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Einzelausstellung: MARIA VILL (vorbei)

10 Januar 2002 bis 22 Februar 2002
  MARIA VILL
Maria Vil o.T., Bleistift auf Papier, 21 x 21 cm, 1999
 
www.galerie-lindner.at Galerie Lindner

Galerie Lindner
Schmalzhofgasse 13/3
1060 Wien
Österreich (Stadtplan)

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www.galerie-lindner.at


Heiinz Gappmayr schreibt in dem anläßlich zur Ausstellung erscheinenden Katalog:

Die Zeichnungen von Maria Vill sind nicht Skizzen oder Vorstufen für ihre Acrylbilder, sondern eigenständige Werke, Resultate ihres Bestrebens nach einer optimalen Reduktion der Mittel. Sichtbar werden dabei neue Aspekte ihres künstlerischen Konzepts. Das Versal-A tritt als sprachliches Zeichen etwas zurück, doch bestimmt es unabhängig davon als kompositorische Grundform dennoch die Bildstruktur. Im Unterschied zu den klar abgegrenzten Bildern in Acryl geht es der Künstlerin bei ihren Bleistiftzeichnungen vor allem um den Übergang von Sichtbarem ins Offene des Umraums. Das A, losgelöst von seinen Funktionen, ist formal von größter Variabilität. Durch die Signifikanz seiner Konstruktion eignet es sich in besonderer Weise als Thema für Veränderungen. Die Entfernung von der ursprünglichen Form bestimmt die Qualität der Werke von Maria Vill. Charakteristisch für die Zeichnungen ist die Verfremdung des Buchstabens bis zur Verselbständigung der Strukturen. Zu den konstitutiven Eigenschaften des konventionellen Zeichens für den ersten Buchstaben des Alphabets gehören die pyramidale Form und im Kontrast dazu der Querbalken. In manchen Zeichnungen Vills gibt es davon nur noch Anklänge, Fragmente und Schatten. Verlassen wird die sprachliche Funktion des Zeichens, hervorgehoben wird die künstlerisch relevante Struktur der Form durch Akzentuierung von Details oder durch Weglassen wesentlicher Teile des Buchstabens. Dieser setzt sich nicht von der Fläche ab, sondern wird eins mit dem Bildraum. Zum Verständnis der künstlerischen Intentionen Maria Vills ist gerade dieser Umstand wichtig. Die Entgrenzung des Sichtbaren ins Unendliche korrespondiert mit der kristallinen Form des Buchstabens. Die Voraussetzungen dieser Zeichnungen, die im Katalog in Originalgröße abgebildet sind, zielen auf Immaterialität. Die Wirklichkeit des leeren Raumes wird erfaßt erst durch die Zurücknahme und das Verschwinden des in zartesten Schraffuren Wahrnehmbaren, aber nicht abstrakt, sondern in jeweils bestimmten unaustauschbaren Formen, die sich auf den Anfang des Alphabets beziehen. Das durch Konventionen geprägte Zeichen, das für besondere Inhalte auch alleine stehen könnte, im allgemeinen aber nur in der Reihung mit anderen Schriftzeichen, je nach der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Sprache komplexe Informationen vermittelt, ist in wechselnder Deutlichkeit präsent. Selbst dort, wo es ohne Kontext kaum mehr zu erkennen ist, verweist die Struktur doch auf die Herkunft des Buchstabens. Dies unterscheidet die Zeichnungen und Bilder der Künstlerin von gegenstandslosen Arbeiten, die sich nur auf bildimmanente Farben, Tonwerte und Proportionen beziehen.

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