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Einzelausstellung: Markus Weggenmann - Im Hasenbart (vorbei)

14 Januar 2012 bis 3 März 2012
  Markus Weggenmann  - Im Hasenbart
Ausstellungsansicht
 
  Galerie Mark Müller

Galerie Mark Müller
Hafnerstrasse 44
8005 Zürich
Schweiz (Stadtplan)

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tel +41 (0)44 - 211 81 55
www.markmueller.ch


Markus Weggenmann
«Im Hasenbart»

Auf ein zentrales Wesensmerkmal von Markus Weggenmanns Hochglanzbildern, nämlich der Gleichzeitigkeit von Nähe und Distanziertheit sowie von Opulenz und kühler Reduktion wurde verschiedentlich verwiesen. Die Arbeiten verführen durch ihre intensive Farb- und Formendichte und bleiben dennoch auf Distanz, ja verschanzen sich gleichsam hinter der perfekt spiegelnden Oberfläche. Dass das Aufeinandertreffen dieser Gegensatzpaare aber auch ein latentes Gefühl des Überwältigt-Seins hinterlässt, wurde weniger diskutiert, ist jedoch ein weiteres Charakteristikum dieser Malerei, das durch die für Weggenmann typischen grossen Formate noch verstärkt wird. Hier setzt Markus Weggenmann mit seiner neuesten Werkgruppe an, die unter dem Titel «Im Hasenbart» einundzwanzig überraschend kleine Querformate umfasst. Diese präsentiert er in seiner Einzelausstellung in der Galerie Mark Müller in geradezu klassischer Hängung, sodass sich die formal und farblich zwar äusserst heterogenen, sich aber durch ihr gleiches Format und ihren Objektcharakter verbindenden Arbeiten zu einer Art Bildergeschichte fügen. Das Format erfordert - dies nun im Gegensatz zu Weggenmanns bisherigen Arbeiten - eine räumliche Annäherung durch den Betrachter. Auf die gesamte Ausstellungssituation übertragen ergibt sich daraus eine Bewegung des Betrachters von einem Bild zum nächsten. Man kommt nicht umhin, die Motive «lesen» zu wollen: die Abfolge dieser kleinen Bildobjekte impliziert eine Form von frei deutbarer Narration, die einen in die semi-abstrakten Formen und Kompositionen unweigerlich Figuren und Geschichten interpretieren lässt. Dieses narrative Element setzt Weggenmann sozusagen als Gegenmittel ein gegen die vermeintliche Referenzlosigkeit und dadurch visuelle Wucht der Arbeiten. Auf der Rezeptionsebene gesellt sich somit zur formalästhetischen Wahrnehmung eine vergleichsweise zielorientierte Betrachtungsweise, welche sich mit den Korrespondenzen und Inhalten zwischen und in den Bildern beschäftigt, also auch dem oben beschriebenen Ausdruck der Überwältigung entgegen wirkt.

Direkter funktionieren die neuen Arbeiten aber auch in dem Sinne, dass sie den ursprünglichen Malduktus, der bei Markus Weggenmann bekanntlicherweise einen mehrfachen Abstraktions- oder, wie es Christoph Schreier nennt, «Sublimierungsprozess» durchläuft, unmittelbarer vermitteln. Die in grosser Zahl und Kontinuität im Atelier entstehenden Entwürfe beschreiben quasi den «Ort» der Malerei. Dieser erfährt durch die anschliessende Selektion, die digitale Bearbeitung, die Umsetzung in Grossformate und die technische Produktion durch einen professionellen Lackierer eine Reihe von Verschiebungen. Indem nun das «Hasenbartformat» fast eins zu eins den Ausgangsentwürfen entspricht, unterlaufen die neuesten Arbeiten jedoch den zentralen Vorgang des Blow-ups und verkürzen somit gewissermassen den Weg vom Entwurf zum fertigen Bild. Markus Weggenmanns schwungvoller Duktus - spontan, persönlich, direkt und intuitiv - zeichnet sich durch einen hohen Wiedererkennungswert aus, der wie eine Klammer die farblich und motivisch stark divergierenden Bildfindungen zusammenhält. Dieser Pinselstrich wirkt, indem seine Relation zum tatsächlichen, physischen Malakt durch das Ausbleiben des Blow-ups weniger verfremdet wird, viel unmittelbarer und authentischer als in den bisherigen grossen Formaten.

Als Supplement gewissermassen präsentiert uns Markus Weggenmann in dieser Ausstellung eine seiner wenigen bildhauerischen Arbeiten. Die Keramik, die nach dem gleichen Verfahren wie die Lackbilder bearbeitet wurde, wirkt als hätten sich drei der oben beschriebenen Malbewegungen verselbstständigt. Gleichsam aus dem Bildgrund herausgetreten formieren sie sich hintereinander im Raum, was den Betrachter wiederum einlädt, sich zur Arbeit hin und um sie herum zu bewegen. Die

aus Ton gefertigte Objektgruppe funktioniert als eine räumliche Interpretation von Markus Weggenmanns typischem Duktus, dessen Spontanität und reizvolle Imperfektion sich auch in dieser Formation überzeugend vermittelt.

Mit der vorliegenden Werkgruppe lädt uns Markus Weggenmann ein, für einmal - im wortwörtlichen und übertragenen Sinne - näher zu treten. Näher an seine im Kern in höchstem Masse persönliche Malerei, von der er sagt, dass sie aus Begegnungen mit Farben und Formen entstünde. Begegnungen sind es dann auch, die die einzelnen Arbeiten der Serie zusammenhalten. Entwürfe aus unterschiedlichen Zeiten und Kontexten erscheinen hier alle im gleichen formalen Mantel, quasi als bildliche Versatzstücke einer Geschichte, die sich immer und immer wieder neu erzählen lässt.

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