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Einzelausstellung: Mark Harrington - track and field - New Paintigs (vorbei)

9 März 2006 bis 21 April 2006
  Mark Harrington - track and field - New Paintigs
Mark Harrington, o.T. (Detail),
2005, Acryl auf Leinwand, 150 x 150 cm
 
  Nusser & Baumgart

Nusser & Baumgart
Steinheilstr. 18
80333 München
Deutschland (Stadtplan)

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www.nusserbaumgart.com


In den neuen "Diptychen" von Mark Harrington bleibt die horizontale lineare Struktur, die bereits sein früheres Werk prägte, erkennbar. Sie bildet eine notwendige Einladung bzw. einen Pre-Text zur Offenheit des Raumes als Ereignis. In früheren Arbeiten war die Bildfläche von schmalen Linien sehr dicht durchzogen – in den 90ern sind es Hunderte, in den Jahren 2000-2002 sind sie auf höchstens zehn reduziert. Ihre Horizontalität erweckt ein Gefühl für den Fluss der Zeit. Ihre Schwingungen bzw. ihre sich auflösende oder kristallisierende Erscheinung bieten aber eine Durchlässigkeit nach oben und nach unten bzw. zur Oberfläche oder zum Bildgrund. Die Plastizität der Arbeiten wird so offensichtlich und kann den Raum für ein Zeitereignis einer anderen Art ermöglichen.

Dieser optische Eindruck des Auf- bzw. Untertauchens durch die Verschwommenheit der Liniengrenzen zur Malfläche wird aber in den neuen Arbeiten noch verstärkt - Vertikalität und Tiefe des Bildes bündeln sich mit der Horizontalität in einem Spannungsfeld. Die Linien sind jetzt aufgebrochen oder unterbrochen; manche dehnen sich aus - teilweise so stark, dass die Malfläche ihr Inneres durchdringt: Aufgeblasenen wirken, sie wie zerrissen - das Innere und das Äußere überlappen sich, das eine verschmilzt mit dem anderen. Durch Tonfugen-ähnliche Farbabweichungen wirken diese Linien verschwommen. Der Betrachter schwebt in einer farbigen Luftigkeit. Dieses Wechselspiel zwi schen Horizontalität und Vertikalität wird noch durch Harringtons Verabschiedung von dem früheren Querformat unterstützt: Die zwei Flügel der Diptychon liegen jetzt als Hochformat übereinander.

Die Entstehungsgeschichte dieser Linien folgt einem sehr präzisen Herstellungsprozess, der sowohl analogisch als auch thematisch die Bilder als künstlerischen Prozess untermalt und verdeutlicht: Die Herstellung ist für den Betrachter als Prozess, d. h in ihrer Zeitdimension wahrnehmbar, aber kaum in ihrer zeitlichen Abfolge: Zwischen realer und optischer Reihenfolge der verschiedenen Farbaufträge entsteht ein Mismatching (Ent-Deckung), eine Nicht-Übereinstimmung - Der Betrachter nimmt die Zeit wahr, wird aber fortlaufend verwirrt, wenn er versucht, die Reihenfolge der Schichtungen zu entschlüsseln: Die Linearität der Zeit wird gebrochen und wirft den Betrachter, einen Augenblick lang, in ein Zeitkontinuum, in dem die Gegenwart allein erlebt wird – die Bewegung des Bildes scheint außerhalb des Zeitflusses stattzufinden. Die unterbrochenen schmalen oder flächenartigen Linien bilden Markierungen, deren farbige Tonvariationen einen eigenen lokalen Rhythmus produzieren. Diese Markierungen vibrieren in der Malfläche gleichzeitig und bündeln sich still in einem Bild – Augenblick der Zeitlosigkeit. Die Reflexion über die Zeit bildet den Kern der Arbeiten Harringtons.
Text: Cyrille Zola Place (Auszug)

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