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Einzelausstellung: Migu M. Syed - Malerei, Topografien von Menschenhand (vorbei)

5 September 2008 bis 7 Oktober 2008
  Migu M. Syed - Malerei, Topografien von Menschenhand
Blauer Hafen, 130 x 150 cm, Acryl auf Leinwand
 
  Planet Vivid Gallery

Planet Vivid Gallery
Weckmarkt 1
60311 Frankfurt/Main
Deutschland (Stadtplan)

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Topografien von Menschenhand
Malerei | Painting

MIGU M. SYED

Eröffnung
: Freitag, 5. September, 19 Uhr

Ausstellungsdauer: 5. September - 7. Oktober 2008

MIGU M. SYED *1962 in Stuttgart (D). 1985-88 Studium der Malerei, UdK, Berlin. 1988-94 Studium der Bildhauerei, UdK, Berlin. 1995 Meisterschüler der Universität der Künste, Berlin. Seit 1995 regelmäßige internationale Ausstellungstätigkeit, Projekte im öffentlichen Raum, Kunstpreise. 1998-2002 Lehrauftrag für Freies Zeichnen (FH Darmstadt). 2002-06 Lehrauftrag für Architekturzeichnen und Freie Plastik (FH Wiesbaden). Lebt und arbeitet in Frankfurt und Offenbach am Main und Denzlingen im Breisgau.

Es ist unschwer erkennbar, daß Migu M. Syed in seinen Bildern Ansichten des Mains in Frankfurt variiert. Dabei zeigt er stets auch das, was einen schiffbaren Fluß ausmacht, nämlich Wasserstraße zu sein für industriellen Warentransport. Anders als die Architektur-zeichnungen sind diese Bilder zunächst als Landschaftsbilder anzusprechen, genauer: als industrielle Flußlandschaften. Und es ist nicht allzu schwierig, sie in ihrer Gegenstandsdarstellung einer kunsthistorischen Verortung zu unterziehen. Vordergründig stehen sie in der Tradition der Industrielandschaften, wie sie bereits in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Ländern wie England ent-standen waren und sich in Deutschland erst in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts durchsetzten. In ihrer Eigenschaft als topografische Landschaften reichen ihre Traditionen allerdings etwas weiter zurück. Wobei man an die Anfang des 18. Jahrhunderts entstandene italienische Vedutenmalerei zu denken hat, als deren Hauptvertreter Giovanni Antonio Canal, genannt Canaletto, gilt.

Aber wie sind diese Bilder gestaltet? Betrachten wir exemplarisch das Bild „Blauer Hafen". Auffallend ist, daß keine der Farben in den von ihr belegten Bildbereichen in sich abgestuft ist. Syed malt nichts als Farbflächen. Die Welt der Dinge und der Raum, in dem sie sich befinden, entsteht allein durch die Perspektive. Und die wiederum entsteht durch eine hochdifferenzierte Abgrenzung der Farbflächen. Und doch ist das Bild nicht ganz leblos. Denn es finden sich Reflexe etwa an der Brücke und den Gebäuden in einem durchgehend identischen Orangeton gegeben, die einen Sonnenuntergang - oder einen Sonnenaufgang? - erkennen lassen. Insofern beschreibt das Bild nicht nur einen Ort sondern auch mindestens einen möglichen Zeitpunkt. Dennoch kommt der Mensch als Individuum in diesem Bild nicht vor. Stattdessen finden wir seine Werke, die sich darstellen etwa in industrieller Architektur und - mehr noch - in einer vollkommenen Vernutzung der Landschaft durch die industrielle Produktion.

Der Betrachter steht einer außerordentlichen Distanz zum dargestellten Gegenstand gegenüber. Es fehlt nicht nur der Mensch, es fehlt zudem jede Spur aktueller Arbeit, wie sie sich etwa in Schrotthalden, Ölverschmutzungen, Rostspuren und ähnlichem zeigen würden. In diesem Malstil bezieht sich Migu M. Syed auf den amerikanischen „Präzisionismus" der 20er und 30er Jahre des 20. Jahrhunderts. Ausgehend von den Stilmitteln des „Kubismus" und des „Purismus", aber auch in künstlerischer Korrespondenz zur „Neuen Sachlichkeit", gestalteten Maler wie Charles Sheeler oder Niles Spencer ihre Bilder unter konsequenter Verwendung gerader Linien und geschlossener Flächen in streng formalen und geometrischen Anordnungen. Das bewirkte eine weitgehende Abstrahierung der dargestellten Wirklichkeit, ohne dass allerdings ihre innere Ordnung zerstört worden wäre.

Die Entfernung der Natur aus dem Landschaftsbild ist ein in der Kunstgeschichte lange reflektiertes Thema und bezieht sich auf die Landschaftsmalerei, seit sie im späten Mittelalter entstanden ist. In dem Maße, wie sich der Mensch in der ihn umgebenden Landschaft und Natur stets selbst zu definieren hatte, befanden sich die davon gefertigten Bilder und das jeweilige Bewußtsein über die menschliche Existenz, das immer auch ein gesellschaftliches Bewußtsein war, in einer andauernden kritischen Korrespondenz. Fragen wir vor diesen Bildern danach, müssen wir feststellen, daß der Mensch nicht nur als Naturwesen nicht in Erscheinung tritt. Auch ist er als gesellschaftliches Wesen als derjenige, der seine Arbeitskraft in die gesellschaftliche Produktion, unter welchen Bedingungen auch immer, einbringt, ausgeschlossen.

Insofern begegnen wir hier einer hochaktuellen und durchaus sozialkritischen Haltung, die es uns erlaubt, das Fenster zur „Neuen Sachlichkeit" erneut zu öffnen. In ihrem Verzicht auf sinnliche Dynamik zugunsten einer distanzierten, emotionsfernen Darstellung der Wirklichkeit bildet sie einen deutlichen Bezugspunkt für Syeds Bilder. Was eben nicht auf der Hand liegt, ist der Umstand, dass gerade in dem, was nicht abgebildet ist, die persönliche Perspektive des Künstlers erkennbar wird.

Quelle: Rede zur Ausstellung „Malerei und Zeichnung von Migu M. Syed", Dr. Uwe Geese, Kunsthistoriker

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