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Gruppenausstellung: Martin van Vreden / Jochen Twelker (vorbei)

13 Dezember 2002 bis 18 Januar 2003
  Martin van Vreden / Jochen Twelker
 
  Thomas Rehbein Galerie

Thomas Rehbein Galerie
Aachener Strasse 5
50674 Köln
Deutschland (Stadtplan)

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tel +49-(0)221-310 10 00
www.rehbein-galerie.de


Jochen Twelker

Jochen Twelkers Bilder sind bunt und wild gemustert. Besser: Die Kleidungsstücke, die auf Jochen Twelkers Bildern den Ton angeben, sind so. In dichter Aneinanderreihung präsentieren sie eine nahezu undurchschaubare Vielfalt an textilen Mustern. Im Dschungel der Tarnungsmöglichkeiten ist nichts unmöglich, anything goes ist die Devise. Offensichtlich kein modisches Understatement, sind die Kombinationen aus Punkten und Streifen, Karos und floralen Elementen (sogar ein Palmenstrand mit Sonnenuntergang wird als tragbares Manschettenmotiv vorgeführt) ein schriller Schrei nach Aufmerksamkeit. Es flirrt und flimmert, die starke Bewegtheit der Oberfläche erzeugt Op-Art-ige Effekte. Jedes Muster will gelesen werden, man fährt das Sortiment mal längs, mal quer ab und versucht dabei eine Regelmäßigkeit und Ordnung der Farbkombinationen und Muster festzustellen. Aber die Kontinuität wird durchbrochen: irritiert hält der Blick an Bruchstellen inne, die einen Schnitt im Rhythmus des Musters markieren und/oder den Verlauf des glatten Stoffes stören. Der verarbeitete Stoff (der hier keinen Körper umhüllt) legt sich in Falten und entwickelt ein Eigenleben. Die Bewegtheit der Muster ist Indikator für die Bewegung des Stoffes. Die Verschiebungen innerhalb der farbigen Muster sind Modellierungen und stehen somit in klarem Verhältnis zur Form/zum Raum.
Jochen Twelkers ältere Bilder weisen ebensolche Unregelmäßigkeiten im Stofffluss auf, nur dass diese eine Körperlichkeit suggerieren. Da spannt sich der Stoff der Oberteile um den Busen, er knittert in der Armbeuge und kräuselt sich unter der Achselhöhle. Die Konturen des Körpers manifestieren sich durch den ungleichmäßigen Verlauf des stofflichen Musters. Auch hier wird die zweidimensionale Farbtextur um die raumgreifende Struktur erweitert. Die Einheitlichkeit des Musters weicht der Variabilität der Körperformen.
Letztlich sind Twelkers Bilder ein raffiniertes Spiel mit gestalterischen Finessen, das die Irritation des Auges inszeniert und die kunsthistorisch-ernste Opposition zwischen Form und Farbe gewitzt karikiert.


Martin van Vreden

Martin van Vreden thematisiert das Sehen.
Der erste, die Oberfläche flüchtig abtastende Blick, erkennt in den kaleidoskopartigen Kompositionen seiner Arbeiten nebeneinander gesetzte quadratische Farbflächen. Durch ihre unterschiedliche Farbintensität gleichsam voneinander abgesetzt, scheinen sie zunächst Bausteine einer ganzheitlichen Bildanlage zu sein.
Entfernt man sich dann von den Arbeiten, führen graduelle Abstufungen von Farbtönen sowie Hell-Dunkel Kontraste das Auge in eine illusorische Tiefe und es entsteht der Eindruck von Dreidimensionalität. Man versucht, den Vordergrund vom Hintergrund zu separieren, die Farbflächen zu sortieren und, wie Puzzleteile, zu einer einheitlichen Komposition zusammenzusetzen. Das Auge bemüht sich, Konturen zu erkennen und einen Gegenstand zu bilden. Es will verbinden, was scheinbar zusammen gehört.
Aber das Fokussieren misslingt, die Unschärfe bleibt. Die Frage nach dem Was des Dargestellten bleibt unbeantwortet, da dessen Materialität selbst fraglich ist.
Van Vreden unterwandert somit das impressionistische Anliegen, durch farbige Auflösung die Formvollendung und Realität des Gegenstandes als Ergebnis der optischen Wahrnehmung darzustellen. Die flimmernden Farbflecken festigen sich hier nicht zu einem klar umrissenen Bild.
Also ist nicht die Auflösung des Gegenstandes, sondern die des Bildes, das Anliegen Martin van Vredens. Die Farbflächen auf seinen Arbeiten sind nicht Facetten eines Gegenstandes, sondern Pixel einer digitalen Fotografie.
Die stark vergrößerte Ansicht der einzelnen Farbeinheiten und die daraus resultierende extreme "close-up" Situation täuschen, lassen sie sich doch nicht auf schlüssige Erkennungsmomente bzw. -merkmale, im Sinne der Bildfindung, zurückführen. Die Ebene des dargestellten Gegenstandes fällt hinter die Ebene der Darstellung zurück. Die formalen Möglichkeiten finden keine Vollendung: die rasterartige Kombination der Farbwerte erzeugt keine Charakteristika, die ein Sujet erkennbar werden ließen. Der Zugang zu den Arbeiten van Vredens wird nicht durch bloßes Sichten und Identifizieren erreicht. Sie stellen eine kategorische Verneinung des gewohnten Sehvorganges, also des Sehens nach bewährten Schemata, dar. Das Bemühen "mehr" zu sehen wird enttäuscht.

Texte: Bettina Deschler

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