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Einzelausstellung: Martín Mele - Identikit (vorbei)

27 August 2011 bis 1 Oktober 2011
  Martín Mele - Identikit
 
  Galerie Mark Müller

Galerie Mark Müller
Hafnerstrasse 44
8005 Zürich
Schweiz (Stadtplan)

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tel +41 (0)44 - 211 81 55
www.markmueller.ch


Martín Mele
"Identikit"

In Argentinien geboren, in Holland und Deutschland aufgewachsen, heute zwischen Düsseldorf und Buenos Aires pendelnd, ist Martín Meles Biografie eine des Reisens. Die Reisen schrieben Geschichten, die der Künstler fortan mit sich trägt, wie einen Koffer voller Erinnerungen, Bilder, Erlebnissen und Begegnungen. Aus dem sich stets regenerierenden Inhalt dieses (nicht immer nur) imaginären Koffers, schöpft Mele Inspiration für seine Arbeit. Gefundene Dinge, gesehene Formen und Farben und spontane Gesten konstituieren sich zu einem Werk von herausragender Präsenz.

Dem Prinzip des Ready-Made folgend, verarbeitet der Künstler Objekte und Sachen zu "Live"-Skulpturen. Das Material stammt von Flohmärkten und aus Brockenhäusern; Mele findet es am Strassenrand, auf Estrichen und in Kellern - es ist Ausschussware unserer Gesellschaft, die ihrer primären Funktionen entledigt ein staubiges, unscheinbares Dasein fristet - vielleicht in der Hoffnung, ein Liebhaber mit Faible fürs Nostalgische möge sich ihrer erbarmen. Martín Mele ist ein solcher Liebhaber und mehr noch, als dass er diese Stücke lediglich sammelt, haucht er ihnen, indem er sie zu Akteuren seiner Kunst macht, neues Leben ein. Seine Wertschätzung gilt neben der besonderen Ästhetik dieser Existenzen den Geschichten, die sie in sich tragen - Geschichten, die er mit seinen eigenen zu vermengen weiss, sodass die Tassen, Teller, Truhen, Stühle und Stoffe plötzlich mindestens so viel über Martín Mele zu erzählen wissen, wie von sich selbst. Meles Interesse am Vergangenen manifestiert sich jedoch nicht nur in der Materialität der Arbeiten, ein weiterer, wichtiger Referenzpunkt sind historische Künstlerpositionen. Die Objektgruppe im grossen Ausstellungsraum lässt sich so geradezu als Hommage an Constantin Brancusi, Henry Moore oder Barbara Hepworth lesen; als spielerische Neuinterpretation dieser Wegbereiter der Objektkunst und ausgesprochenen Vorbildern Martín Meles.

Man müsse darüber stolpern, meint Mele zu seinem Verhältnis zu jenen geschichtsträchtigen Dingen und dementsprechend ist seine Vorgehensweise eine genuin Performative - intuitiv werden Sachen und Materialien zusammengetragen, vernietet und vernäht, ausgestopft und umplatziert. Den so entstehenden Objekten und Wandstücken haftet etwas Flüchtiges, Zufälliges an - ein Handgriff Martín Meles und die Assemblage aus Gipsformen, Vase und Holzsockel ist verwandelt - eine neue Arbeit; ein neuer Zustand, der jedoch nichts an Präzision einbüsst. Diese Art von - nennen wir es - plastischer Konzeptualität verlangt eine grosse Präsenz seitens des Künstlers. Die Figur des Martín Meles ist demnach omnipräsent - das unverkennbare Auftreten, seine eigene Geschichte und seine persönliche Wahrnehmung der ihn umgebenden Welt sind Ausgangs- und Schlusspunkt seiner Arbeit. "Identikit" - der Titel der Ausstellung - spielt genau darauf an: auf die Rolle des Künstlers in Beziehung zu seiner Arbeit. Die in der italienischen Bezeichnung für Phantombild mitklingenden Wortfragmente "Identität" und "Kit" lassen Meles Fundstücke, besonders wenn sie wie im vorderen Ausstellungsraum in Koffern gesammelt sind, als Bausatz verstehen - gewissermassen als Ausrüstung, anhand deren skulpturalen Vermengung und Verschiebung sich unendlich viele Möglichkeiten der Um- und Neupositionierung nicht nur der Objekte sondern auch des Künstlers selbst ergeben. Die Vervielfachung der Koffer - hier sind es dreimal drei vom selben Modell mit schier unerschöpflichen Inhalten - explizieren Meles Intention, umso mehr wenn sich in der zur Eröffnung statt findenden Performance statt einem Martín Mele, plötzlich derer drei an den Koffern zu schaffen machen.

Yasmin Afschar

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