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Einzelausstellung: Michael Kunze - Das Mohnfeld unterwandert die Markierung ERROR (vorbei)

30 Oktober 2002 bis 11 Dezember 2002
  Michael Kunze - <i>Das Mohnfeld unterwandert die Markierung ERROR</i>
Mohnfeld 1, 2002, Öl auf Leinwand, 200 x 146 cm
 
  Thomas Rehbein Galerie

Thomas Rehbein Galerie
Aachener Strasse 5
50674 Köln
Deutschland (Stadtplan)

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www.rehbein-galerie.de


I

Die vierteilige Arbeit kann in 13 unterschiedlichen Varianten zusammengesetzt werden ( 5 zweiteilige, 6 dreiteilige, 2 vierteilige). Ausgangspunkt der Teilbarkeit/Versetzbarkeit des Bildes ist die Unterscheidung zweier parallel zueinander stehender Wandflächen in der Fuge zwischen den ersten zwei Bildtafeln. Da sich der gemeinsame Fluchtpunkt genau auf dem Spalt befindet, kann da, wo sich die Wände voneinander abheben, keine Verkürzung erkennbar sein. Die horizontalen Fugen der Wandverkleidung stoßen in der vertikalen Fuge zwischen den Bildern so versetzt aufeinander, daß der Anschein entsteht, es handle sich um eine gleichbleibende Ebene, bei deren Darstellung lediglich ein Zwischenstück fehlt. Nur das verkehrt aufgestellte Boot führt tatsächlich von einer Bildhälfte zur anderen und ist damit auch wirklich/technisch - wie die ganze Bildfläche - geteilt. Durch seine Teilbarkeit bildet es das einzige Verbindungsglied zu Teil 3: Der Blick durch den Spalt wird hier in einen Raum geführt, der sich entweder zwischen den Täfelungen, Wandebenen, Bildflächen befindet, oder dahinter. Sowohl das gekippte Boot, als auch der Fluchtpunkt haben sich verdoppelt. Die Trennungslinie als Mittel zur Vervielfältigung der Ansichten verleiht dem bloßen Strich innerhalb des illusionistischen Systems bei zunehmender Näherung räumliche Tiefe. Sie kündigt sich zunächst durch einen Abwassergraben an (Teil 2), der noch vor der geschlossenen Wand liegt, und sie erscheint dann auf Teil 4 als eine Schlucht, die das gesamte Festland teilt: Der frei werdende Horizont als die einzige Waagrechte von Bedeutung gibt jetzt jenem Rahmen seine Breite, der die links und rechts abbrechende Architektur um eine Szenerie schließt, die als Loop durch Kopien aller Bildteile sich ins Unendliche fortsetzen ließe. Indem linke und rechte Seite (Teil 1 und 2) der ursprünglichen Wandfläche austauschbar werden, da sich die unterscheidbaren Wände auf verschiedenen Landteilen befinden, spaltet sich die erste mißverständliche Fuge zuletzt in die zwei Außenkanten eines willkürlich begrenzten Panoramas auf. Die Frage aber, ob sich dergleichen zuletzt oder nicht zuletzt ereignet, darf offen bleiben.

II

Damit der Mohnanbau von den Unterwanderern des Drogenmarktes unentdeckt bleibt, tarnt sich das junge Bauernpaar und führt ablenkende Handlungen aus, es schüttet Wein auf die erodierten Böden, es kühlt sich an der Sonne und sonnt sich unter provisorischen Dächern. Während der Mann in Kleidern unter der Dusche steht, hängt seine schwebende Braut dieselben Kleider schon an die Wäscheleine: Während Wassertropfen sich in Sandkörner verwandeln, legt die unmögliche Gleichzeitigkeit gegen den Strich die Vermutung nahe, daß der entscheidende Moment des Sich-Ausziehens übersprungen wurde. Er wurde dazu benutzt, das Mohnfeld in der jeweils maximal umstrittenen Grenzregion zu plazieren, so daß es zur Drogengewinnung nur deshalb erhalten bleibt, weil größere Verwicklungen - z.B. Kriege unter Nachbarstaaten - vermieden werden sollen. Sobald sich die Grenzverläufe aber klären lassen und die streitenden Parteien sich auf eine gemeinsame Bekämpfung des Übels einigen können, wird das Feld in eine andere Region verlegt, und die Geschichte beginnt von Neuem.

(MK)

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