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Gruppenausstellung: Micheline Chez Mai 36 (vorbei)

16 Januar 2010 bis 27 Februar 2010
  Micheline Chez Mai 36
Daan van Golden
Celuy Qui Fut Pris
Öl auf Leinwand, 200 x 125 cm
Courtesy ist Mai 36 Galerie, Zürich
 
  Mai 36 Galerie

Mai 36 Galerie
Rämistrasse 37
8001 Zürich
Schweiz (Stadtplan)

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tel +41 1 261 68 80
www.mai36.com


Nach 30 Jahren Galerietätigkeit und einer langjährigen Freundschaft mit der Mai 36 Galerie, hat Victor Gisler die Kollegin Micheline Tob-Szwajcer aus Belgien eingeladen eine Ausstellung zu kuratieren. Micheline Tob-Szwajcer hat fünf Künstler verschiedener Nationalitäten ausgewählt, die konzeptuell arbeiten und ihr Werk ausserdem malerischen Fragestellungen widmen. Die in der Ausstellung gezeigten Arbeiten bewegen sich in einer grossen Spannweite zwischen reiner Malerei mit auto-referentiellen Ansprüchen über klare, präzis formulierte ideologische Haltungen bis hin zu gattungssprengenden Attitüden.

Bernard Frize (*1954 in Saint-Mandé, Frankreich) macht das eigentliche Malen zum Thema seiner Werke. Er spielt mit dem Zufall und lässt die Wahl der Farbe, des Pinsels und des Leinwandformats geschehen, indem er sie der Natur oder seinem Einfallsreichtum überlässt. Somit bestimmt Frize lediglich die Struktur oder die Weise, mit der die Farben mit einfachen Pinselstrichen über die Leinwand gestrichen werden und sich auf der Oberfläche ausdehnen. Selbst wenn Frize die Farbe direkt auf die Leinwand giesst, trifft er etwa im Gegensatz zu Jackson Pollock und seinen Drippings keine Entscheidungen. Seine Kompositionen können, aber müssen sich nicht entwickeln; entscheidend ist nur der unmittelbare Niederschlag der Farben auf der Leinwand.

Daan van Golden (*1936 in Holland) macht keinen Unterschied zwischen Kunst und Leben. Ästhetisch Ansprechendes entdeckt er im Alltag und zeigt uns vertraute Dinge auf eine ungewohnte Weise. So eignet er sich Bilder aus seinem Umfeld an, indem er sonderbare Augenblicke festhält, die er entweder fotografiert oder malerisch umsetzt. Die neuen Werke kombiniert er vielfach mit bestehenden (Gemälde, Fotos, Siebdrucke); und indem er sie zu immer neuen Konstellationen anordnet, knüpft er verschiedenartigste Beziehungen untereinander. Wenn er dabei Malerei und Fotografie miteinander in Dialog treten lässt, erscheinen seine Arbeiten immer wieder unter neuen Gesichtspunkten. Das Gemälde Celuy qui fut pris, 2007, scheint von einer Entführung zu handeln und mutet wie ein Scherenschnitt an. In dieser Hinsicht kommuniziert es mit der Fotografie eines hellgelben Frauenporträts auf einem schwarzen, medaillonförmigen Hintergrund.

Mit Scherenschnitten verwandt sind auch die Arbeiten von Guy Mees (1935-2003): bunte, linienartig gebildete, an die kahle Wand geheftete Papierstreifen. Obwohl sie äusserst reduziert und zweidimensional angelegt sind, evozieren sie etwa durch die verschiedenen Grün- oder Blautöne Helligkeit und Schatten. Dadurch erhalten sie eine räumliche Dimension. Verloren Ruimte, also "verlorener Raum" betitelte Guy Mees diese Serie. Dabei handelt es sich eigentlich um zwei recht unterschiedliche Werkgruppen, die den "verlorenen Raum" in der modernen Kunst thematisieren: Die Arbeiten der ersten Gruppe entstanden zwischen 1960 und 1967 und diejenigen der zweiten zwischen Mitte der achtziger und den frühen neunziger Jahren. Die Arbeiten aus den sechziger Jahren bestehen aus Spitzengewebe und häufig auch aus rosafarbenem, blauem oder weissem Neonlicht; alles Materialien, die eine sinnlich erotisch aufgeladene Welt voller romantischer Momente suggerieren.

Dagegen vermitteln die späteren Wandbilder den Zugang zu einem anderen imaginären Raum, und sind damit mit klassischen Bildern vergleichbar. Gleichzeitig können sie als neutrale Werke interpretiert werden, welche die Aufmerksamkeit ausschliesslich auf sich selbst lenken.

Christopher Wool (*1955 in Boston, Massachusetts) führt in seinen Gemälden Figuratives und Nonfiguratives zusammen und gegeneinander. Bald durchdacht, bald spontan sprüht er, wischt und rollt er. So zeichnet er mit der Sprühpistole Linien auf die Leinwand, die er kurz darauf mit einem in Lösungsmittel getränkten Tuch wieder auswischt. Dadurch entsteht ein neues Bild, in dem sich klare Linien gegen verwischte Flächen behaupten müssen. Diese in ihrem Selbstbehauptungswillen begriffenen Linien erzeugen eine unglaubliche Dynamik. Wools Gemälde breiten die ganze Vielfalt seiner Techniken aus. Auch in seinen Siebdrucken auf Papier begegnen wir seinem Interesse an abstrahierenden Prozessen, namentlich am Verhältnis von Linie und Fläche.

Die Arbeiten von Heimo Zobernig (*1958 in Mauthen, Kärnten) sind gekennzeichnet von einer lakonischen und formal wie ästhetisch extrem reduzierten Ökonomie. Ursprünglich kommt Zobernig aus dem Kreise des Wiener Neo-Geo und hat die Minimal Art und die Konzeptkunst mannigfach revisioniert. Seine Objekte, Skulpturen, Räume, Malereien und Videos entziehen sich einer eindeutigen Rezeption; vielmehr verwischt der Künstler die Grenzen zwischen abstrakter Kunst, Design und Architektur. Vielleicht mit ein Grund, dass sich seine Werke vielfach betont unkünstlerisch präsentieren, wenngleich sie extrem durchdacht sind. Mitte der neunziger Jahre malte Zobernig Streifenbilder, die in ihrer grafischen Anordnung an Testbilder von Fernsehmonitoren erinnern. Die vertikalen Blockstreifen verweigern in ihrer Formstrenge einen expliziten malerischen Gestus. Eine der neuesten Werkserien Zobernigs besteht aus monochrom grundierten Leinwänden, auf die in verschwenderischen Mengen kostbare Swarovski-Steine geklebt sind. Ganz entgegen seiner sonstigen Haltung, mit lapidaren Materialien, den Wert des Kunstwerks in Frage zu stellen, unterläuft der Künstler hier die Strenge und Radikalität der reduzierten Malerei und schäckert mit Pop-artigen, barocken Attitüden. [Text: Dominique von Burg]

Vernissage ist am Samstag, 16. Januar 2010 von 11 bis 16 Uhr. Micheline Tob-Szwajcer wird anwesend sein. Auf Anfrage lassen wir Ihnen gerne Bildmaterial zukommen (office@mai36.com).

Wir freuen uns, Sie in der Galerie zu begrüssen und danken Ihnen für Ihr Interesse.

Mai 36 Galerie

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