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Einzelausstellung: Michael Nitsche - No Sleep ´til Ragnarök (vorbei)

8 Mai 2009 bis 27 Juni 2009
  Michael Nitsche - No Sleep ´til Ragnarök
"O.T. (Dog Soldier)", 2007, Höhe:97 cm, versch. Materialien.
Courtesy Galerie Michaela Stock /Michael Nitsche
 
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Schleifmühlgasse 18
1040 Wien
Österreich (Stadtplan)

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MICHAEL NITSCHE

No Sleep ´til Ragnarök
Plastiken und Zeichnungen

Vernissage
: Donnerstag, 07.05.2009 um 19 Uhr
Zur Eröffnung spricht: Dr. Berthold Ecker


Michael Nitsches figürliche Plastiken sind Montagen aus gebrauchten und ausrangierten Materialien. Kunstpelze, Altkleider, Stofftierreste, Schädel und Geweihe bilden die Grundlage, aus denen der Künstler hybride Wesen formt, die aus einer anderen Welt zu kommen scheinen. Jede seiner Plastiken hat der Künstler mit heissem Paraffin übergossen, wodurch sie diese typische Oberflächentextur erhalten, die gleichzeitig flüssig und fest erscheint. Stofflichkeit, Farbe und Ausdruck der Figuren verändern sich völlig durch das Einwirken des Paraffins. Was zunächst vertraut wirkte, mutiert und scheint damit zu beginnen, ein eigenes Leben zu führen. Der Charakter der Plastiken Michael Nitsches und seine Art der Materialnutzung entsprechen dem Ansatz einer heutigen Künstlergeneration. Das New Museum in New York nannte diese bildhauerischen Formen unlängst "Unmonumental", womit weniger ein Stil als ein Haltung angedeutet wird. Ein Satz künstlerischer Strategien, in denen Fundstücke, künstliche Objekte, gebrauchte Skulpturen und Müll benutzt werden. Diese eklektischen, unordentlichen und hybriden Skulpturen spiegeln eine fragmentierte und gleichzeitig von materiellem Überfluss bestimmte Welt, die von einem nervösen Gefühl der Paranoia bestimmt wird.

Nitsches Plastiken aus ausrangierten Materialien passen zu dem, was man unmonumental nennen könnte. Es sind spielerische Antihelden, die als Teil einer fantastischen Welt ein Gegengewicht zum Alltag bilden. Auch in den Zeichnungen tobt diese Fantasiewelt, die wohl am Besten als Groteske zu beschreiben ist. Die gezeichneten Gestalten existieren in einer Sphäre, in der Hemmungslosigkeit zu einem ständigen Zustand geworden ist. Man fühlt sich an mittelalterliche Hieronymus Bosch-artige Szenen erinnert, in denen die Verführungen des irdischen Daseins und die Todsünden Hand in Hand gehen und gemeinsam einen Zustand finden, in dem es weder gut noch böse gibt.

Die Antihelden Nitsches verbinden kindliche Unschuld mit den Schattenseiten des Ewachsenendaseins. Aber der Künstler suggeriert, als gebe es mehr als diese simple Zweiteilung. Es scheint, als greife er in Denk- und Wahrnehmungsautomatismen ein. Festgelegte Assoziationen gelten nicht mehr. So wie die Objekte in den Wunderkammern des Barock mehrheitlich noch unbekannt waren und erforscht werden sollten, so scheinen sich auch seine Plastiken in einer Zwischenzone zu befinden, in der man nach Wörtern sucht, um ihre Bedeutung zu erfassen. Eine Bedeutung, die ungeachtet ihrer Doppelsinnigkeit auf eine psychische Art und Weise höchst direkt ist. Das undefinierte und manchmal schmutzige dieser Plastiken spricht den Betrachter sehr direkt an und lässt ihn in einem unbestimmten Gefühl zurück, das so gut zu diesen Charakteren passt, die zugleich Abneigung und Mitgefühl erwecken. Genauso wie man früher über die Raritäten in der Wunderkammer staunte, so kann man sich heute von den Geschöpfen in Nitsches albtraumartigem, prachtvollen Universum in Staunen versetzen lassen.

Text von Laurie Cluitmans aus dem Katalog Michael Nitsche "No Sleep ´til Ragnarök", 2008

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