Jochen Twelker Martin van Vreden Martin van Vreden thematisiert das Sehen. Der erste, die Oberfläche flüchtig abtastende Blick, erkennt in den kaleidoskopartigen Kompositionen seiner Arbeiten nebeneinander gesetzte quadratische Farbflächen. Durch ihre unterschiedliche Farbintensität gleichsam voneinander abgesetzt, scheinen sie zunächst Bausteine einer ganzheitlichen Bildanlage zu sein. Entfernt man sich dann von den Arbeiten, führen graduelle Abstufungen von Farbtönen sowie Hell-Dunkel Kontraste das Auge in eine illusorische Tiefe und es entsteht der Eindruck von Dreidimensionalität. Man versucht, den Vordergrund vom Hintergrund zu separieren, die Farbflächen zu sortieren und, wie Puzzleteile, zu einer einheitlichen Komposition zusammenzusetzen. Das Auge bemüht sich, Konturen zu erkennen und einen Gegenstand zu bilden. Es will verbinden, was scheinbar zusammen gehört. Aber das Fokussieren misslingt, die Unschärfe bleibt. Die Frage nach dem Was des Dargestellten bleibt unbeantwortet, da dessen Materialität selbst fraglich ist. Van Vreden unterwandert somit das impressionistische Anliegen, durch farbige Auflösung die Formvollendung und Realität des Gegenstandes als Ergebnis der optischen Wahrnehmung darzustellen. Die flimmernden Farbflecken festigen sich hier nicht zu einem klar umrissenen Bild. Also ist nicht die Auflösung des Gegenstandes, sondern die des Bildes, das Anliegen Martin van Vredens. Die Farbflächen auf seinen Arbeiten sind nicht Facetten eines Gegenstandes, sondern Pixel einer digitalen Fotografie. Die stark vergrößerte Ansicht der einzelnen Farbeinheiten und die daraus resultierende extreme "close-up" Situation täuschen, lassen sie sich doch nicht auf schlüssige Erkennungsmomente bzw. -merkmale, im Sinne der Bildfindung, zurückführen. Die Ebene des dargestellten Gegenstandes fällt hinter die Ebene der Darstellung zurück. Die formalen Möglichkeiten finden keine Vollendung: die rasterartige Kombination der Farbwerte erzeugt keine Charakteristika, die ein Sujet erkennbar werden ließen. Der Zugang zu den Arbeiten van Vredens wird nicht durch bloßes Sichten und Identifizieren erreicht. Sie stellen eine kategorische Verneinung des gewohnten Sehvorganges, also des Sehens nach bewährten Schemata, dar. Das Bemühen "mehr" zu sehen wird enttäuscht. Texte: Bettina Deschler | |||||


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