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Für seine Arbeit, die mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde, darunter mit dem Monsignore Otto Mauer Preis, nutzt MICHAEL KIENZER unterschiedlichste Medien; in Objekten, Installationen und Zeichnungen nähert er sich in verschiedenen Ansätzen den Themen Raum, Zeit, Fläche, Verdichtung, Materialität, Abbild und Original an. Seine skulpturalen Interventionen sind zumeist ortsbezogen, arbeiten mit den Mitteln des gegebenen Raums. Auf lapidare Weise machen so etwa zwei quer durch einen Raum verspannte, nur durch sich selbst und die Wände gestützte Aluminiumplatten auf das Wirken physikalischer Kräfte aufmerksam, verschieben diese und verändern so die Sicht des Betrachters auf zunächst unverrückbar erscheinende Strukturen.
Einige Arbeiten Kienzers, vor allem jene, die im öffentlichen und halböffentlichen Raum angesiedelt sind, laden den Betrachter zum Partizipieren ein. Als kommunikatives Kunstwerk bezeichnet der Künstler den aus 30 Türen gebildeten Raum, der im Wiener MUMOK im Rahmen der Skulpturenreihe „Out Site" zu sehen und - als wesentlicher Aspekt - zu begehen war: Gelangen konnte man hier in einen Schwellen-, einen Zwischenraum. Für seine aktuelle Installation "hanging around" im Bruno Kreisky Park hat der Künstler Hängematten zwischen Bäumen verspannt, die das Dazwischen akzentuieren, benutzbar und erfahrbar machen. Auch hier bildet das Spannen und Verknotung das Prinzip der Konstruktion und Darstellung.
Ihren stärksten Ausdruck findet diese Figur in Skulpturen, bei denen Drähte, Rohre, Seile oder Gummibänder zu unentwirrbare Knäuel verflochten werden, Einheiten verschiedener Materialität bilden. Das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Materialen lenkt das Augenmerk auf deren Eigenschaften - das Glatte, Raue, Dehnbare, Steife - und darauf, wie diese Eigenschaften aufeinander wirken. Das Material selbst ist ein wichtiges Thema bei Michael Kienzer. Meist werden Halbfabrikate wie Drähte, Glas- und Aluminiumplatten, Stangen, Seile, Gummibänder eingesetzt, aber auch Alltagsgegenstände wie Klebebänder, Blechdosen, Glasflaschen, Radiergummis, diese jedoch nicht im Sinne von Ready-Made.
Das Material, die Gegenstände wirken oder sind neu, unbehandelt, tragen keine Spuren, haben keine Geschichte und stellen in ihrer jeweiligen Funktion im Kunstwerk eine pure Präsenz dar. Ihre Komposition wirft die Frage nach ihren Beschaffenheits und Kräfteverhältnissen auf: Wenn Rollen von Klebebändern zu einer scheinbar tragenden Säule aufeinander getürmt, Telefonzellen aufeinander gestellt werden, ein Farbdosenstapel eine tragende Alustrebe einer Installation ersetzt oder ein Klebeband einen Heliumballon in der Luft fixiert, wird eine Ordnung der Dinge und der Kräfte überprüft. Der Blick ist ein pragmatisch-ironischer, das Kunstwerk bar jeder Narrativität. "Was ist Kunst?" fragt die Schriftstellerin Dubravka Ugresic in ihrem Roman "Das Museum der bedingungslosen Kapitulation" einen Freund. "Eine Tätigkeit, die mit der Überwindung von Schwerkraft zu tun hat, aber nicht mit dem Fliegen." (sh)
MARKUS WILFLING beschäftigt sich seit Anbeginn an auch mit dem erweiterten Feld der Skulptur. Wobei hier sein Ansatz vor dem Hintergrund gesehen werden muss, dass Objekte heute kaum mehr als Vermittler von Inhalten funktionieren. Zudem vereint der Künstler mit Vorliebe Skulptur, Möbel und örtliche Gegebenheiten.
In der Galerie fordert er die Besucher auf, die Ausstellung nicht nur passiv zu betrachten, sondern seine Arbeiten aktiv zu erforschen und zu enträtseln und stellt gleichzeitig die Funktion der gezeigten Arbeiten, die oft Ready-Made-Charakter besitzen, in Frage.
Wilfling, dessen öffentlicher Bekanntheitsgrad 2003 mit der dreidimensionalen Materialisierung des Grazer Uhrturmschattens anlässlich des Kulturhauptstadtjahres Europas gestiegen ist, thematisiert zudem mit Vorliebe auch sg. Spiegelungen und Schatten. Er vergegenständlicht Spiegelung und Schatten, diese natürlichen, aber "unstofflichen" Erscheinungen. Beiden gehören in die physikalische Welt, ohne aber materiell zu sein. Beide sind Abbildungen realer Objekte mit unterschiedlichen Eigenschaften. Der plane Spiegel zeigt symetrische, nicht verzerrte, fotorealistische Abbildungen, der Schatten ist eine dunkle, flache Projektion, dessen Form abhängig von Lichteinfall ist. Beide sind in ihrer Koexistenz abhängig etwa vom Lichteinfall und erweisen sich als flüchtig und veränderlich.
Der PROJEKTRAUM VIKTOR BUCHER zeigt im Rahmen der aktuellen Ausstellung eine eigens konzipierte Installation. Das ' ' ist eine begehbare Rauminstalltion, die Offenheit oder Geschlossenheit je nach Blickwinkel des Betrachters vortäuscht.
Markus Wilfling geht es in erster Linie um Irritation u. Hinterfragen vorgefasster Wahrnehmungsstrukturen. Die Wirklichkeit wird so unberechenbar und unvorhersehbar, In der eigens für die aktuelle Ausstellung konzipierten Arbeit scheinen so die Grenzen zwischen Innen und Außen, zwischen Nähe und Ferne aufgehoben zu sein. So entsteht für den Betrachter ein sinnliches Betätigungsfeld, das zum Benutzen u. Entdecken einlädt.
Begleitende Veranstaltungen zur VIENNA ARTWEEK 2009:
SAMSTAG, 21. November 2009
2:00 p.m.
Guided off-space tour
register for this event: registration@viennaartweek.at
»… full of lies! - eSeLs Tall-Tale Tour of the 2nd Viennese district.« Artist/curator/performer eSeL (Lorenz Seidler) guides a tour of the 2nd district and its art scene.
14.00 Uhr
Guided Off-Space Tour
für dieses Event registrieren: registration@viennaartweek.at
»… full of lies! - eSeLs Lügentour durch den 2. Bezirk«. Künstler/Kurator/Performer eSeL (Lorenz Seidler) führt durch den 2. Bezirk.
16 Uhr What's Street Art Doing in a Gallery?
Mit Nicolas Chenus, Berater für urbane Kunst und Herausgeber des Graffiti Art Magazine, Paris, Viktor Bucher, Galerist, Projektraum Viktor Bucher, Wien, Nathalie Halgand und Nicholas Platzer, Gründer der Galerie INOPERAbLE, Wien, Valériane Mondot, Kuratorin und Leiterin der Taxie Gallery, Paris und Clemens Wolf, Künstler, Wien. Moderation: Doris Rothauer, Büro für Transfer, Wien.
Hotel Le Méridien, Opernring 13, Wien 1. Initiiert von der Galerie INOPERAbLE. www.inoperable.at |