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Einzelausstellung: Marcel Hüppauff – Côte d´Azur (vorbei)

26 März 2011 bis 30 April 2011
  Marcel Hüppauff – Côte d´Azur
Marcel Hüppauff, maase - sele - hoho, 85 x 95, 2010, Öl auf LW.
 
  Galerie Börgmann

Galerie Börgmann
Wallstr. 7
41061 Mönchengladbach
Deutschland (Stadtplan)

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www.galerie-boergmann.com


Weder den Freunden der Galerie ist Marcel Hüppauff ein Unbekannter noch in Krefeld, seitdem er im Dezember 2010 an der Ausstellung der "Crefelder Gesellschaft für Venezianische Malerei" teilnahm und ein enger Freund wurde.

Umso glücklicher schätzen wir uns, Sie aufs Herzlichste zu ersten Einzelausstellung von Marcel Hüppauff in der Galerie Börgmann einladen zu dürfen: Côte d'Azur! Der Künstler wird anwesend sein und wir freuen uns auf Sie!

Côte d'Azur - ein Landstrich, eine Küste, beschwingt, mondän und mediterran, gutes Wetter, gute Laune und vor allem Palmen. Ganz wie es in jenem Lied heißt: für einen Tag am Mittelmeer, gäb' ich meine Mittel her. Malend entreißt Marcel Hüppauff die Côte d'Azur mit seinen Bildern der bloßen Erinnerung und erobert sie für jede lebhafte und schöpferische Fantasie zurück: Man denke nur an die wunderbaren Rivierafotografien Edward Quinns, an Cézanne, van Gogh, Matisse, Picasso und den Stierkampf oder an Grace Kelly Hand in Hand mit Alfred Hitchcock über den Dächern von Nizza, an Brigitte Bardot halbnackt mit ein paar Playboys in St. Tropez. Torn and frayed nehmen die Rolling Stones dort "Exile on Main St" auf und im Casino von Monte Carlo sitzt Edvard Munch und spielt Nacht um Nacht. Auch zu Asger Jorn in Albisola ist es nur ein Katzensprung die Küste rauf. Jean-Luc Godard dreht, selbst wenn die Situationisten seine Filme nicht sonderlich mochten, in Toulon mit tatkräftiger Unterstützung (Dynamit!) von Nietzsche, der ebenfalls in Nizza sommerfrischt, "Pierrot le Fou". Und was Jean-Paul Belmondo und Anna Karina darin zu singen wissen über Hüft- und Schicksalslinien, ist noch immer arg hinreißend.

Was diese mäandernden Hüft- und Schicksalslinien mit der Kindheit und allerhand Vögeln zu tun haben, erklärt Hüppauff selbst: "Der rationalen Erwachsenenwelt stelle ich eine kindlich naive Welt gegenüber. Das Abstrakte mit dem Naiven kurzschließen! Es ist wahnsinnig spannend zu sehen, wie Kinder malen, bevor sie in die Bildung eintreten. Es geht mir immer darum, mich beim Malen von allem frei zu machen, was man weiß. Für einige Zeit habe ich Vogelscheuchen gemalt. Ich fand die Idee der Vogelscheuche lustig, die mehr Angst vor den Vögeln hat als die Vögel vor ihr. Das war für mich ein Sinnbild für die Malerei, die heute auch kaum noch Relevanz besitzt und eher etwas sinnlos in der Gegend rumhängt. Von der Vogelscheuche sind aktuell die Vögel geblieben. Aber auch wenn man einen Vogel erblicken mag, wird zugleich deutlich, dass er aus nichts anderem als ein paar Farbfetzen entsteht und sogleich wieder in dieser zerfällt."

Marcel Hüppauff wird 1972 in Stuttgart geboren. Von 1995-1997 studiert er Kunstgeschichte an der Hamburger Universität und ist von 1996 -2000 Mitglied der künstlerselbstorganisierten Akademie Isotrop in Hamburg, wo u.a. André Butzer, Jonathan Meese, Roberto Ohrt und Markus Selg seine Mitstreiter sind. 1997 ist er kurz offizieller Student der HfBK.

In den vergangenen Jahren hat er ausgiebig in Europa und den Vereinigten Staaten ausgestellt, u.a. bei: Contemporary Fine Arts Berlin, Daniel Buchholz Köln, Gabriele Senn Wien, Galerie Nomadenoase Hamburg, Gesellschaft für aktuelle Kunst Bremen, Gio Marconi Mailand, Guido W. Baudach Berlin, Jiri Svestka Prag, Galerie Krinzinger Wien, Kunstraum Innsbruck, Oldenburger Kunstverein, Patricia Low Gstaad, Patrick Painter Inc. Los Angeles, Polad-Hardouin Paris und der Wannieck Gallery Brno. Er lebt und arbeitet auf St. Pauli / Hamburg.

Die Nacht als Abenteuer

Hendrik Lakeberg Bei den Surrealisten gibt es die Idee des automatischen Schreibens. Die Situationisten haben das im automatischen Zeichnen aufgenommen. Spielen solche Techniken eine Rolle für dich?

Marcel Hüppauff Zum Teil. Wenn ich male, lasse ich mich vom Eigenleben der Farbe leiten und mitreißen, ohne vorher geplant zu haben, was auf der Leinwand passiert. Dann trete ich zurück und schaue wieder bewusst hin, sehe mir an, was mit dem Bild passiert ist und reagiere darauf.

Wenn man sich deine Bilder anschaut, findet man kaum Bezüge auf die Wirklichkeit. Es wirkt, als wenn du dir eine Art Parallelwelt ermalst. Ganz anders als viele andere Künstler, die wie Du aus der Akademie Isotrop kamen - zum Beispiel Abel Auer, Jonathan Meese, Markus Selg, Stefan Thater oder Susanne Winterling - und viel stärker eingebunden sind in eine Art von medienkulturgeschichtlichen Gegenwartskomplex.

Das war aber nicht immer so. Ich habe lange mit Vorlagen gearbeitet und Motive aus der Film- und Kunstgeschichte miteinander in Beziehung gesetzt. Doch dabei wurde immer klarer, dass es mir im Grunde einzig um die Malerei selbst ging. Seit etwa vier Jahren verzichte ich komplett auf Vorlagen. Ich gehe beim Malen nun unmittelbar auf die Farbe und die Entwicklung der Formen auf der Leinwand ein.

Deine Bilder haben etwas Widerspenstiges. Sie stehen im Gegensatz zu vieler zeitgenössischen Malerei, die entweder sehr sauber und figurativ oder grafisch ist. Wäre rotzig ein Begriff, mit dem du dich identifizieren könntest?

Ein wenig. Ich bevorzuge da eher einen Begriff wie ‚Lockerheit'. Kunst hat immer ein Problem - das Contemporary-Ding -, wenn sie sich einer bestimmten Zeit versklavt. Gute Kunst ist aber gerade immer die, die aus jeder Zeit fällt. Bei guter Kunst kann man die Referenzen, aus denen sie entstanden ist, nicht direkt anpacken und zuordnen. Ein gutes Bild ist ein gutes Bild, egal, wann es entstanden ist.

In den letzten Jahren tauchen in deinen Bildern immer wieder kindlich gemalte Sonnen oder Vögel auf. Die Idee, bei vollem Bewusstsein unbewusst wie ein Kind zu malen, gibt es in der Kunst seit Klee, den Surrealisten, seit Dubuffet oder eben den Situationisten. Beziehst du dich darauf? Inwiefern setzt du diese vermeintliche Naivität bewusst ein?

Es ist wahnsinnig spannend zu sehen, wie Kinder malen, bevor sie in die Bildung eintreten. Es geht mir immer darum, sich beim Malen von allem frei zu machen, was man weiß. Ich meine damit nicht den kitschigen Gedanken, eine Urform herauszuarbeiten, sondern eher um Naivität an sich. Man mag auf meinen Bildern zwar einen Vogel erblicken, aber es wird auch deutlich, dass die Form dieses Vogels aus nichts anderem als ein paar Farbfetzen entsteht und sogleich wieder in dieser zerfällt.

Es gibt ein bestimmtes Figuren- oder Formenensemble, das immer wieder in deinen Bildern auftaucht. Woher rührt das?

Ich habe vor 4 Jahren häufig einen kleinen Piraten gemalt. Ich hatte mich an Kinderzeichnungen von mir erinnert. Comics, die von einem Piraten handeln. Ich habe mir die Zeichnungen nicht noch mal angeschaut, wollte aber unbedingt wieder den kleinen Piraten malen. Das Abstrakte mit dem Naiven kurzschließen! Für einige Zeit habe ich Vogelscheuchen gemalt. Ich fand die Idee der Vogelscheuche lustig, die mehr Angst vor den Vögeln hat als die Vögel vor ihr. Das war für mich ein Sinnbild für die Malerei, die heute auch kaum noch Relevanz besitzt und eher etwas sinnlos in der Gegend rumhängt. Von der Vogelscheuche sind in meinen aktuellen Bildern die Vögel geblieben.

Du hast eine besondere Vorliebe für blau und grün Töne.

Ich mag diese Anmutung von Nacht, die das Grün und Blau erzeugen. Zusammen ergeben die Farben eine bestimmte Art von Dunkelheit, die aus sich selbst heraus leuchtet. Ich will, dass meine Bilder kein Licht brauchen. Eine leuchtende Dunkelheit, die nicht beängstigend ist. Es geht mir nicht um die Dunkelheit als Ursprung des Bösen, sondern um die Abgrenzung von der rationalen Erwachsenenwelt, in der alles hell ausgeleuchtet und vermeintlich aufgeklärt ist. Dieser Helligkeit stelle ich eine schemenhafte und kindlich naive Welt gegenüber, in der eigenartige Monstergestalten auftauchen, die auf den erwachsenen, gebildeten Betrachter verstörend und abschreckend wirken mögen, nicht aber auf Kinder und solche Erwachsene, die sich in sie hineindenken können. Ich verfolge dabei keine subversive Strategie, obwohl der Gedanken, dass die Bilder im Betrachter etwas auslösen, ihn verändern oder ihn sogar dazu bringen, aufzuhören zu arbeiten oder solche Sachen, natürlich ein Ziel von meiner Kunst wären.

Wie hat sich dein Stil entwickelt? Gab es Momente, die du im Rückblick als eine Art Durchbruch oder entscheidenden Sprung in deinem Schaffen sehen würdest?

Das ist ein Prozess, weil jedes Bild im Prinzip von Neuem anfängt. Und bei jedem neuen Bild gibt es auch Momente, in denen ich denke: Was mache ich da eigentlich? Aber mir wird dann immer wieder klar: Genau darum geht's. Das man sich selbst ständig in Frage stellt. Das ist das Spannende, deshalb geht es weiter, deshalb verändert sich meine Malerei. Ich denke oft, dass das in gewisser Weise ganz schöner Blödsinn ist, was ich da mache. Man bespannt eine Leinwand und schmiert mit Farben darauf herum, während andere Ärzte werden. Aber das Sinnlose, der Quatsch, das ist doch das Schöne. Und dass ich dann auch noch so kleine Vögel male und es mich selbst dermaßen freut, was mit den Bildern passiert, ist eine schöne Form von Unverschämtheit.

Deine Bilder lassen sich per se nicht politisch lesen. Dennoch war ein Gedanke, der bei Asger Jorn und den Situationisten sehr präsent war die Verbindung von politischer Aktion und Kunst. Du hast erwähnt, dass die Gründung der Akademie Isotrop auch aus politischen Motiven geschehen ist. Gibt es einen Teil deiner Kunst, der politisch ist?

Unsere Gesellschaft funktioniert, in dem man einer entfremdeten Arbeit nachgeht. Wir haben bei Isotrop immer gesagt, dass Kunstmachen keine Arbeit ist. Ein Kunstwerk als Arbeit zu bezeichnen, halte ich für falsch, weil der Begriff Arbeit in den meisten Fällen in Zusammenhang mit entfremdeter Lohnarbeit verwendet wird. Wir wollten Kunst machen, um nicht arbeiten zu müssen. Insofern ist meine Kunst politisch. Ich halte Kunst an sich für politisch. Man muss dafür aber kein politisches Thema aus der Zeitung nachmalen. Allein, dass man Kunst macht und sich nicht in den normalen Arbeitsprozess eingliedert, ist eine widerständige Haltung der Gesellschaft gegenüber. Selbst wenn Kunst dann wieder von der Gesellschaft vereinnahmt und verwertet wird, will ich mir die naive Idee vom Künstler, der nicht Teil der normalen Gesellschaft ist, bewahren. Ein Künstler ‚arbeitet' immer gegen die Gesellschaft. Man kann sagen, er bringt eine andere Art von Gesellschaft hervor.

Das Gespräch wurde am 21. Februar 2010 geführt.

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