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Einzelausstellung: Margret Eicher - nothing is real (vorbei)

27 Januar 2006 bis 29 März 2006
  Margret Eicher - nothing is real
Margret Eicher: Orpheus Traum, Digitalmontage/Tapisserie, 260 x 250 cm
 
www.dam-berlin.de DAM GALLERY Berlin

DAM Projects GmbH
Neue Jakobstr. 6, 2nd courtyard
10179 Berlin
Deutschland (Stadtplan)

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www.dam-berlin.de


Gobelins und Aquarelle von Margret Eicher (D)

[DAM] Berlin eröffnet das neue Jahr mit der Ausstellung nothing is real von Margret Eicher.
Gezeigt werden Tapisserien und Aquarelle, deren Inhalte im künstlerischen Arbeitsprozess als virtuelle Montagen erstellt wurden. Margret Eicher arbeitet mit einem unüberschaubaren Material von Bildvorlagen. Dabei läßt sie sich von Motiven aus der Kunstgeschichte bis zum aktuellen Tagesgeschehen, aber auch von Lifestylemagazinen, der Werbung und vielen weiteren Kommunikationsmedien wie Zeitungen, Büchern, Internet inspirieren. Mit ironischem Blick zitiert und kombiniert sie diese und stellt mit ihren Neuinszenierungen vielfältige Bezüge
zu Vergangenheit und Gegenwart her.

Die digitalen Tapisserien, Zitate des traditionellen Bildmediums der höfischen Gesellschaft, wurden bereits in verschiedenen Ausstellungsreihen wie z.B. „Society Dream“ oder R:E:M rapid eye movement (1999 - 2005) gezeigt. Margret Eicher nutzt die Idee des einstigen Wandbehangs, um eine neue Kunstform zu etablieren. So ist der Besucher durch die Oberfläche der Kunstwerke verführt, doch bei genauerer Betrachtung eröffnet sie ihm eine kritische Sicht auf unsere Informationsgesellschaft sowie den Umgang mit Bildmedien generell.

Die Schau nothing is real knüpft konzeptuell an ihre Ausstellungen Gefälschte Gobelins (2004) und Freche Kopie! (2003) an, doch ist sie um ein Genre (digital erstellte „Aquarelle“) erweitert. Mit den verschiedenen Präsentationsformen wie Gobelin, Gemälde oder Aquarell ist es der Künstlerin möglich, deren jeweilige Konnotationen in ihre Bildaussage einzubeziehen. Mit dieser Verfahrensweise werden Wahrnehmungsgewohnheiten und Zuordnungen hinterfragt. beispielsweise Machtinszenierungen in der alltäglichen Bildsprache (Tapisserien) oder die Behauptung der Augenzeugenschaft in der journalistischen Fotografie (Aquarelle).

Die handwerklichen Techniken, sei es die Aquarelltechnik oder die Webtechnik eines Gobelins, verführen den Betrachter zur Annahme der Anwesenheit eines traditionell arbeitenden Künstlers. Eicher deutet hier auf die Authentizität des Künstlers hin, der „wahrhaftig Gesehenes, mit technischer Fertigkeit authentisch Protokolliertes“ übermittelt. Die Verwendung von Bildern aus den Medien unserer Informationsgesellschaft, die den Veröffentlichungen von politischen und gesellschaftlichen Ereignissen, den Portraits prominenter virtueller Persönlichkeiten, die Science Fiction, Computerspielen oder auch historischen Gemälden entnommen sind, stehen nicht im erwarteten Kontext der Technik. Und genau darin liegt der einfallsreiche Kunstgriff von Margret Eicher, sie fordert ihr Publikum dazu auf, den eigenen Augen nicht zu trauen.

Anstelle der traditionellen Themen, die mit diesen Techniken in Verbindung gebracht werden, wird der Betrachter mit prägnanten zeitgenössischen Darstellungen überrascht: Motive wie z.B. ein Einkaufszentrum als Ort kommerzieller Hofhaltung („Höfisches Interieur“), ein Neugeborenes im Brutkasten als moderner Mythos der Herrschaft über Leben und Tod („Die Geburt der Venus“), eine professionelle, im Internet agierende Liebesdienerin („Venus“), der Porsche-Chef als eleganter Recke, „reitend“ auf dem Kotflügel eines Boliden („Reiterbildnis“), eine Imbißbude als weihevoller Ort („Abendmahl“) und viele andere mehr.
Diese zentralen Darstellungen sind von digital übernommenen historischen Bordüren umrahmt, die gemäß ihrer traditionell kommentierenden Funktion mit allerlei gegenwärtigen Bezugssymbolen durchwirkt sind: z.B. Börsen- oder Wirtschaftsdiagramme, wissenschaftliche Schaubilder, Signets, bekannte Helden aus Comics und Computerspielen.

nothing is real hinterfragt in der Gegenüberstellung von zeitgenössischem trivialen Bildmaterial mit traditionellen, inhaltlich stark besetzten Bildmedien unsere Rolle als Kommunikationspartner. Welche Rolle Medien heute spielen, ob sie Unterhaltungscharakter haben, Meinungen zu bilden oder zu kontrollieren suchen, Kritik oder Lob aussprechen, ist seit ihrem Aufkommen ein spannendes Thema. Margret Eicher gelingt es mit dieser Schau, historische wie gegenwärtige Pressebilder als Demonstrationsobjekte von Position und Macht, Tradition und Glaube einer global kommunizierenden Gesellschaft mit Prominenten aus Politik und Wirtschaft, Showbusiness und Sport zu entlarven.

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