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 Adressbuch von Kurt Schwitters, Merzgebiet 1 a, ca. 1922-1928, Notizbuch ca. 16,5 x 10,5 cm, Schwitters-Archiv Hannover, Leihgabe der Kurt und Ernst Schwitters | | |
Merzgebiete - Kurt Schwitters und seine Freunde
8. Oktober 2006-4. Februar 2007
Trotz zahlreicher Schwitters-Retrospektiven in den letzten Jahren wurden die Entstehung und der Entwicklungsverlauf seines Werkes noch nie im Zusammenhang mit den künstlerischen Strömungen seiner Zeit dargestellt. Die Ausstellung im Sprengel Museum Hannover zeigt Kurt Schwitters (1887-1948) als einen wichtigen Vertreter der internationalen Avantgarde und fokussiert zugleich den ganz eigenen Beitrag des Merzkünstlers zur Entwicklung der Mo-derne.
Die Adressbücher von Kurt Schwitters, die er nach so genannten "Merzgebieten" ordnete, enthalten eine Fülle illustrer Namen von Künstlern, Galeristen, Verlegern und Sammlern. Sie weisen auf sein internationales Netzwerk hin, das sich, ausgehend von Hannover, über Basel und Zürich nach Rom und von Prag über Berlin, Paris und Rotterdam bis nach New York er-streckte. Er stand mit Vertretern der internationalen Avantgarde in regem künstlerischem Austausch und verstand es, diese auch untereinander zu vernetzen. Diese wechselseitigen Einflüsse prägten offensichtlich die Entwicklung und das Erscheinungsbild nicht nur seines eigenen vielfältigen Werks sondern auch das seiner Freunde.
Während des Ersten Weltkrieges fand Schwitters in Auseinandersetzung mit dem Werk ex-pressionistischer und kubistischer Künstler zu einer abstrakten Formensprache. 1918, dem Entstehungsjahr seiner Merzkunst, begegnete er in Berlin den Dadaisten Arp, Hausmann und Hannah Höch, mit denen ihn eine lebenslange Freundschaft verband. Auch mit den De Stijl-Künstlern in Holland, allen voran Theo van Doesburg, stand er später in engem Kontakt, ebenso wie mit den Konstruktivisten László Moholy-Nagy und El Lissitzky. Viele gemeinsame Publikationen, Ausstellungen und wechselseitig gewidmete Werke zeugen von einer produk-tiven Kooperation. Häufig wurde Schwitters von seinen Freunden in Hannover besucht.
1927 gründete er u.a. mit Friedrich Vordemberge-Gildewart die Gruppe die abstrakten han-nover und war Mitbegründer des Ring "neue werbegestalter", einer Gruppe Typografen, der auch Jan Tschichold und Willi Baumeister angehörten. 1929 trat er der internationalen Künst-lervereinigung Cercle et Carré in Paris und 1931 deren Nachfolgegruppe Abstraction-Création bei, die an der Abstraktion als universaler Bildsprache festhielt. Auch im Exil suchte der be-gnadete "networker" den Austausch mit gleichgesinnten Kollegen. So hatte er in seiner Lon-doner Zeit ab 1941 vielfältige Kontakte zu Vertretern der englischen Avantgarde wie Ben Nicholson und Barbara Hepworth.
Leihgaben aus den bedeutendsten Museen der Welt wie etwa dem New Yorker Museum of Modern Art oder der Berliner Nationalgalerie ergänzen eine Auswahl aus den reichen Hanno-veraner Beständen. Die Ausstellung zeigt über 300 Gemälde, Assemblagen, Collagen, Reliefs und Skulpturen sowie zahlreiche Dokumente. Neben Werken von Kurt Schwitters sind u. a. Arbeiten von Arp, Van Doesburg, Hannah Höch, Lissitzky, Moholy-Nagy, Kandinsky, Sophie Taeuber-Arp, Herbin, Mondrian und Klee zu sehen.
Die Ausstellung ist eine Kooperation des Sprengel Museum Hannover mit der Kurt und Ernst Schwitters Stiftung und dem Museum Boijmans Van Beuningen in Rotterdam.
Es erscheint ein Katalog (dt./engl.) mit zahlreichen Abbildungen zum Preis von € 20,00. |