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Einzelausstellung: Matten Vogel (vorbei)

10 Dezember 2005 bis 4 Februar 2006
 
 
  Kuckei + Kuckei

Kuckei + Kuckei
Linienstraße (backyard) 158
10115 Berlin
Deutschland (Stadtplan)

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tel +49-(0)30-883 43 54
www.kuckei-kuckei.de


Matten Vogel

10. Dezember 2005 - 4. Februar 2006

Eröffnung: 10. Dezember, 18:00 - 22:00 Uhr

Kuckei + Kuckei freut sich neue Arbeiten von Matten Vogel in der Galerie zu präsentieren. Hierzu sind Sie herzlich eingeladen.



NO
Oder war es NOT?


Wir werden Zeuge eines klassischen Abstraktionsvorganges: Ein partikulares Motiv wird in ein allgemeines Raster überführt, das Abbild einer visuellen Erscheinung wird überwunden, um zu einer Idee, einer Essenz, Substanz, Struktur oder eben zum Quadrat (und manchmal auch zum Pixel) vorzudringen. Das ist Teil des Vorgangs dessen Ergebnis wir in Matten Vogels Serie Not sehen. In all seinen unterschiedlichen Spielarten bestimmte dieser Vorgang wie kein anderer das Kunstgeschehen des letzten Jahrhunderts, man könnte fast sagen das er das Grundmotiv der Moderne ist: Das Partikulare in ein Allgemeines zu überführen, oder im Partikularen die Kompositionsregeln des Allgemeinen heraus zu arbeiten.

Die Bilder, die wir jetzt sehen, haben sich aus zwei vorhergehenden Serien entwickelt: Der Reihe "zensiert von..." und der Reihe "nicht gemalt". In "zensiert von..." werden schwarze Zensurbalken über zentrale und beiläufige Elemente innerhalb gefundener fotografischer Motive gelegt. Das hat vielleicht weniger mit Zensur als solcher zu tun gehabt, als mit der Geste, etwas zum Verschwinden zu bringen, und genauer noch, das Zentrum, den Focus, zum Verschwinden zu bringen. "Zensiert von..." ist damit eine Annäherung an die Gestik der Macht schlechthin: Macht als Potenz, ein Partikulares oder Singuläres in einem Allgemeinen aufzulösen oder es auszulöschen. Die Serie "nicht gemalt" ist wie eine Testreihe zu den jetzt zu sehenden Bildern: In klassischen gemalten Genremotiven werden große Flächen "ausgespart". Das ist schon ganz anders als die Geste des Zensurbalkens, arbeitet sich aber an der Malerei ab, die einen starken Sog ausübt.

In Not ist das Motiv der leeren Mitte aus dieser Umklammerung des gemalten Motivs gelöst, eine Umklammerung, die eben immer noch an Aussparung, Ausmalen etc. denken ließ. Die Grenze zwischen gemalt und nicht gemalt ist jetzt fließend und doch absolut: Das Motiv ist in gleichmäßige monochrome Farbflächen zerlegt, die einem über die ganze Bildfläche gelegten Raster folgen. Die leer gelassenen Farbflächen in der Bildmitte werden damit zu einer eigentlichen Leere, zur Leere des Zentrums.

Die leere Mitte steht hier in einem sich ständig neu definierten, reziproken und doch immer hierarchischen Verhältnis zum identifizierbaren Rand, während das Grundraster für deren gemeinsame Verfassung steht. Es ist die allgemeine Leere, die dem Partikularen ihren Platz zuweist, gleichzeitig aber ist die Leere auch eine Abwesenheit und sogar ein Mangel an Partikularem. Man kennt das Konzept der "Leeren Mitte" auch aus politischen und sozialen Theorien: Die Leere Mitte der Macht erlaubt und zwingt das Partikulare, sich identifizierbar zu machen, eine Identität anzunehmen, sich zu verordnen, spezifisch im Verhältnis zum Allgemeinen zu werden. In diesem Sinne ist die leere Mitte in den Bildern Not ein pulsierendes und doch hermetisches Zentrum, dass das virulente Problem der Notwendigkeit der Leere als Verlust und Gewinn exemplifiziert.

Auszüge aus: No ­ Oder war es Not?, Anselm Franke, 2005

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