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Einzelausstellung: Mathias Perlet - Fenster zum Hof - Neue Arbeiten des Leipziger Künstlers auf Leinwand (vorbei)

8 Februar 2013 bis 18 April 2013
  Mathias Perlet - Fenster zum Hof - Neue Arbeiten des Leipziger Künstlers auf Leinwand
Mathias Perlet, Hof I, 2010,
Eitempera und Öl auf Leinwand, 200 x 150 cm
 
  Galerie artThiess

Galerie artThiess
Frauenstrasse 12
80469 München
Deutschland (Stadtplan)

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www.artthiess.de


Die Galerie artThiess freut sich nach 2006 und 2008 vom 8. Februar bis 18. April 2013 erneut eine Ausstellung mit Leinwand-Arbeiten des Leipziger Künstlers Mathias Perlet präsentieren zu können.

"Fenster zum Hof" - Der Titel der Ausstellung nimmt nicht zufällig Bezug auf einen von Hitchcocks bekanntesten Filmen, denn ähnlich geheimnisvoll, rätselhaft, fast schon unheimlich sind mitunter die Bilder von Mathias Perlet: Durch die großformatige Darstellung der Figuren und Pflanzen fühlt sich der Betrachter wie ein Voyeur, ähnlich wie die Hauptfigur des Films, der die ganze Zeit die Bewohner des gegenüberliegenden Hauses durch ein Teleobjektiv beobachtet. Durch Kunstgriffe wie die mal fast grelle, mal düstere Lichtstimmung, die scheinbar oft völlige Isoliertheit der Figuren und deren manchmal fast reglos wirkende Körper sowie Geschehnisse im Bild, die den Protagonisten noch verborgen, aber für Außenstehende bereits sichtbar sind, lösen beim Betrachter ein beklemmendes Gefühl aus.

In "Hof I" erscheinen Vorder- und Hintergrund in unterschiedlichem Licht: Während der Himmel zwischen zwei monochrom grauen Flächen, die wie Silhouetten zweier Gebäude anmuten, in ein abendliches Dämmerlicht getaucht ist, wird die Vegetation im Vordergrund von einer hellen Lichtquelle beleuchtet, die sich außerhalb des Bildraumes zu befinden scheint. Gräser, Büsche und Sträucher sind äußerst detailreich und fast schon hyperrealistisch gemalt, jedoch in fast unnatürlichem Türkisgrün, Purpurviolett oder Blau wiedergegeben, wodurch das Bild etwas Unwirkliches erhält. Die völlige Abwesenheit von menschlichen oder tierischen Wesen sowie das Fehlen eines jeden Verweises auf zivilisiertes Leben - die Architekturen besitzen weder Türen noch Fenster und können auch nur als abstrakte Bildkomponenten verstanden werden - verleihen der Szenerie außerdem etwas Bedrohliches. In "Hof 2" wird dieser Eindruck durch die abgestorbenen Bäume verstärkt, die in den von einer dunklen Wolke bedeckten Himmel ragen. Ist dies als Hinweis auf die Gefährdung der Natur, auf die Zurückdrängung natürlicher Lebensräume durch die Zivilisation zu verstehen?

In "Waldesruh" rückt der Mensch in den Mittelpunkt. Die Protagonistin - nackt und schutzlos, auf dem Rücken liegend - ist vollständig von Wald umgeben. Sie scheint zu schlafen, ahnungslos ob der braunen Woge, die unheilvoll über ihr schwebt und beinah auf sie herabzustürzen droht. Bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass die Bäume auf dem Kopf stehen und eigentlich auf einem braunen, lichtbeschienenen Erdhang wachsen, der ebenfalls verkehrt dargestellt ist. Die Situation erinnert an einen Traum: Die Schwerkraft ist aufgehoben, was in Realität von unten nach oben wächst, wird hier ins Gegenteil verkehrt. Steht dieses Bild vielleicht symbolhaft für eine gestörte Harmonie zwischen Mensch und Natur?

Vor dem skizzenhaft, zeichnerischen Hintergrund des Bildes "Tief im Herzen rauscht der Wald" ist ein Junge in sportlich lässiger Kleidung auf dem Ast eines Baumes eingeschlafen. Es scheint als habe sich der jugendliche Mensch in diese offensichtlich weniger reale Welt, in der Bäume und Äste nur mit dunklen Strichen angedeutet sind, hineingeträumt. Einerseits verspricht der Wald und die in ihm herrschende Ruhe eine Art Auszeit und Gegenpol zum stressigen Wachzustand, andererseits wirkt er in seiner urwaldartigen Ungeordnetheit wie ein Spiegel des Gefühlslebens und der Gedankenwelt des Protagonisten.

Über das Geheimnisvolle, Unheimliche hinaus verbindet die Arbeiten Perlets ein melancholischer, romantischer Unterton. Sehnsucht, Einsamkeit, Beziehungen zwischen Menschen sowie zwischen Mensch und Tier oder auch sein Verhältnis zur Natur und die Landschaft selbst sind bestimmende Themen in den Bildern des Leipziger Künstlers. Bildtitel wie "Im Herzen rauscht der Wald" oder auch "Gretchen" verweisen explizit auf Themen und Texte der Romantik.

Mathias Perlet (1958) steht mit seinem Stil in der figürlich-realistischen Tradition der sogenannten "Leipziger Malerschule", absolvierte ein Studium der Malerei und Graphik an der Hochschule Graphik und Buchkunst Leipzig und wurde schließlich Meisterschüler von Arno Rink, aus dessen Schule so hervorragende Maler wie Neo Rauch, Tim Eitel oder Matthias Weischer hervorgegangen sind. Bei Rink erwirbt Perlet in den 1980er Jahren das wichtige Rüstzeug, um seine eigene künstlerische Handschrift kontinuierlich, eigenwillig und sehr erfolgreich weiter zu entwickeln.

Vernissage am Donnerstag, 7. Februar 2013, 18.30 bis 21.00 Uhr
Um 19.00 Uhr führt Regine Scharpff-Thiess in die Ausstellung ein.
Der Künstler wird anwesend sein.

Samstagsöffnung am 2. März 2013, 11.00 bis 15.00 Uhr

Finissage am Donnerstag, 18. April 2013, 18.30 bis 21.00 Uhr

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