem die Rolle einer Visualisierung von Nicht-Gegenständlichkeit und reiner Erregung. Die Farbe eröffnet hier durch die Empfindung und Neuordnung einen noch unbesetzten Raum. Diesen nutzt Lothar Götz, um sich auf unterschiedliche Art und Weise mit formalen und fantastischen Elementen auseinanderzusetzen.

Den Salon verlassend, treffen wir im zweiten Raum gegenüber der Theke auf eine Wandarbeit. Das konstruktive Muster findet sich schon in der Zeichnung "House for Liubov Popova" (2010) und geht auf ein Textilmuster der Künstlerin zurück. Ljubov Popova (1889-1924) gehört zu den frühen abstrakten Malerinnen des russischen Konstruktivismus, deren Bilder zwischen 1916 und 1920 - ein erster sprichwörtlicher Bezug - als ‚malerische Architekturen' bezeichnet werden. Die frühen ungegenständlichen Experimente von Ljubov Popova entstanden durch die Collage klar abgegrenzter Farbfelder, die den Eindruck intensiver Bewegung vermitteln. Die in den zwanziger Jahren entstandenen Textilarbeiten waren ebenso ein Höhepunkt ihrer künstlerischen Formensprache, als auch der Idee, Kunst durch die Überführung in alltägliche Objekte der Massenproduktion als utopischen Moment zur Schaffung einer neuen Gesellschaft wirken zu lassen.

Lothar Götz teilt sicherlich nicht den historischen gesellschaftspolitischen Ansatz. Wichtiger ist ihm dessen Aktualisierung durch einen individuellen Zugang, der den utopischen Anspruch mit einem Lebensgefühl verbindet. So wird auch als folgerichtig nachvollziehbar, dass der auslösende Moment nicht das Muster selbst, sondern eine Fotografie von Aleksandr Rodc(enko war: "Portrait of Varvara Stepanova wearing a silk scarf, adopted from a fabric design of Ljubov Popova" (1924). Auf die Wand adaptiert, bildet das Muster ein ‚Gegenüber' zum Empfang der Galerie, rückt mal in den Hintergrund, mal umfasst es die Szenerie. Es verbindet die historischen und gegenwärtigen, und vielleicht auch zukünftigen, Kontexte der Produktion und Rezeption (wie Atelier und Galerie), die jeweilige spezifische Form von Öffentlichkeit und evoziert schließlich, mit den Besuchern der Galerie als Formen- und Farbmuster, ein ständig sich veränderndes Gesamtbild im Raum. Die Arbeit stiftet unmerkliche Übergänge und Parallelgeschichten; eine formale, artifizielle Abstraktion, die zu einem Teil des alltäglichen Lebens wird und zahlreiche spezifische Momente kreiert. Sie enthält in nuce Anlass und Ziel des künstlerischen Schaffens von Lothar Götz: Ein lebendiges, imaginatives Bild, changierend zwischen Kunst, Handwerk, Vergangenheit, Gegenwart und Öffentlichkeit, welches einen andauernden Dialog hervorbringt.

Dies gilt auch für den dritten Raum der Ausstellung, der weitere Aspekte sichtbar macht. War der erste Raum noch von Dunkelheit bestimmt, und zielte damit eher auf eine Introspektion, dominiert hier eine gänzlich andere Atmosphäre. Dieser Prozess der Veränderung ist einerseits Inhalt der Zeichnungen, in denen amorphe Formen von noch unbestimmten und nicht klassifizierten Eindrücken und Emotionen erzählen, andererseits durch die starkfarbigen Zeichnungen und in Rosa gehaltenen Wänden von einer Stimmung geprägt, die nicht zuletzt - dies eine weitere Vorliebe und Basis der Arbeit von Lothar Götz - Vorstellungen von Gärten und Blumen zur Anschauung bringen und so einen Raum anderer Qualitäten und Intensitäten schaffen.

Erik Schönenberg

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