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Gruppenausstellung: Matthias Beckmann / Hans Pfrommer - Der Gast (vorbei)

4 November 2011 bis 14 Januar 2012
  Matthias Beckmann / Hans Pfrommer - Der Gast
Matthias Beckmann, Der Maler Hans Pfrommer im Atelier, 2010, Bleistift auf Papier, 29,7x21cm
 
  Emmanuel Walderdorff Galerie

Emmanuel Walderdorff Galerie
Bismarckstraße 70
50672 Köln
Deutschland (Stadtplan)

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tel +49-(0)221-80 11 82-4
www.walderdorff.net


zu Gast Hans Pfrommer

Zur Eröffnung am Freitag, den 04. November 2011, 18-22 Uhr laden wir Sie und Ihre Freunde herzlich ein.

Wenn Matthias Beckmann uns mit einer Serie von Radierungen in Form von Klappaltären einen Einblick in den Kreis seiner Helden gewährt und uns dort beinahe diametral gegenüberliegende Positionen wie Adolph Menzel und E.T.A. Hoffmann, Franz von Assisi und Jacques Tati entgegenblicken, dann ist dies gleichzeitig ein erhellendes Sinnbild für den Konflikt den Beckmann selbst in seiner eigenen Arbeit zu lösen sucht. Die Nüchternheit der klaren Linie von Bleistift auf Papier, die gezielt eine Akzentuierung in den Dingen vermeidet, steht bei Beckmann stets der persönlichen und freien Entscheidung für einen Ausschnitt gegenüber. In gewisser Weise versöhnen so die Zeichnungen Beckmanns die am Affekt ausgerichtete Position Hoffmanns und den Realismus Menzels in einer vielleicht am ehesten als phänomenologisch zu bezeichnenden Herangehensweise.

Die Emmanuel Walderdorff Galerie widmet Matthias Beckmann zum dritten Mal eine Einzelausstellung, die einen Einblick in seine Arbeiten der letzten zwei Jahre geben soll. Im Zentrum der Ausstellung steht eine Zeichenserie aus dem Atelier Hans Pfrommers, die 2010 entstand und den Ausgangspunkt für die spätere Serie der mittlerweile über 60 "Berliner Ateliers" bildete. Im Porträt von Hans Pfrommers Atelier erreicht die Gestik dieser Idee jedoch eine ganz eigene Dimension, denn Beckmann und Pfrommer vereint ein spezifisches Interesse am Komischen. Während Pfrommer dies zum zentralen Wirkungsfeld seiner Kunst macht indem er den Betrachter durch die Verbindung von Text und Bild unmissverständlich darauf stößt, ist die Komik in Beckmanns Arbeit von vorsichtigerer Natur: Sie entsteht durch eine stille Betrachtung, die nicht versucht das allgegenwärtige Nebeneinander von Erhöhtem und Banalem zu vertuschen, sondern es lediglich wiederzugeben wie es erscheint.

Durch die absolute Gleichberechtigung der Dinge, die sich bei Beckmann auch technisch - in der bloßen Kontur -manifestiert, wirken die Gegenstände im Atelier ebenso lebendig wie der Künstler selbst. Das wiederkehrende Motiv des Künstlers, der seine eigene Arbeit mit Messer und Säge malträtiert, verleiht der Serie vor diesem Hintergrund einen komischen, allerdings zugleich auch höchst unheimlichen Ton. Beckmann zeichnet die Arbeit im Atelier als Kampf - als hätte sich die eigene Arbeitsstätte gegen Pfrommer verschworen. Die Gastfreundlichkeit die es Beckmann erlaubte ein derart tiefgehendes Porträt zu zeichnen wird nun zurückgegeben: Durch eine partielle Rekonstruktion des Ateliers in den Räumen der Galerie und mehreren eigenen Malereien wird Hans Pfrommer zum Gast in Beckmanns Ausstellung.

Unter dem Titel "double world" wird auch Beckmanns zweiter Film nach "Keine Tricks" (2008) zu sehen sein. Er besteht wie schon sein Vorgänger aus über 6000 Einzelzeichnungen und führt so die Technik des Trickfilms in seine Ursprünge zurück. Doch anders als bei Beckmanns erstem Film, der ganz ohne dramaturgische Vorgabe eine freie Metamorphose der Gegenstände darstellte, gibt "double world" einen formalen Rahmen vor: Von zwei senkrechten Linien getrennt teilt sich die Bildfläche in zwei parallele Welten in denen sich Alltägliches, Religiöses und Zitiertes selbst und untereinander gegenübertritt. Aus einem undurchsichtigen zeitlichen Verhältnis heraus scheinen die Ereignisse sich gegenseitig abzutasten, stets im Bewusstsein der Barriere. Beckmann spielt dabei mit unserem Bedürfnis, das gleichzeitig Gesehene in ein Verhältnis zu setzen. Durch die Zufälligkeit, in der die Dinge hier aufeinander treffen, entsteht eine faszinierende Poesie des Alltags.

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