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Gruppenausstellung: Minimalism and After IV (vorbei)

29 Juli 2005 bis 26 März 2006
  Minimalism and After IV
Mathias Göritz
Stahlskulptur, 7-teilig; 1974
Masse Variabel; 30cm Höhe
 
  Daimler Contemporary

Daimler Contemporary
Alte Potsdamer Str. 5
10785 Berlin
Deutschland (Stadtplan)

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tel +49-(0)30-259 41 420
www.sammlung.daimler.com


Die vierte Folge unserer 2001 begonnenen Ausstellungsreihe ›Minimalism and After‹ fokussiert zwei geographische sowie einen diese übergreifenden inhaltlichen Schwerpunkt.
Ein erster geographischer Fokus richtet sich auf exemplarische Positionen reduzierter, geometrisch- abstrakter Malerei im Großbritannien der 1960er Jahre sowie auf aktuelle Weiterentwicklungen dieser Vorläufer in der jungen britischen Kunst der 1990er Jahre.

Ein zweiter geographischer Fokus führt die in ›Minimalism and After‹ 2001 bis 2004 bereits grundgelegten Ergänzungen der Sammlung DaimlerChrysler im Bereich amerikanischer minimalistischer Bildpositionen weiter - auch hier mit einem Brückenschlag zu aktuellen Positionen in den USA, welche die Definitionen und Haltungen der Nachkriegsklassiker aufgreifen und weiter bearbeiten.

Ein übergreifender, inhaltlich-thematischer Schwerpunkt ist mit Bildern, Skulpturen, Zeichnungen und Videos gegeben, die sich mit dem Verhältnis von minimalistischer Objektkonzeption und gebautem Raum befassen: als konzeptuelle Recherche, als artifiziell-modularer Raumentwurf, als reales Architekturmodell oder als klang-bildliche Erweiterung unserer Raumerfahrung.


Rund dreißig Neuerwerbungen von 24 Künstler/innen werden vorgestellt, darunter Schlüsselwerke abstrakt-minimalistischer Wegweiser wie Michael Heizer (USA), Jeremy Moon (GB), Michael Kidner (GB) oder Marcia Hafif (USA) neben jüngsten Entwicklungen wie Jim Lambie (GB), Ian Davenport (GB) und Tom Sachs (USA).

Die weitergehende thematische Konzentration in ›Minimalism and After IV‹ zu Fragen von Architektur und Raum vereint Skulpturen u.a. von Julian Opie (GB) und Mathias Goeritz (D / MEX), Fotografien von Dan Graham (USA), Santiago Sierra (E) und Attila Csörgö (H) sowie eine Soundinstallation von Katarina Löfström (S).

Geometrische Abstraktion, prototypische minimalistische Bildkonzepte oder Beispiele von Hard Edge Malerei, Post Painterly Abstraction oder Systemic Painting sind in Großbritannien seit etwa 1950 zwar zum Teil qualitativ herausragend präsent, jedoch bis vor wenigen Jahren in der kunsthistorischen Rezeption weitgehend ausgeblendet worden.
Die historischen Wegmarken dieser weitgehend unbekannten Geschichte britischer Kunst sind schnell benannt:
1933 Gründung von ›Unit One‹ als Speerspitze modernistischer Kunstentwürfe -
1937 Gründung der Zeitschrift ›Circle‹, welche die kreativen und sozialen Ideen des Konstruktivismus vorstellt -dann der ›Aufbruch‹ des Jahres 1960: Gründung der Künstlergruppe ›Situationisten‹ und parallel dazu der Zusammenschluss von Architekten und Künstlern unter dem Titel "Construction England 1950-1960". Einschneidend wird für diese Künstler die Begegnung mit abstraktem Expressionismus und Hard Edge amerikanischer Prägung, die in der Londoner Tate Modern 1956 und 1959 vorgestellt wurden, hier vor allem Barnett Newmann und Mark Rothko.

Dies ist der Hintergrund für die insgesamt sieben britischen Künstler dreier Generationen in unserer Ausstellung. Zu den frühen Exponenten zählen Michael Kidner, Jeremy Moon und Robin Denny, die mit exemplarischen Arbeiten der 1960er Jahre vertreten sind. Eine Brückenfunktion in die Gegenwart hinein kommt Julian Opie und seiner minimalistischen Architektur-Skulptur On average present day … zu, welche die kubische Säule als ikonische Form urbaner Architektur mit dem Vokabular der Minimal art und der Oberflächenästhetik zeitgenössischer Computeranimationen verbindet.
Vielfach gebrochen gilt das auch für Jim Lambie und dessen Skulpturen-Serie der »Doors«, während Ian Davenport an Traditionen des monochromen, raumgreifenden Bildobjekts anknüpft.
Auf amerikanischer Seite sind mit Kenneth Noland einer der Begründer der Post-Painterly Abstraction, mit Michael Heizer ein früher Exponent der Land art sowie mit Dan Graham ein Wortführer der Concept art neu in der Sammlung DaimlerChrysler präsent.
Insofern diese Richtungen im Medium des Bildes an der Wirklichkeit einer ideellen, spezifisch raumbezogenen Konzeption arbeiten, sind sie - zusammen mit den europäischen Traditionen vom Suprematismus über Brancusi und Bauhaus bis zu den Streifenbilder von Richard Paul Lohse 1948/49 - die wichtigsten Wegbereiter der klassischen amerikanischen Minimal Art.

Diese Verbindung von europäischer Konstruktion und amerikanischer Minimalisierung ist mit außerordentlicher Stringenz seit etwa 1970 im Werk der Amerikanerinnen Max Cole und Marcia Hafif radikalisiert worden. In den 1980er Jahren greifen Künstler wie Peter Halley und Haim Steinbach die Thematik erneut auf, gefolgt wiederum von jüngeren Positionen in unserer Ausstellung wie Greg Bogin, Sarah Morris und Tom Sachs.
Wollte man einen deutschen Vorläufer der amerikanischen Minimal art benennen, so wäre hier unzweifelhaft der Name von Mathias Goeritz hervorzuheben. Georitz war 1949 nach Mexiko gekommen und realisierte ab 1953 zwei der wichtigsten minimalistischen Skulpturen für den öffentlichen Raum, das Haus »El Eco« (1953) und die bis zu 57 Meter hohen, antifunktionalen farbigen »Satellitentürme« (1957). Variationen dieser monumentalen Architektur-Skulpturen haben wir noch einmal die Architekturmodelle von Erwin Heerich gegenübergestellt. Damit in einen aufregenden Dialog gebracht sind die Performance-Fotos von Santiago Sierra, der das Vokabular des Minimalismus gegen Bezahlung ›aufführen‹ lässt, sowie die charmanten Falthaus-Entwürfe des jungen ungarischen Künstlers Attila Csörgö.

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