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Einzelausstellung: Marko Zink - Es ist so / analoge Fotografie (vorbei)

12 September 2008 bis 1 November 2008
  Marko Zink - Es ist so / analoge Fotografie
Marko Zink, „Kleid1“ aus der Serie Schwimmer
 
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Schleifmühlgasse 18
1040 Wien
Österreich (Stadtplan)

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www.galerie-stock.net


Es ist so
analoge Fotografie

MARKO ZINK

Vernissage
: Donnerstag, 11.09.2008 um 19 Uhr

Eröffnung der Ausstellung: Dr. Andrea Domesle

Katalogpräsentation: Samstag, 11.10.2008 von 11.00 bis 14.00 Uhr

Künstlergespräch: Marko Zink, Andrea Domesle und Matthias Herrmann

Wo: Galerie Michaela Stock, Schleifmühlgasse 18, 1040 Wien

Ausstellungsdauer: 12.09.-01.11.08


Es ist so

Marko Zink macht den gewählten Wirklichkeitsausschnitt mit der Fotokamera zur Theaterbühne, auf der sowohl der Mensch als auch paradoxerweise ein Gegenstand seinen Auftritt entwerfen können. Als Regisseur nimmt sich der Fotograf zurück und steht doch in der Tradition der inszenierten Fotografie. Die Inszenierung fällt aber erst im zweiten Blick auf. Der erste Blick könnte zum falschen Rückschluss führen, dass es sich um Dokumentarfotografie handeln würde. Der Ausstellungstitel "Es ist so" spielt mit diesem Bezug und verweist gleichzeitig auf die mittlerweile schon gewohnte kritische Hinterfragung des Mediums. Dies gilt auch für die analoge Fotografie, die hier vorliegt. Marko Zink eröffnet mit seinen Inszenierungen einen doppelten Boden der Wahrnehmung, der Raum lässt für beides: für ein Stück Realität und ein Stück Phantasie.

Für seine erste Einzelausstellung im September 2008 in der Galerie Michaela Stock werden Bilder der drei Serien "Schwimmer", "Wald Zwei" und "Im Wald" kombiniert. Auf jedem der elf Farbfotografien der Serie "Schwimmer" ist ein anderes Kleidungsstück zu sehen, wie es unter Wasser schwebt - leicht, schwerelos und zeitlos. Diese Zeitlosigkeit ist durch die Einbettung im Wasser erreicht, denn der Stil und die Labels lassen das T-Shirt, die Pullis, die Kappe und die Hosen als derzeit in Warenhäusern erhältliche Massenware erkennen. Im Dahintreiben gewinnen sie an Charaktereigenschaften. Die Dynamik des Wassers schafft sozusagen die Form der Kleider, die mal an einen Fisch, gar an einen Rochen, mal an eine Qualle, mal an eine Meerjungfrau erinnert. Die Kleidung bekommt animalische Wesenseigenschaften förmlich auf den Leib zugeschnitten und durch diese Verlebendigung somit einen Charakter, gar eine Persönlichkeit.

Einen stark optischen Kontrast zur Serie "Schwimmer" stellen die Serien "Wald Zwei" und "Im Wald" dar. Marko Zink betont durch seine Aufnahmeweise - das Filmmaterial wurde von ihm zuvor sowohl mechanisch als auch chemisch bearbeitet - und den gewählten Bildausschnitt die strenge vertikale Reihung der Baumstämme und deren spröde Strukturen. Das Thema "Wald" hat er auf die Stumpfheit und Aggressivität der Baumrümpfe, die hier fast zu einer undurchdringlichen, harten Wand verschmelzen, reduziert - fern von Einsamkeitsidylle. "Wald Zwei" greift auf einen alten romantischen Topos zurück und präsentiert sich als unzugänglich für den Menschen. Anders "Im Wald": Hier tauchen zwischen den Stämmen menschliche Körperfragmente auf. Diese verschmelzen im Bild jedoch mit dem Wald und scheinen mehr diesem, Pilzen oder Wucherungen gleich, zugehörig zu sein als dem Menschen. So, als ob es nie anders gewesen wäre.

Dr. Andrea Domesle



Katalogtext von Matthias Herrmann

Ist es so?

So ist es natürlich nicht. Diese Bilder erzählen mehr von dem, was wir nicht sehen, als von dem, was sie preisgeben. Sie sind merkwürdig schweigsam, unberedt, nicht geschwätzig, trotz ihrer üppigen Farbigkeit still, fast stumm. Etwas fehlt, und natürlich ist man geneigt zu glauben, der Mensch als Träger (von Bedeutung, von Zuschreibung oder auch nur von Kleidung) sei das fehlende Element. Aber dem ist nicht so: was den Eindruck von Flüchtigkeit, von einer leeren Mitte hinterlässt, ergibt sich aus der Art, wie Marko Zink seine Bilder arrangiert, wie er mit Präsenz und Absenz spielt - und nicht daraus, was wir gerade sehen oder eben nicht sehen. Es sind klassische Kompositionen, die ein Subjekt vermuten lassen, das aber nicht (mehr) da ist. Die Bewegung des Wassers stattet die treibenden Kleider mit einem flüchtigen Volumen aus, hier scheint sich ein Körper anzudeuten, dort hat er seine Kleidung gerade abgelegt, die am Grund stehenden Schuhe wirken wie eben erst abgestreift. Zink appelliert an unsere Vorstellungskraft wie wir das eher von Malern, als von Photographen kennen. Die Kleidungsstücke im Meer flirren wie optische Täuschungen einer Fata Morgana, sind da, aber auch gleich wieder weg.

War da was?

Ein Augenzwinkern, so kurz wie die Belichtungszeit der Kamera. Wie Nachbilder verhaken sich diese Photographien in den Synapsen unserer Bilderwelt. Kaum öffnet sich das Auge, das Objektiv wieder, ist alles anders. Die Kleider weitergetrieben, der nackte Körper vom Baum versteckt oder so entblößt, dass sich eine ganz andere Geschichte ergibt. Auch die halbverborgenen Körper im Wald verweisen mehr auf eine Abwesenheit, als auf eine Anwesenheit. Ich bin kaum da - und selbst wenn ich mehr wäre, ginge es nicht um mein Ich. Dass es sich um den Künstler selber handelt, der hier mit uns Versteck spielt, ist für die Rezeption der Arbeiten von untergeordneter Rolle. Gleichwohl bezieht er sich dadurch auf einen kunsthistorischen Kanon, der vor allem für die künstlerische Photographie der 1960er und 70er Jahre bedeutsam ist und der diese Arbeiten mit einer Geschichte ausstattet, die sie nicht limitiert sondern erweitert. Auch dass es sich um analoge Photographie handelt und Zink für die Serie "Wald Zwei" den Film vorab auf 100 Grad kocht und dann weiter manipuliert, ist mehr ein Querverweis auf klassisch konzeptuelle Strategien der Photogeschichte als eine ideologisch besetzte Auseinandersetzung mit Technologiediskursen.

Es ist so.

Selbst der nackte Wald bietet keinen Halt für das rastlose Auge. Leer, kein Rückzugsort für romantische Gefühle. Fast ein Nichts; kein Ort, nirgends. Der Wald fasst hier nicht zusammen, sondern zerfällt, zerfranst. Die Bilder haben ausgedient als Projektionsfläche für sonst nicht Fühl-, Denk- und Erlebbares. Zink arbeitet nicht an (unserer) Verzauberung, lapidar stellt der Künstler fest, wie und dass es so ist. Dennoch ist dies eine Welt, die keinerlei Anspruch auf eine selbstständige Wirklichkeit stellt, zu keinem Zeitpunkt den Eindruck eines vom Künstler und seinen Ideen unabhängigen Da/Seins erwecken will. Gerade dass es sich um Situationen handelt, die erst durch den Künstler Realität annehmen, die inszeniert sind und eben nicht real, ohne jedoch die Idee der Inszenierung überzustrapazieren: dieses kluge Spiel mit Realität und Inszenierung, Wirklichkeit und Imitation, mit Präsenz und Absenz, macht die Qualität dieser Arbeiten aus.

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